LESEN UND CORONA

„Leute sind ausgehungert“: Mühldorfer Büchereien dürfen wieder Lesestoff verleihen

Nachschub für lange Corona-Abende: Se Yeon Kim-Schaaf nutzt den Abholservice in der Mühldorfer Bücherei. Sandra Straßer und ihre Kolleginnen verleihen Bücher im Viertelstundentakt.
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Nachschub für lange Corona-Abende: Se Yeon Kim-Schaaf nutzt den Abholservice in der Mühldorfer Bücherei. Sandra Straßer und ihre Kolleginnen verleihen Bücher im Viertelstundentakt.
  • Harald Schwarz
    vonHarald Schwarz
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Im Dezember mussten auch die Mühldorfer Büchereien coronabedingt geschlossen werden. Eine Maßnahme der Bayerischen Staatsregierung, die auf wenig Verständnis stieß. Jetzt dürfen die Büchereien aber wieder im Rahmen von Click&Collect aktiv werden. Darauf haben auch die Büchereien im Landkreis reagiert.

Mühldorf – Im Dezember mussten auch die Büchereien coronabedingt geschlossen werden. Eine Maßnahme der bayerischen Staatsregierung, die auf wenig Verständnis stieß. So wurde beispielsweise in den sozialen Netzwerken kritisiert, dass „es nie um Bildung ging, sondern nur darum, dass Eltern für die Wirtschaft verfügbar bleiben.“ Das PEN-Zentrum, eine deutsche Schriftstellervereinigung, kritisiert die Entscheidung ebenfalls. Zum einen, weil Bayern das einzige Bundesland ist, dass Büchereien geschlossen hat. Und zum anderen, weil „ Bibliotheken bisher nicht als Hotspots für die Corona-Verbreitung bekannt sind“, heißt es in einer Presseerklärung.

Lesestoff wieder online ausleihen

Jetzt dürfen die Büchereien aber wieder im Rahmen von Click & Collect aktiv werden. Darauf haben auch die Büchereien im Landkreis reagiert. So hat die Mühldorfer Stadtbüchereii wieder ihren Abholservice eingerichtet, der bereits während der ersten Ausgangsbeschränkungen gut funktioniert hat. Wer im Besitz eines gültigen Büchereiausweis ist, der kann ab sofort über den Online-Katalog kostenlos bis zu 15 Medien (Bücher, Zeitschriften, AV-Medien) bestellen, sagt die Büchereileiterin Regina Kaiser. Das Team der Bücherei stellt die Bestellung zusammen und vereinbart zwischen Dienstag bis Freitag einen Abholtermin. „Die Ausgabe erfolgt kontaktlos mit Körben durch ein Fenster zur Fragnergasse“, so Regina Kaiser. Die Körbe werden anschließend desinfiziert.

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Warteschlangen werden vermieden, in dem die Büchereinutzer im Viertelstundentakt einbestellt werden. Regina Kaiser sieht durchaus die Notwendigkeit, dem Coronavirus mit dem Lockdown zu Leibe zu rücken. Allerdings kann sie nicht verstehen, dass man sich erst stark machen musste, dass auch Büchereien wieder geöffnet werden können. Organisatorisch ist sie mit der neuen Regelung gefordert, da es deutlich mehr Personaleinsatz bedeutet.

Das führte beispielsweise bei der Bücherei in Neumarkt-St. Veit dazu, dass sie den Ausleihservice erst einmal nicht anbieten konnte, wie Büchereileiterin Helga Preußler sagt. Mittlerweile gibt es aber auch dort einen Bestell- und Abholservice.

Die gewünschten Medien können telefonisch unter 0 86 39/83 58 oder per Mail unter info@stadtbuecherei-neumarkt.de bestellt und zu einem festgelegten Zeitpunkt im Vorraum der Stadtbücherei abgeholt werden.

Dabei sind sich alle Büchereiverantwortlichen einig, dass die Menschen ausgehungert nach Lesestoff sind. Um den Hunger ihrer Leser zu stillen, bietet das Team des Waldkraiburger Haus des Buches auch wieder seinen Abholservice „Bibliothek to go“ an.

Unermesslicher Wert für die Gesellschaft

Bücher, CDs, Spiele, Zeitschriften und Ähnliches können bestellt und abgeholt werden. Bis zu zehn Medien können über den Online-Katalog ausgeliehen werden, informiert Bibliotheksleiterin Bianca Mertin. Die Medien können dann frühestens am folgenden Abholtag über das geöffnete Fenster neben dem Haupteingang des „Haus des Buches“ abgeholt werden.

Die Medien dürfen überall nur dann ausgegeben werden, wenn eine FFP2-Maske getragen wird.

Als Kunst- und Wissenschaftsminister wisse er um den unermesslichen Wert der Bibliotheken für die Gesellschaft, lässt Bernd Sibler in einer Pressemitteilung verlautbaren.

Zugleich appelliert Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek an die Bürger, dieses Angebot verantwortungsbewusst zu nutzen und die Schutz- und Hygieneregeln einzuhalten. „Obwohl hier mit wenig Publikumsverkehr zu rechnen ist, muss sich jeder beim Abholen der Bücher durch eine FFP2-Maske schützen“, so Holetschek.

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