Schutz vor Corona-Infektion

Maske oder Heimschule: Eltern in Mühldorf stellen vor allem Mund-Nasenschutz in Frage

Der etwas andere Schulaltag: ABC-Schütze Raphael Emberger aus Lohkirchen kennt als Erstklässler Unterricht nur in Corona-Zeiten. Jetzt muss er wie alle anderen Schulkinder im Landkreis seine Maske sogar auf seinem Sitzplatz tragen.
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Der etwas andere Schulaltag: ABC-Schütze Raphael Emberger aus Lohkirchen kennt als Erstklässler Unterricht nur in Corona-Zeiten. Jetzt muss er wie alle anderen Schulkinder im Landkreis seine Maske sogar auf seinem Sitzplatz tragen.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Derzeit sind Ferien, trotzdem verbringen einige Kinder die freien Tage in Quarantäne, weil es vor dem 1. November einen Coronafall in ihrer Klasse gab. Davor sollen Masken schützen, die manche Eltern kritisch sehen. Für das Landratsamt Mühldorf ist dagegen klar: Maske oder Heimschule.

Mühldorf – Eltern bewegt die Sicherheit und Einschränkung ihrer Kinder in der Corona-Pandemie sehr. Ein Vater, der namentlich nicht genannt werden möchte, berichtet davon, dass Eltern über den Sinn der Maßnahmen wie Maskenpflicht diskutierten. Diese Erfahrung musste in der vergangenen Woche auch Landrat Maximilian Heimerl auf Facebook machen, als er für die Maskenpflicht zum Teil massiv angegriffen wurde.

Der Vater, dessen Kinder in der Montessori-Einrichtung in Eberharting unterrichtet und betreut werden, fordert mehr Informationen über die Infektionen an Schulen und Kindertagesstätten, um die Lage beurteilen zu können. „Wie viele Übertragungen gibt es in der Schule oder den Kindertageseinrichtungen?“, will er wissen.

Zweifel, ob Masken gebraucht werden

Grundsätzlich stünden viele Eltern hinter den Maßnahmen, wollten sie aber auf ihre Wirksamkeit und Notwendigkeit überprüft haben. „Die bisherigen Maßnahmen haben super funktioniert“, sagt er. „Aber werden sie auch in Zukunft tatsächlich gebraucht?“ Deshalb erwartet er Zahlen des Landratsamts, die die Notwendigkeit von Masken begründen. Eines, sagt der Vater, müsse auf jeden Fall verhindert werden: Die Schließung von Schulen und Kindereinrichtungen.

19 Klassen und Gruppen in Quarantäne

Auf Anfrage hat das Landratsamt die Zahlen der Quarantäne-Klassen detailliert aufgelistet. Demnach waren bis Ferienbeginn sechs Gruppen in Kindertagesstätten in Quarantäne, fünf Klassen an Grundschulen, eine Klasse an der Wirtschaftsschule, fünf Klassen an den drei Gymnasien, eine Klasse an der Berufsschule und ein in der Fachakademie in Starkheim in Quarantäne.

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Inwiefern es dabei Ansteckungen in der Schule oder der Kindertagesstätte gab, kann das Landratsamt nicht mit Sicherheit sagen: „Es gibt einen zweiten Fall in der Grundschulklasse Mühldorf, bei dem allerdings nicht mit Sicherheit bestimmt werden kann, ob es sich um einen Folgefall oder ein unabhängiges Fallgeschehen handelt“, erklärt Sprecherin Simone Kopf. „Auch am Gymnasium Gars gibt es mittlerweile zwei Fälle in einer Klasse sowie mehrere Fälle im Kindergarten Unterm Regenbogen, die auf eine positive Erzieherin zurückzuführen sind.“

Landratsamt: Maßnahmen zum Schutz der Kinder angemessen

Dabei betont das Landratsamt, dass die bisherigen Maßnahmen zum Schutz der Kinder angemessen seien. „Maskenpflicht und Quarantäne für Gruppen und Klassen in Verbindung zu einem positiven Fall zielen darauf ab, die Infektionsketten in den Einrichtungen frühzeitig zu entdecken und zu unterbrechen“, erklärt Kopf. Durch Tests der Kinder und Erwachsenen im Schulumfeld solle darüber hinaus eine Verbreitung nach draußen verhindert werden.

Trotzdem bleiben Eltern den Maßnahmen gegenüber kritisch und weisen auf andere Landkreise in Bayern hin, die sich zum Beispiel der Maskenpflicht für Grundschulkinder entziehen. Der Vater der Eberhartinger Montessori-Schule verweist auf die Landkreise Unterallgäu und Cham oder die Stadt München.

Verzicht auf Masken nicht möglich

Im Landkreis Mühldorf, so die Sprecherin des Landkreises, sei der Verzicht auf Masken nicht möglich. „Eine Abkehr von der Maskenpflicht des Freistaates an Grundschulen ist nur bei Vorliegen eines Ausnahmetatbestandes möglich. Dieser liegt aktuell im Landkreis Mühldorf nicht vor.“

Eltern bleiben skeptisch

Der Drei-Stufen-Plan des Bayerischen Kultusministeriums empfehle bereits bei einer Inzidenz von 50 einen Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Schülern. Um diese Abstände einhalten zu können, gebe es in vielen Landkreisen Wechselunterricht, bei dem Kinder eine Woche in der Schule und eine Woche zu Hause seien. „Wir sind uns im Landkreis einig, dass wir den täglichen Unterricht in den Schulen so lange wie möglich aufrechterhalten wollen“, berichtet Kopf von Abstimmungen mit Schulamt und Schule.

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„Daher wurde das Abstandsgebot noch nicht in Kraft gesetzt, das Tragen einer Maske am Platz trägt wesentlich zum Erhalt des Präsenzunterrichts bei.“

Ab Montag gehen die Kinder nach den Herbstferien wieder zur Schule.

Das sind die Infektionen in Schulen

Infizierte Kinder gab es in:

  • Kindertagesstätten und Kindergärten: Waldorfkindergarten Mühldorf, Kindertagesstätte Au, Kindertagesstätte Mariä Himmelfahrt in Aschau, Kindertagesstätte Mühldorf Tachinger See-Straße,Kindertagesstätte Unterm Regenbogen (zwei Gruppen), Kindertagesstätte St. Christophorus in Waldkraiburg, Kindertagesstätte Am Kalander Waldkraiburg.
  • Grundschulen: Klasse und Hort an der Grundschule Goetheplatz Waldkraiburg, Grundschule Mühldorf, Kombiklasse Grundschule Egglkofen, Kombiklasse Grundschule Ramsau und Grundschule Rechtmehring
  • Weiterführende Schulen: eine Klasse an der Wirtschaftsschule Gester, drei Klassen am Gymnasium Waldkraiburg, je eine KLasse am Ruperti-Gymnasium Mühldorf und Gymnasium Gars, eine Klasse an der Berufsschule I und eine Klasse an der Fachakademie Starkheim.

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