Maschera, per favore

Italien. Wie gerne wäre man jetzt dort, die Füße im Sand, die Nase im Meereswind.

Wen es in diesen Tagen trotz des Corona-Biests dorthin verschlägt, der staunt schon an der ersten Espresso-Tankstelle hinter dem Tauerntunnel. Markierte Laufwege, zahllose Desinfektionsspender, Abstandshalter vor jeder Kasse, disziplinierte Kunden und Mitarbeiter. Und so geht es weiter: ein automatisches Fiebermessgerät am Kiosk für Bustickets oder im Museum, geduldigste Schlangen vor dem Supermarkt, weit auseinandergerückte Tische im kleinen Restaurant am Kanal und selbst in Stoßzeiten im Zug der (nicht immer gelingende) Versuch, Abstand zu wahren.

Und vor allem: La maschera, der bei uns so heftig umstrittene Mund-Nasen-Schutz. In der Edelboutique, auf dem Fährboot, im Bus, auf dem Weg durchs Restaurant: selbstverständlich tragen ihn die Menschen. Wer ihn verrutschen lässt, wird temperamentvoll darauf hingewiesen. Das ist so augenfällig, dass eine Schweizer Zeitung unlängst mit neidischem Blick auf die Nachbarn fragte: „Warum können die das und wir nicht?“

Die Bilder von Bergamo, die Lastwagen voller Särge mit Corona-Toten, haben offensichtlich ein ganzes Volk tief beeindruckt und vorsichtig gemacht. Mit welcher Selbstverständlichkeit und Eleganz die Italienerin, der Italiener seitdem das Maskending nutzt, im Gesicht und außerhalb der Gebrauchszeit am Arm, das beeindruckt den Besucher. Praktisch, stilecht, lässig. Natürlich gibt es Ausreißer, hängt la maschera mal an einem Ohrwaschl oder unter dem Kinn. Aber im Großen und Ganzen trägt’s der Italiener mit Fassung.

Holen wir ein bisschen Italien nach Bayern: ein Aperol Spritz, dazu Bruschette, die Sonne scheinen lassen und danach ganz lässig die Maske aufsetzen. Das ist echt italienisch, auch in Oberbayern. Mit Sicherheit.

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