70 JAHRE SYNAGOGE AMPFING

Malereien erinnern an die Geschichte

Wegen statischer Probleme musste bei den ab 2008 erfolgten umfangreichen Sanierungsmaßnahmen im Obergeschoß ein Stahlfachwerk eingebaut werden.
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Wegen statischer Probleme musste bei den ab 2008 erfolgten umfangreichen Sanierungsmaßnahmen im Obergeschoß ein Stahlfachwerk eingebaut werden.

Der ehemalige Ökonomiestadl in Ampfing ist ein geschichtsträchtiges Gebäude. Nachdem das Gebäude in der Vergangenheit als Offiziers-Casino, als Jugendzentrum oder Tauschladen genutzt worden war, ist es als Theresianum heute ein Ort der Begegnung. Auch als Synagoge wurde das Gebäude vor 70 Jahren genutzt. Als solche wird das Gebäude mit einer Veranstaltungsreihe das ganze nächste Jahr über gefeiert.

Ampfing – Das Theresianum in Ampfing ist ein geschichtsträchtiges Gebäude. Es zählt zu den Häusern in Deutschland, die über eine Täter- und Opfergeschichte verfügen. Unrühmlich die Nutzung des aus dem 17. Jahrhundert stammenden Gebäudes, das im Sommer 1944 von der NS-Organisation Todt (OT) zu einem Offiziers-Casino umgebaut wurde. Diese „OT“ war für das KZ-Außenlager Mühldorf verantwortlich.

Nachdem die Organisation Todt ausgezogen war, wurde das Gebäude im Erdgeschoss von April bis Dezember 1947 für ehemalige KZ-Häftlinge zur Synagoge umgebaut. Im Laufe des Jahres 1948 löste sich jedoch die jüdische Gemeinde in Ampfing – überwiegend aufgrund der Abwanderung nach Israel – allmählich auf.

In den 70er-Jahren wurden einige Sanierungsmaßnahmen durchgeführt, unter anderem eine WC-Anlage eingebaut. In der Folge wurde das Gebäude auf verschiedene Arten genutzt, etwa als Jugendraum, als Musikschule und als Tauschladen. Das Erdgeschoss verkam allerdings immer mehr zu einer Abstellkammer.

Der Förderverein Pfarrzentrum unter Vorsitz von Matthias Brandstetter entschloss sich dann, das geschichtsträchtige Gebäude zu restaurieren, um auf diese Art und Weise die so wertvolle Geschichte zu erhalten. Mit viel Aufwand und Liebe zum Detail wurde der ehemalige Ökonomiestadel, das Theresianum, von 2008 bis 2010 von Grund auf saniert. Erst während der Arbeiten wurde damals ersichtlich, wie schlecht der Zustand des ältesten Gebäudes in Ampfing war, dessen Kern auf Anfang 17. Jahrhundert datiert wird. Dabei wurden nicht nur erhebliche statische Mängel festgestellt, sondern auch verfaulte, tragende Balken. Die Renovierungsarbeiten gestalteten sich in der Folge als sehr schwierig und es wurde klar, dass das Gebäude in naher Zukunft nicht mehr zu retten gewesen wäre.

Freigelegte Malereien zeugen nun von der Geschichte der Synagoge im Theresianum. Bereits während kleiner Renovierungsarbeiten in den 70er-Jahren wurden diese Malereien eines Gewölbefeldes restauriert. Auch an der südlichen Außenwand konnten während der Restaurierungen Malereien offen gelegt werden. Fragmente davon wurden von einem Restaurator aufwendig freigelegt. Eine Gedenktafel weist auf die Geschichte des Gebäudes hin.

Um die Nische in der östlichen Wand wurde ein Vorhang freigelegt, der bei der Restaurierung mit dem Pinsel nachempfunden wurde. Die Nische diente der Synagoge offensichtlich als Toraschrein. Gegenüber des Schreins wird der vermutete Standort der Birnah durch einen Messingrahmen im Boden angedeutet. Wie in Westeuropa üblich, befand sich der Toraschrein (Heilige Lade, hebräisch: Aron ha-Qodesch) an der Ostseite der Synagoge, Richtung Jerusalem.

In dieser Nische wurden die Tora-Rollen für die Verlesung der Wochenabschnitte am Sabbat aufbewahrt. Während der Gebetszeremonie wurde die heilige Tora aus dem Schrein ausgehoben und auf die Bimah oder Almemor, das Lesepult, gelegt. Da in traditionellen Synagogen die Bimah in der Mitte des Innenraums ist, wird davon ausgegangen, dass dies hier auch der Fall war. Bei Ausgrabungen wurden jedoch keine Hinweise, zum Beispiel auf ein Fundament, gefunden. Der vermeintliche Standort der Bimah wird jedoch durch eine Abgrenzung im Fliesenbelag angedeutet. An der Südwand wurden ebenfalls Malereien gefunden. Ein lebensbaumähnliches Motiv, eventuell auch ein siebenarmiger Leuchter (Menora).

Seinen jetzigen Namen hat das Theresianum wohl von der Pfarrersköchin „Fräulein Theres“. Sie zog nach der Pensionierung von Pfarrer Dr. Georg Lipp in die Wohnung im Obergeschoss und verbrachte dort ihren Lebensabend. Der Name Theresianum ist mittlerweile die offizielle Bezeichnung. stn

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