IM GEMEINDEGEBIET HAAG

Landkreis Mühldorf baut eine Deponiegasfackel auf der ehemaligen Müllhalde Schachenwald

Die Zufahrt zur ehemaligen Mülldeponie des Landkreises Mühldorf am Schachenwald in Haag. Heute befindet sich auf dem Areal ein Solarpark, in den der Kreis 710.000 Euro investiert hat.
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Die Zufahrt zur ehemaligen Mülldeponie des Landkreises Mühldorf am Schachenwald in Haag. Heute befindet sich auf dem Areal ein Solarpark, in den der Kreis 710.000 Euro investiert hat.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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Es „gärt“ noch im Untergrund der ehemaligen Müllkippe im Schachenwald bei Haag. Die Restgase sollen abgefackelt werden. Darum baut der Landkreis Mühldorf als Eigentümer des Areals eine „Deponiegasfackel für Schwachgas“. Das ist Thema im Gemeinderat.

Update vom 10.2.2021

Haag/Mühldorf - Nun meldet sich Landrat Max Heimerl zu Wort und weist die Aussage der Gemeinde Haag zurück, man habe sie lediglich via Amtsblatt Nummer 2 vom 13.1.2021 informiert. Er sei verwundert und weise darauf hin, dass der Landkreis für das Vorhaben ein immissionsschutzrechtliches Genehmigungsverfahren durchgeführt habe. „Wie gesetzlich vorgeschrieben, wurde der Markt Haag als Träger öffentlicher Belange unter der Vorlage der Antragsunterlagen beteiligt“, so Heimerl. Das sei am 29.9.2020 geschehen. Am 21.10.2020 habe der Markt Haag sein gemeindliches Einvernehmen zum Vorhaben „Deponiegasfackel“ erteilt.

Erstmeldung vom 9.2.2021

Haag – Längst ist die Mülldeponie des Landkreises Mühldorf im Haager Westen am Schachenwald Geschichte. Um das Jahr 1991 wurde sie stillgelegt. Doch im Untergrund „gärt“ der alte Unrat noch leicht und es treten durch biochemische Abbauprozesse Restgase aus, wie etwa Methan. Eigentümer des Areals, auf dem heute ein Solarpark steht, ist der Landkreis Mühldorf, der hier im Februar eine Deponiegasfackel für Schwachgas errichten will. Das ist heute ab 19.30 Uhr Thema im Gemeinderat.

Nur per Amtsblatt informiert

Die Gemeinde Haag wurde nur per Amtsblatt über diesen Schritt informiert, was Bürgermeisterin Sissi Schätz nicht freut, wie sie im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung sagt. „Da hätte ich mir eine offensivere Herangehensweise des Landratsamtes gewünscht und eventuell eine gemeinsame Presseerklärung für die Öffentlichkeit“, so Schätz. Schließlich befinde sich das Vorhaben auf Gemeindegrund.

Gestank sensibles Thema in Haag

Sie wolle auch gerne auf Fragen aus der Bevölkerung vorbereitet sein, etwa ob das Abfackeln „stinkt“. Gestank und Deponie – ein empfindliches Thema für die Haager. Und für Schätz mitunter ein Grund, in die Politik gegangen zu sein. Sie erinnert an den Kampf der Bürgerinitiative, die sich in den 1990ern gegen die Überhöhung der Müllkippe am Schachenwald einsetzte. Zusätzliche Verfüllungen seien nicht genehmigt gewesen.

Durch nicht ordnungsgemäßes Verfüllen entstanden Schäden im Untergrund der Deponie, so Schätz. Die Sickerschächte im Untergrund, in denen das Sickerwasser aus den Hausabfällen weggeleitet wurde, damit es nicht ins Grundwasser laufen kann, wurde beschädigt – durch die Schwere des zusätzlichen Unrats und das Gewicht der großen Müll-Laster.

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„Die Sickerschächte wurden aufwendig saniert“, erinnert sich Schätz. Und das Verwaltungsgericht schaltete sich ein und untersagte die Überhöhung des Müllberges.

Müll wurde nach Frankreich gekarrt

„Der Landkreis musste damals mit seinem Müll zunächst auf Halden in den Nachbarlandkreisen ausweichen. Und ein paar Jahre lang wurde der Hausmüll der Landkreisbürger nach Frankreich gekarrt“, so Schätz.

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In Sachen „Deponiegasfackel“ wird der Gemeinderat heute lediglich informiert. Die Möglichkeit, Stellung zu nehmen, gibt das Verfahren nicht her, wie Geschäftsleiter der Gemeinde Haag, Manfred Mörwald, auf Nachfrage der Zeitung erklärt.

Eine Presse-Anfrage seitens der Redaktion beim Landratsamt Mühldorf läuft.

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