Leinenzwang in Mühldorf: Hundebesitzer gehen auf die Barrikaden

Wenn die Hunde erzogen sind, ist eine Leinenpflicht überflüssig. Wer seine Hunde nicht erzieht, nimmt sie auch nicht an die Leine: Manuela Halfen mit Ludwig (links) und Emma an der Eichkapelle. Sie kämpft gegen die neue Vorschrift auf manchen Mühldorfer Wegen. Honervogt

Die Stadt auf einigen Spazierwegen in der Stadt Mühldorf einen Hundeleinenzwang erlassen. Das ärgert viele Hundebesitzer, die die Vorschrift für überzogen halten und um die Bewegungsfreiheit für ihre Hunde fürchten. Manuela Halfen, bekannt als Manuela Zauberclown, macht dagegen mobil.

Mühldorf – Es ist ein nasskalter Tag, an dem Manuela Halfen ihre beiden Hunde über die Wiese an der Eichkapelle führt. Dort überquert sie die Straße um über einen der Weg hangabwärts Richtung Freibad zu gehen. Dort wo die Treppe beginnt, steht ein großes Schild, dass sie zwingen will, ihre Hunde an die Leine zu nehmen.

Eine Stadt, die nicht mehr familienfreundlich ist

Aus der Mühldorferin, die als „Zauberclown Manuela“ bekannt ist, sprudelt die Empörung über diese relativ junge Vorschrift nur so heraus. „Mühldorf will doch eine lebendige und liebenswürdige und familienfreundliche Stadt sein. Das ist sie jetzt nicht mehr.“

Sie nennt die Vorschrift „willkürlich“ und „rechtlich nicht haltbar“, zusammen mit anderen Hundebesitzern hat sie schriftlich bei Bürgermeisterin Marinanne Zollner protestiert. Auch ine Besuch im Rathaus brachte nichts, erzählt Halfen.

Kein Freilauf für Hunde: Auf den orangemarkierten Wegen müssen Hunde über 50 Zentimetern an die Leine genommen werden. Das gefällt vielen Hundebesitzern nicht. Klinger

Nach ihrer Ansicht sind die Vorschriften unverhältnismäßig. Unter Berufung auf den entsprechenden Gesetzesartikel sagt Halfen. Es bestehe auf den angegebenen Wegen weder eine Gefahr für Leib und Leben, noch für die öffentliche Sicherheit und Sauberkeit. Das Verbot schränke außerdem die Bewegungsfreiheit der Tiere ein und widerspreche damit dem Tierschutz.

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Vor allem unterhalb der Eichkapelle könne auf einigen Wegen gut auf die Vorschrift verzichtet werden, das sie eh nur selten von Fußgängern genutzt würden. Andere, nicht beschränkte Wege entlang von Bahnlinien oder Innkanal seien gefährlich oder – wie am Inn – oft völlig übervölkert.

Gefahr für Fußgänger und Kinder

Die Stadt hält ihre Verordnung dagegen für nötig: „Bei der Leinenpflicht geht es um den Schutz der Schwächeren und um die Vermeidung von Gefahren“, erklärt Bürgermeisterin Marianne Zollner. „Erhöhte Gefahren bestehen auf Spazierwegen, wo sich Fußgänger, Fahrradfahrer und Hunde begegnen.“ Es sei festzustellen, dass in Mühldorf sowohl die Zahl an Kindern, an Fahrradfahrern und auch die Zahl von Hunden stark gestiegen sei. „Der Stadtrat hat sich deshalb für die Leinenpflicht auf den aufgeführten Wegen im Stadtbereich entschieden.

Das gelte auch für den Weg unterhalb der Eichkapelle, der bei Hundebesitzerin Halfen besonders in der Kritik steht. Zu den üblichen Kriterien kommt laut Zollner in diesem Bereich die „Nachbarschaft des Kinderzentrums an der Ahamer Straße“ und der Zubringer zum Freibad als Grund dazu, ein Weg, auf dem „viele Menschen unterwegs sind“. Das bestreitet Halfen vehement, sie nennt den Weg „kaum begangen“ und hat zusammen mit anderen Verbotsgegnern Passanten gezählt. Das Ergebnis bestätige ihre Überzeugung, sagte sie.

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Eine Kontrolle des Verbots durch die Stadt gibt es laut Zollner nicht. „Dem Ordnungsamt steht kein Außendienst zur Verfügung. Es wurde die Polizei gebeten, durch die Sicherheitswacht ein Augenmerk auf Verstöße gegen die Bestimmungen der Hundehaltungsverordnung zu richten.“

Um die Regelung deutlich zu machen, hat die Stadt viele Schilder aufgestellt. Auch die kritisiert Halfen, weil sie grundsätzlich Hunde an die Leine zwingen, obwohl das Gebot nur für Kampfhunde und Tiere über 50 Zentimeter gilt.

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