HOSPIZINSEL ERÖFFNET

Für den letzten Weg

Ein Segenfür die Menschen: Pater Bernhard Stiegler weihte die Räume der Hospizinsel gestern ein. hon/kob
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Ein Segenfür die Menschen: Pater Bernhard Stiegler weihte die Räume der Hospizinsel gestern ein. hon/kob

Nur acht Monate nach Beginn der Planungen wurde gestern die Hospizinsel in Waldkraiburg eingeweiht. Finanziert wurde sie aus der OVB-Weihnachtsaktion und bietet vier Schwerstkranken eine besondere Heimat.

Mühldorf/Waldkraiburg – Die ersten Anfragen gibt es bereits, nach dem kleinen Festakt gestern soll die Hospizinsel in den nächsten Tagen die ersten Patienten beherbergen. Für vier unheilbar Kranke ist dort Platz, wenn sie weder zu Hause noch in einem Altenheim gepflegt werden können oder wollen.

Was sich hinter nüchternen Beschreibungen verbirgt, würdigten Redner bei der Eröffnung gestern als zutiefst menschliche Einrichtung. Für Waldkraiburgs Bürgermeister Robert Pötzsch ermöglicht die Einrichtung ein „Leben in Alter und Krankheit, das würdig ist“. Landrat Georg Huber sagte, dass Menschen dort „ohne große Angst und ohne große Schmerzen ihr Schicksal meistern können“. Hans Pilke, Vorsitzender des Trägervereins des Adalbert-Stifter- Seniorenheimes, an den die Hospizinsel angegliedert ist, lobte die Gestaltung als „angemessen für den letzten Weg“.

Die Hospizinsel ist ein Pilotprojekt, das erste seiner Art in Deutschland. Von einem normalen Hospiz unterscheidet es die zunächst auf 14 Tage begrenzte Aufenthaltsdauer, mit der besonders schwere Zeiten der Pflege erleichtert werden sollen. Dr. Josef Hell, Geschäftsführer des Anna Hospizvereins sagte, die Hospizinsel arbeite mit einem Konzept, das zwischen stationärem Hospiz und Pflegeheim liege. Eines liegt ihm am Herzen: „Es gibt doppelt so viel Pflege, wie sonst möglich ist.“

Das sei für viele Menschen am Ende ihres Lebens eine besondere Entlastung. Ein Beispiel für mögliche Patienten: Männer mit Prostata-Karzinom, die im Verlaufe der Krankheit Metastasen in den Knochen bekommen. Dies mache Bewegungen äußerst schmerzhaft. Linderung verschaffe es, wenn sie sich langsamer bewegen könnten. Eine Pflegekraft, die mehr Zeit habe, könne dies ermöglichen. Ein 20-köpfiges Team aus Pflegekräften des Adalbert-Stifter-Seniorenheimes und des Anna Hospizvereins, aber auch Hospizbegleiter kümmern sich um die vier Gäste, wie die Bewohner der Hospizinsel genannt werden. In Kürze werden sie dort einziehen.

Denkbar sei, dass Frauen und Männer von dort in stationäre Hospize umziehen – falls sich ihre Gesundheit weiter verschlechtere und sie intensivere medizinische Versorgung bräuchten. Möglicherweise wollten sie aber auch wieder nach Hause.

Die Betreuung, die über das gängige und von den Krankenkassen finanzierte Maß hinausgeht, ist durch Spenden der OVB-Leser an Weihnachten ermöglicht worden. Hell dankte dafür. Markus Honervogt vom Mühldorfer Anzeiger nannte die mit 880 000 Euro überaus erfolgreiche Spendenaktion ein Zeichen dafür, wie tief der Hospizgedanke dank des Anna Hospizvereins bei den Menschen im Landkreis Mühldorf verankert sei. Das Geld floss zum einen an die Hospizinsel in Waldkraiburg und zum anderen in den Bau eines Hospizes in Bernau am Chiemsee.

In dem abgetrennten Bereich des Stifter-Heims gibt es vier Zimmer für Patienten, ein Gemeinschaftsbad und eine gemeinsame Küche. Warm, freundlich und lichtdurchflutet sind alle Zimmer.

Irmgard Viellehner, die den Tag der offenen Tür am Samstag besucht hat, fand es gut, dass auch an die Angehörigen der Schwerkranken gedacht worden sei. Neben den Zimmern für die Patienten gibt es zwei Zimmer, in denen Familienangehörige übernachten können, dazu eine Couch in der Wohnküche und Tische und Stühle in den Zimmern der Kranken.

Laut Hell gibt es bereits Anmeldungen für die Hospizinsel. Er erklärt, dass die Ludwig-Maximilians-Universität die Hospizinsel wissenschaftlich begleiten werde. Es gehe darum, einzuschätzen, ob sie auch andernorts für Menschen in ihrer letzten Lebensphase ein sinnvolles Angebot sei. Bislang gebe es schlichtweg Lücken in der Versorgung. Hell wünscht sich, dass es in Zukunft eine eigene Pflegestufe geben werde, die Schwerstkranken eine gute Begleitung ermögliche. Dafür gelte es, das Bewusstsein in der Politik zu wecken. Der Hospizverein hat schon im Ministerium vorgesprochen.

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