A94: Martin Kirschner kämpfte Jahre gegen den Bau – nun führt die Autobahn durch seine Wiese

Direkt vor der Haustüre: Die A94 verläuft durch das Grundstück von Landwirt Martin Kirschner. Trotz einem angemessenen Flächenausgleich, bringt die Autobahn nichts Gutes mit sich. Kirschner bleibt verärgert, weiß aber, dass er sich arrangieren muss. Niederschweiberer

Nicht alles eitel Sonnenschein, sondern auch harte Verhandlungen und Gerichtstermine: Der Bau der A94 war aus der Sicht von Anliegern ein Kampf gegen Windmühlen. Deshalb resignierte auch ein Obertaufkirchener mit der Zeit.

Obertaufkirchen – „Jetzt ist sie halt da“: Martin Kirschner klingt niedergeschlagen. Der Landwirt aus Mimmelheim bei Obertaufkirchen gehört zu den Gegnern der A 94. Er selbst ist direkt betroffen – die Autobahn führt mitten durch sein Wiesengrundstück.

Anwohner müssen Platz machen

Kirschner und weitere Anwohner in der Umgebung befürchteten schon bei der Planung, dass sie Platz machen müssen, in ihrer Lebensweise eingeschränkt werden. Und dann ist ja auch noch der Lärm, mit dem die Mimmelheimer ab sofort konfrontiert sein werden.

+++ Der Festakt zur Eröffnung der A94 findet am Montag, 30. September, ab 15 Uhr statt. Wie wird gefeiert? Was sagen die Besucher? Mobilisieren die Gegner des A94-Neuabaus ein letztes mal? Wir sind ab 14 Uhr für unsere Leser vor Ort und berichten live. Schauen Sie einfach vorbei auf OVB-Online.de. +++

Als sich die Pläne zum Weiterbau der A 94 konkret geworden sind, haben sich auch die Anwohner gewehrt, darunter auch Kirschner: „Ich war ewig gegen die Autobahn. Deshalb trat ich der Bürgeraktion ,Bessere Lösung‘ bei, war dort jahrelang Schriftführer. Ich habe mit vielen Leuten geredet, deren Anwaltskosten sogar teilweise gezahlt und teure Telefonate geführt.“

Die Bewegung wehrte sich vehement gegen die Autobahn, die Teilnehmer initiierten sogar Petitionen. „Und unsere Argumente waren gut: Probleme mit dem Grundwasser, Eingriff in die Landschaft!“

Das könnte Sie auch interessieren:Freie Fahrt auf der Autobahn“ und „A94 Wochen vorher fertig

Doch es war ein Kampf gegen Windmühlen: „Als wir sahen, dass wir den Bau nicht verhindern konnten, setzten wir uns dann für die Trasse Haag ein.“ Dann kam irgendwann der Planfeststellungsbeschluss. Die nächste Eskalationsstufe. Den plötzlich wurde der eine Flächenenteignung möglich. Kirschner wollte klagen. Die Autobahndirektion hatte dem 57-Jährigen eine Entschädigung für den Grund angeboten, den sie für den Ausbau benötigten. „Doch das Angebot war derartig schlecht, dass ich dann im Mai 2011 mit zwei anderen Anwohnern beschlossen hatte, vor Gericht zu ziehen. Ich hatte nichts zu verlieren!“ Es war die letzte Gerichtsverhandlung vor Baubeginn, erinnert sich Kirschner.

Immerhin Flüsterasphalt

Immerhin: Ein richterlicher Beschluss änderte das Angebot zugunsten des Obertaufkircheners, der damit auch größtenteils zufrieden war: „Ich habe 2,3 Hektar Wiese hergegeben und dafür zwei Hektar Acker in einer guten Lage im Anschluss an meine Felder bekommen. Zusätzlich wurde ein Flüsterasphalt angelegt, der den Lärm verringern soll.“

Nachts bis zu 50 Dezibel

Die Einschränkungen wegen der Autobahnhalten sich also für Kirschner in Grenzen. Trotzdem wird bei ihm die höchste Lärmbelastung in der Nacht von 50 Dezibel weiterhin bestehen, erzählt er.

Die Verärgerung bleibt zwar, doch Martin Kirschner hat mit dem Thema abgeschlossen: „Wir wollen die Autobahn immer noch nicht, aber ich muss mich damit abfinden. So ein Projekt kann man nicht aufhalten. Ich mache das Beste draus.“

Mehr zum Thema

Kommentare