Zu langsam – schnell genug: So steht es mit dem Internet im Landkreis Mühldorf

Ottmar Reschberger,, Chef des Amtes für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, stand dem Anzeiger Rede und Antwort.
+
Ottmar Reschberger,, Chef des Amtes für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, stand dem Anzeiger Rede und Antwort.
  • Josef Bauer
    vonJosef Bauer
    schließen

Mühldorf – Die Corona-Krise mit der Arbeit im Heimbüro und der Heimschule hat die Bedeutung einer guten Digital-Infrastruktur deutlich gemacht. Viele klagen über eine allzu langsame Internetverbindung. Im Interview erklärt Ottmar Reschberger, Chef des Amtes für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, wie es um den Breitbandausbau im Landkreis steht.

Wie sieht es mit dem Breitbandausbau und damit mit der Digitalisierung aus?

Ottmar Reschberger:Die aktuelle Breitbandverfügbarkeit kann sich jeder im sogenannten Breitbandatlas des Bundesinnenministeriums ansehen. Im Landkreis Mühldorf verfügen derzeit 93 Prozent aller Haushalte über eine Geschwindigkeit von 30 MBit pro Sekunde im Download. In den letzten sechs Jahren wurden mehr als 2,3 Millionen Haushalte erstmals an das schnelle Internet angeschlossen.

Trotzdem gibt es immer wieder Klagen von Menschen, sie hätten kein schnelles Internet.

Reschberger: Man auch dazu sagen, dass gerade in ländlichen Gebieten noch lange nicht alles gebaut ist. Derzeit sind die Kapazitäten der Firmen, welche die Glasfaserkabel verlegen und die Netzanschlüsse erstellen, völlig ausgelastet. Teilweise gibt es Wartezeiten von vier Jahren ab Vertragsabschluss bis zur Bauausführung.

Wie lang wird es noch dauern, bis der Breitbandausbau im Landkreis beendet ist?

Reschberger: Nach Beendigung der bisher vertraglich vereinbarten Maßnahmen werden 99 Prozent der Haushalte mit mindestens 30 MBit pro Sekunde versorgt sein. Dabei handelt es sich um die erste Ausbaustufe, es geht jedoch noch weiter. Seit März 2020 wurde mit der neuen bayerischen Gigabitrichtlinie die nächste Phase eingeläutet. Ziel ist es, bis 2025 flächendeckend, also auch im ländlichen Bereich, eine Versorgung von einem Gigabit pro Sekunde für alle gewerblich genutzten und von 200 MBit pro Sekunde für alle privaten Hausanschlüsse zu erreichen. Nun sind die Gemeinden gefordert, schnell die neuen Möglichkeiten zu nutzen und die Gigabit-Förderverfahren zu starten. Auch dazu haben wir in den vergangenen Monaten die Gemeinden bereits intensiv beraten.

Welche Zuschüsse und staatliche Hilfen stehen für den Breitbandausbau zur Verfügung?

Reschberger: Seit 2014 wurde im Rahmen der bisherigen bayerischen Breitbandförderungmehr als eine Milliarde Euro staatlicher Fördergelder den Kommunen zur Verfügung gestellt. Mit der neuen Gigabitrichtlinie des Freistaats Bayern kann jede Gemeinde nochmal bis zu acht Millionen Euro an Zuschüssen erhalten.

Ist der Sprung vom Vermessungsamt zum Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung geglückt?

Reschberger: Natürlich sind wir nach wie vor für viele das Vermessungsamt. Zumindest werden wir so bezeichnet und ein großer Teil der knapp 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist weiterhin mit Grundstücksvermessungen in den Landkreisen Altötting und Mühldorf beschäftigt. Die Umbenennung erfolgte, weil wir seit einigen Jahren Kommunen unter anderem in den bayerischen Förderverfahren für den Breitbandausbau beraten und begleiten. So haben wir allein bei den Gemeinden vor Ort über 400 Beratungsgespräche und darüber hinaus unzählige Telefonate geführt.

Wie werden die digitalen Angebote Ihres Amtes angenommen?

Reschberger:Unsere Kunden können jederzeit von zu Hause aus online digitale Lagepläne abrufen oder uns per E-Mail ihre Vermessungsanträge zusenden. Gerade zu Beginn der Corona-Krise, als wir unser Kundenzentrum schließen mussten, war dies für viele ein großer Vorteil, denn sie bekamen trotzdem weiterhin alle unsere Produkte.

Geodaten für alle

Die Bayerische Vermessungsverwaltung stellt viele Geodaten und Dienste zur Verfügung: Flurkartenauszüge und andere Daten aus dem Liegenschaftskataster, Luftbilder, Topographische Karten, Positionierungsdienste. Im Bayernatlas findet jeder kostenlos Karten zu allen möglichen Themengebieten.

In der 3D-Darstellung kann man aus allen Richtungen auf sein Dorf schauen. Seit kurzem können Karten des Bayernatlas auf Smartphones auch offline verwendet werden für Wanderungen oder Radtouren. Auch dort, wo kein Mobilfunknetz vorhanden ist.

Kommentare