Nachruf

Mühldorfer Wirtin Linde Schwarz verstorben

Linde Schwarz war für Jahrzehnte Gastgeberin und Ansprechpartnerin für viele Vereine und Gruppen in Mühldorf.
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Linde Schwarz war für Jahrzehnte Gastgeberin und Ansprechpartnerin für viele Vereine und Gruppen in Mühldorf.
  • Josef Bauer
    vonJosef Bauer
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Linde Schwarz war in Mühldorf eine Institution. Die bekannte Gastwirtin arbeitete seit 1964 in der Gastronomie.

Mühldorf – Über 56 Jahre war sie als Wirtin in der eigenen Gastwirtschaft an der Wertachstraße immer um ihre Gäste bemüht. Und die kamen zahlreich, einzeln oder als Familien, in Gruppen oder mit ihren Vereinen. Denn das Wirtshaus Schwarz war wichtiger gesellschaftlicher Treffpunkt.

Ihr Leben als Wirtin wurde ihr schon in die Wiege gelegt. Sie kam im Gasthaus Starkheim, dem Mühldorfer Ausflugslokal, auf die Welt. Ihre Kindheit verbrachte sie bis nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihren Eltern in Starkheim.

Nach Ende des Kriegs übernahm ihr Vater ein landwirtschaftliches Anwesen in Annabrunn. Nach ihrer Schulzeit, die sie zum Teil im Kloster in Au am Inn verbrachte, arbeitete sie als Verkäuferin in einer Metzgerei in Waldkraiburg.

Das Gasthaus Schwarz ist eines der Traditionswirtshäuser in Mühldorf. Jetzt ist seine Wirtin im Alter von 82 Jahren gestorben.

Sie stand seit 1964 hinter dem Tresen

Ende der 1950er-Jahre lernte sie den Mühldorfer Willi Schwarz kennen und lieben. Die Eltern ihres zukünftigen Mannes führten damals in Pacht die Gaststätte Altöttinger Tor in Mühldorf. Sie entschlossen sich 1956, ein eigenes Wirtshaus an der Wertachstraße in Mühldorf zu errichten. 1964 übernahmen Linde und Willi Schwarz die Spaten-Stuben Schwarz in eigener Regie.

Tochter Karin und die Söhne Michael und Helmut machten die Familie komplett. Sie kümmerte sich neben der Gastwirtschaft immer liebevoll um ihre Familie. Ihr ganzer Stolz waren ihre beiden Enkel Lena und Andreas, die sie von ganzem Herzen liebte.

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Linde Schwarz sorgte mit einer hervorragenden bayerischen Küche dafür, dass die Gastwirtschaft bald einen Namen für ihren Mittagstisch bekam, das Mittags-Abo-Angebot nahmen viele sehr gut an. Entsprechend gut besucht war die Wirtschaft an den Wochentagen und am Wochenende.

Die Spaten-Stuben waren aber auch Heimat für viele Stammtische, Schafkopfrunden und Watttreffen. Vor der Errichtung der Sportgaststätte kamen auch die Tischtennisspieler und Judo-Kämpfer des TSV Mühldorf als Stammgäste in die Spaten-Stuben Schwarz. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Mühldorfer Sparkasse, Ludwig Bronold, traf sich dort mit seinen Freunden zu Schafkopf und Brotzeit, die zum Kartenabend gehörte wie das Spatenbier. Auch die Jagdgenossenschaft Annabrunn war regelmäßig zu Gast.

Linde Schwarz belasteten die Corona-Einschränkungen

Jahrzehntelang war sie Herbergsmutter der Mühldorfer Kolpingsfamilie. Die Kolpingsmitglieder trafen sich jeden Montag in den Spaten-Stuben. Lange Jahre kamen die Hobby-Turner und Saunafreunde des TSV 1860 Mühldorf nach dem Sport und den Saunagängen zur Brotzeit zu ihrer Linde.

Neben all der Arbeit in der Gaststätte übernahm Linde Schwarz auch die Belieferung der Kantine der Firma ODU in Mühldorf. Viele Jahre sorgte sie dort für das Mittagessen.

Die Mühldorferin führte bis zu ihrem überraschenden Tod ihr Gasthaus in eigner Regie. Für sie war der tägliche Kontakt mit ihren Stammgästen besonders wichtig. Die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie belasteten sie sehr.

Ihr Markenzeichen: Verlässlichkeit

Sie gehörte dem Verein für deutliche Aussprache an und vertrat ihre Standpunkte mit der nötigen Kraft, aber auch mit der Geschmeidigkeit, die ein Zusammenleben in einer Gastwirtschaft erst ermöglichte. Sie war neugierig und aufgeschlossen, legte aber viel Wert auf persönliche Kontakte und Gespräche. Zusagen von ihr waren in Stein gemeißelt. Auf Linde Schwarz war immer zu 100 Prozent Verlass.

Die Stadt Mühldorf verliert eine Wirtin, die in ihrer langen beruflichen Laufbahn ein Teil der Gesellschaft in dieser Stadt geworden ist.

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