„Legalisierter Wucher“: Warum 55 Meter Friedhofsmauer in Buchbach 900.000 Euro kosten

Bei der südöstlichen Friedhofsmauer brechen bereits Steine heraus. Schwarz
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Bei der südöstlichen Friedhofsmauer brechen bereits Steine heraus. Schwarz

Ein Teil der Friedhofsmauer um den Friedhof an der Pfarrkirche St. Jakobus des Älteren in Buchbach ist „sehr stark renovierungsbedürftig“, beschreibt Richard Fugmann, Verwaltungsleiter des Pfarrverbandes. 900.000 Euro soll die Renovierung kosten. Der Marktgemeinderat hat sich das erklären lassen.

Buchbach –  Bei einer Sitzung des Marktgemeinderates meinte Martha Oberwallner, die auch Mitglied der Kirchenverwaltung ist, dass „da wahrscheinlich 50 Jahre nix gemacht worden ist“. Ein Blick auf die Mauer zeigt, dass sie sich bereits an verschiedenen Stellen leicht nach vorne wölbt und einzelne Steine aus der Mauer herausgebrochen sind.

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Auf einer Länge von 55 Metern muss die Friedhofsmauer abgebrochen und erneuert werden. Ein Vorhaben, das aufgrund der äußeren Gegebenheiten nicht so einfach ist: Die Mauer ist rund zwei Meter hoch, der ehemalige Friedhof rund um die Pfarrkirche liegt zwei Meter höher, sodass es hier eine stabile Betonmauer braucht, die den Druck aushält, wie Richard Fugmann erläutert. Zudem müssen die Bäume und Sträucher, die die Mauer eingewachsen haben, erst einmal weggemacht werden. Anschließend werden wieder neue angepflanzt.

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Zudem ist das Kriegerdenkmal, das nach wie vor im ehemaligen Friedhof steht, relativ nahe an der Mauer. Es muss entsprechend gesichert werden. Im Zug des Neubaus werden auch gleich die Wege im Friedhof hergerichtet und der Platz rund um die Kirche neu gestaltet.

Baumaßnahme muss archäologisch begleitet werden

Auch das Denkmalamt hat sich bereits gemeldet. Es erwartet diverse Funde. Deshalb muss die Mauererneuerung eben auch archäologisch begleitet werden, sagt Richard Fugmann.

Der grünmarkierte Teil der Friedhofsmauer muss komplett erneuert werden.

Neben der Erneuerung dieses Teiles der Friedhofsmauer gibt es auf der gegenüberliegenden Seite auch noch einen Bereich der Friedhofsmauer, der saniert werden muss und unter Denkmalschutz steht. Hier sind unter anderem Epitaphe, die restauriert werden müssen.

Kostenschätzung liegt bei rund 900 000 Euro 

Auch wenn es Marktgemeinderat Josef Genzinger (Umland Buchbach) als „legalisierten Wucher“ bezeichnet worden ist, wird damit die Kostenschätzung von rund 900 000 Euro klarer. In der Juni-Sitzung hat die Pfarrei deshalb einen Zuschuss für die Sanierung der Friedhofsmauer bei der Marktgemeinde beantragt. Dort verständigte man sich auf Fördermittel in Höhe von fünf Prozent der Investitionssumme, maximal aber 2000 Euro.

Die Epitaphedieses Teiles der Friedhofsmauer müssen restauriert werden.

Das Ordinariat fördert die Renovierung

Fugmann ergänzte, dass man auch beim Landkreis und beim Denkmalamt wegen Zuschüssen nachgefragt habe. Er machte klar, dass die Pfarrei diese Summe keinesfalls aufbringen könne. Doch das Ordinariat hat bereits Fördermittel zugesagt. Sie machen, laut Fugmann, rund 90 Prozent der Gesamtkosten aus, die restlichen zehn Prozent muss die Pfarrgemeinde auftreiben.

Die Ausschreibung für die Baumeisterarbeiten sei bereits erfolgt, so der Verwaltungsleiter. Der Marktgemeinderat hat in der September-Sitzung zudem einstimmig grünes Licht für den Abbruch und die Errichtung der südöstlichen Friedhofsmauer gegeben. Zudem wurde die denkmalrechtliche Grabungserlaubnis erteilt. Fugmann ist aber realistisch und glaubt, dass die Arbeiten erst im Frühjahr 2020 beginnen werden.

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