Ludwig Hartmann in Buchbach: „Mit Fantasie gegen Betonklötze“

Ludwig Hartmann, Vorsitzender der grünen Landtagsfraktion und Sprecher für den ländlichen Raum, sprach zumThema Flächensparen. Sutherland

Ludwig Hartmann, Sprecher der grünen Landtagsfraktion und Sprecher für den ländlichen Raum, sprach zum Thema „Flächensparen, Umwelt und Artenschutz – zum Wohl von Mensch und Natur“. Derzeit verschwinden in Bayern jede Woche zwei Bauernhöfe unter Beton und Asphalt. So beschrieb es Hartmann bildhaft.

Buchbach – Er sprach zum Thema „Flächensparen, Umwelt und Artenschutz – zum Wohl von Mensch und Natur“ im gut besuchten Gasthaus Stoiber in Sterneck.

Artenreichtum gibt es da, wo es unordentlich ist

Zum Auftakt der Veranstaltung sprach Dr. Andreas Zahn vom Bund Naturschutz. Er gab einen Überblick darüber, wo Artenreichtum noch zu finden sei. Beispiele, die er mit Bildern belegte, waren das Isental mit seinen Feuchtwiesen bei Walkersaich, oder ein Schuttplatz hinter Massing, wo Wildbienen und Schwalbenschwanz noch eine Chance hätten. Orte also, an denen es nach landläufigem Begriff „unordentlich“ aussah.

Um Artenreichtum zu erhalten, so Zahn, solle man möglichst nicht mulchen, alte Bäume erhalten und einfallsreiche Ausgleichsflächen schaffen. +++ Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren! +++

Für die, an diesem Abend erkrankte Landratskandidatin Cathrin Henke, sprang Matthias Kraft, der Mühldorfer Bürgermeisterkandidat von Bündnis 90/Die Grünen ein. Als Rechtsanwalt wies er auf die bayerische Verfassung hin, in der der Schutz der Natur verankert sei. Zum Thema Flächenfraß sah er die Lösung darin, in die Höhe zu bauen. Um schöne Stadtbilder trotzdem zu erhalten, forderte er auf, mit Fantasie gegen Betonklötze anzubauen.

Der Hauptsprecher des Abends, Ludwig Hartmann, Vorsitzender der grünen Landtagsfraktion und Sprecher für den ländlichen Raum, schilderte drastisch den Flächenfraß mit dem Beispiel, „derzeit verschwinden jede Woche zwei Bauernhöfe unter Beton und Asphalt.“ Er sah das Problem, dass Firmen einen Ort weiterzögen, wenn sie expandieren wollen und dort günstigere Flächen erhielten. „Hier muss man auf Landesebene eingreifen“, rief er unter Applaus.

Er wandte sich auch dagegen, Gewerbegebiete neu auszuweisen, wenn im Landkreis noch welche frei sind. Diese Flächen sollten zuerst genutzt werden. Auch die Abwanderung von Läden an den Ortsrand war ihm ein wichtiges Thema. Damit man im Dorf als Kind und als älterer Mensch leben und einkaufen kann, dafür setze er sich ein.

Gemeinden müssen sich gegen Discounter zusammentun

Er riet den Gemeinden, sich zusammenzutun, damit Discounter nicht sagen könnten, sie gehen zur Nachbargemeinde. Als ein weiteres Beispiel gegen den Flächenverbrauch nannte Hartmann den Bau von Parkdecks.

Weitere Themen für den Flächenfraß seien, neben den Gewerbeflächen, Verkehrsflächen und Wohnflächen. Die Schnellfahrflächen der Bahn bräuchten nur ein Drittel der Fläche der Autobahn, sagte Hartmann.

Die Auswirkungen des Flächenfraßes seien vielfältig. So ist die Artenvielfalt bedroht, die Bodenfunktion geschädigt, durch die Versiegelung besteht Hochwassergefahr und die Kommunen stehen vor hohen Kosten. Hier müsse die Kommunalpolitik eingreifen und die Genehmigung nicht mehr erteilen, wenn nicht flächensparend gehandelt wird. Das Publikum im Saal applaudierte dazu. Als Lösung sah Hartmann eine Höchstgrenze bei fünf Hektar pro Tag. „Damit können wir alles bauen, was wir brauchen!“ Im Anschluss an den Vortrag gab es eine Fragerunde mit zahlreicher Beteiligung.

Klimaschutz und Artenschutz sind elementare Anliegen von Bündnis 90/ Die Grünen, sagte Judith Bogner, die Kreissprecherin und Moderatorin des Abends zu Beginnder Veranstaltung. Der Kreisverband Bündnis 90/ Die Grünen hatte zu der Veranstaltung geladen.

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