Landwirt aus Buchbach beklagt: Tierwohl hört oft beim Geldbeutel auf

Umgeben von frisch eingestallten Küken:Florian Steiner. Sie werden von ihm 41 Tage gemästet und dann geschlachtet. Gerne hätte er die Tiere tiergerechter aufgezogen, doch die Mehrzahl der Verbraucher honoriert das nicht und ist nicht bereit, höhere Preise dafür zu bezahlen. Damit er aber wirtschaftlich überleben kann, muss er einen weiteren Hähnchenmaststall bauen. Schwarz
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Umgeben von frisch eingestallten Küken:Florian Steiner. Sie werden von ihm 41 Tage gemästet und dann geschlachtet. Gerne hätte er die Tiere tiergerechter aufgezogen, doch die Mehrzahl der Verbraucher honoriert das nicht und ist nicht bereit, höhere Preise dafür zu bezahlen. Damit er aber wirtschaftlich überleben kann, muss er einen weiteren Hähnchenmaststall bauen. Schwarz

Vor etwa zwei Jahren hat Florian Steiner in einen Hähnchenmaststall bei Buchbach investiert. Dabei setzte er auf die Zusammenarbeit mit der Firma „Wiesenhof“ und deren Privathofkonzept. Das besagt, dass das Geflügel nach Tierwohlkriterien aufwachsen darf. Jetzt hat ihn die Realität eingeholt.

Buchbach – Das Privathofkonzept sieht unter anderem vor, dass etwa ein Drittel weniger Tiere in dem Maststall stehen dürfen. Das heißt im Umkehrschluss, dass die Hähnchen dann auch um ein Drittel teurer verkauft werden müssen, damit die Rechnung aufgehen kann. Und hier hat der Verbraucher eine klare Entscheidung getroffen: Die meisten Kunden sind nicht bereit, mehr Geld dafür auszugeben. Das hat, so Steiner, dazu geführt, dass „Wiesenhof“ einige Discounter abgesprungen sind beziehungsweise die Privathof--Hähnchen „aus den Regalen geflogen sind“.

Mit Konzentration auf die Hühnermast den Betrieb halten

Das musste Florian Steiner so zur Kenntnis nehmen. Um seinen Betrieb aber nicht in eine finanzielle Schieflage zu bringen, musste er in die konventionelle Produktion zurückkehren. „Ich muss das produzieren, was die Kunden nachfragen“, sagt ein hörbar enttäuschter Florian Steiner und versichert, dass er lieber anders produzieren würde. Für maximal 20 000 Masthähnchen ist Steiners aktueller Stall ausgelegt. Damit der junge Landwirt seinen Betrieb weiterführen kann, möchte er die Zahl der Masthähnchen erhöhen und dafür einen weiteren Stall bauen. Dafür würde er die Rinder, die er ebenfalls auf seinem Hof hat, nicht mehr behalten und sich auf die Hähnchenmast konzentrieren. In der Marktgemeinde hat er deshalb eine Bauvoranfrage gestellt, die vom Marktgemeinderat auch einstimmig befürwortet wurde. Manfred Kroha (CSU) meinte beispielsweise, wenn man den zusätzlichen Stall „dort nicht genehmigt, wo dann“. Auch Markus Sengmüller (Wahlvorschlag Ranoldsberg) sagte, der Platz sei optimal. „Dort stört es niemand“ und Geruchsbelästigung sei kein Thema.

Auch ohne Privilegierung zum neuen Stall

Eine andere Sache, die bei der Diskussion der Bauvoranfrage aufkam, war die Frage der Privilegierung. Normalerweise ist ein landwirtschaftlicher Betrieb privilegiert, das heißt, er kann ohne große Formalitäten beispielsweise Bauvorhaben umsetzen. Sollte der Betrieb allerdings nicht als Landwirtschaft eingestuft sein, muss er - wie im Fall von Florian Steiners neuen Hähnchenmaststall - einen Bebauungsplan für ein Sondergebiet aufstellen lassen. Zweiter Bürgermeister Karl-Heinz Kammerer (Freie Wähler Buchbach) sagte, dass die Frage der Privilegierung die Marktgemeinde sowieso nicht entscheiden kann. Diese Frage werde ans Landratsamt weitergeleitet. Bürgermeister Thomas Einwang machte aber bereits deutlich, dass eine Privilegierung wohl eher nicht vorliege. Aktuell hat Florian Steiner einen Hähnchenmaststall für maximal 20 000 Tiere, Rinder und bewirtschaftet etwa 43 Hektar Land. +++ Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion.Jetzt Newsletter ausprobieren!+++

Wenn er den zweiten Stall baut, in dem rund 60 000 Tiere untergebracht sind, bräuchte Steiner rund 80 Hektar zusätzliche Fläche alleine, um den entstehenden Mist ausbringen zu können. Dabei werde der Hähnchenmist von den Ackerbauern durchaus als hochwertiger Dünger geschätzt, sagt Florian Steiner. Zudem kann er das Futter für die Tiere nicht auf seinen eigenen Flächen erzeugen, da es in der Geflügelmast üblich ist, dass mit zugekauftem Mischfutter gearbeitet wird, das von regionalen Mühlen stammt. Weitere Pachtflächen bekommt Steiner ebenfalls nicht, da sich die Grundbesitzer nicht darauf einlassen, ein Feld für mindestens zehn Jahre zu verpachten. „Damit sind die Aussichten auf eine Privilegierung gering“, ist Bürgermeister Einwang überzeugt. Zumal auch bereits Gespräche unter anderem mit dem Landwirtschaftsamt stattgefunden hätten.

Nur mit Erweiterung kann es weitergehen

Dennoch möchte Florian Steiner den zweiten Hähnchenmaststall umsetzen, da es für ihn „die einzige Möglichkeit ist, wie es weitergehen kann“. Markus Sengmüller macht auf einen weiteren Punkt aufmerksam: „Gickerl, die nicht von uns kommen, kommen halt aus Polen“.

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