Landwirtin Barbara Kamhuber: „In 40 Stunden ist die Arbeit nicht getan“

Barbara Kamhuber mit ihrer Tochter Theresa in der Küche der Familie in Gröben. Bauer
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Barbara Kamhuber mit ihrer Tochter Theresa in der Küche der Familie in Gröben. Bauer

Die Landwirtschaft hat keinen leichten Stand in der Gesellschaft. Das Aussterben der Insekten, die Gülleproblematik, die Tierhaltung sowie die Ernährung sorgen für jede Menge Diskussionsstoff. Vielen Landwirten fehlt die Wertschätzung ihrer Arbeit durch weite Teile der Bevölkerung. Auch deshalb erlaubt Barbara Kamhuber einen Einblick in ihren Arbeitsalltag als Landwirtin.

Polling/Mühldorf – Barbara Kamhuber, geborene Steinberger, wohnt in Gröben zwischen Frauendorf und Flossing. Sie bewirtschaftet ihren Betrieb, den sie im Februar von ihren Eltern übernommen hat, im Haupterwerb. Der Betrieb umfasst 19 Hektar Ackerflächen. Auf diesen werden Winterweizen, Wintergerste, Körnermais und Hafer angebaut. Das Getreide wird vollständig im Betrieb an die eigenen Schweine verfüttert. Weiteres Getreide wird aus der Region zugekauft.

Getreide ist gentechnikfrei

„Wir verwenden auch nur Sojaschrott aus der Region und nicht aus Amerika. Unser gesamtes Getreide ist gentechnikfrei“, berichtet Barbara Kamhuber. In einem geschlossenen System hält die Familie Kamhuber 45 Zuchtsauen der deutschen Landrasse, die sie selbst nachziehen. Geschlossene Systeme ermöglichen Synergieeffekte, da das gesamte Management vom Ferkel bis zum Mastschwein in einer Hand ist. Die Ferkel aus der eigenen Mast führen zum zweiten Standbein der Familie Kamhuber/Steinberger. Der Betrieb wird durch die Direktvermarktung der Schweine ergänzt. Zu den Spanferkeln und Schweinebraten hat sich das Angebot in den letzten Jahren noch erweitert. Ein Partyservice entstand schon 1987 und wurde in den letzten Jahren ausgebaut: Salate, Geschirr, Nachspeisen und Brotzeitbuffets runden das Angebot ab. Der Betrieb in Gröben bietet dazu noch „Urlaub auf dem Bayernhof“ mit drei Ferienwohnungen.

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Barabara Kamhuber wurde vor acht Monaten Mama und die kleine Theresa ist der ganze Stolz der Familie. „Mit einer 40-Stundenwoche ist unser Programm nicht zu bewältigen. Meine Eltern helfen Gott sei Dank seit der Übergabe immer noch tatkräftig mit. Das ist schon eine große Entlastung“, sagt sie. Im Jahr 2016 wurde ein neuer Ferkelstall errichtet. „Diese Investitionen müssen erwirtschaftet werden und leben wollen wir auch noch. Wir haben unser Schlachthaus nach den neusten EU-Vorschriften umgebaut. Auch das war eine große Investition“, betont Kamhuber. Die Investition in einen großen Gülletank kann und will sie sich nicht leisten.

Leicht grantig wird die Landwirtin, wenn sie über ihre Erfahrungen mit gentechnikfreiem Futter spricht. „Wir nehmen an dem Programm teil und füttern nur gentechnikfrei. Dafür bekommen wir wenige Cent mehr, doch die Verbraucher honorieren das über den Preis nicht.“

Wir stehen auf drei Beinen

Es ärgert sie, dass sehr viele über die Arbeit im landwirtschaftlichen Betrieb mitreden, aber keine Ahnung haben. „Wir erleben das hautnah bei unseren Feriengästen, die uns schon ein Bild geben, was in der Gesellschaft im Bezug auf uns Bauern läuft. Viele haben Vorstellungen, die sich mit der normalen Arbeit nicht vereinbaren lassen. Wenn sie uns zum Beispiel vorschlagen, einen neuen Schweinstall zu bauen.“

Die Politik, so Kamhuber, habe aber bis heute keine rechtsgültigen Vorgaben für einen Schweinestall der Zukunft auf den Weg gebracht. „So kann kein Betrieb planen oder bauen.“ Das gelte auch für das Insektensterben. „Schuld sind natürlich die Landwirte. Dass in den Siedlungen nachts ewig Licht brennt, die Gärten zugebaut werden und auch sonst nicht viel für den Insektenschutz getan wird, ist nicht die Schuld der Bauern. Ich bin für ein gemeinsames Miteinander“, stellt Barbara Kamhuber heraus.

Eine totale Umstellung auf einen Biobetrieb, so Barbar Kamhuber, sei nicht vorgesehen. „Wir stehen auf drei Beinen. Das ist zwar mit viel Arbeit verbunden, doch wir haben es uns eingerichtet. Der Partyservice läuft und die Ferienwohnungen auch. Ich bin zuversichtlich, dass meine Tochter in diesem Umfeld weiter machen kann, wenn sie es will“, blickt Barbara Kamhuer in die Zukunft.

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