Gestein in der Region geeignet?

Landkreis Mühldorf bei Endlagersuche für Atommüll dabei - Tertiäre Tonschichten geeignet

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Die Überraschung ist groß und die Ablehung sind groß: Im ersten Untersuchungsschritt für ein Atommüll-Endlager sind auch große Teile des Landkreises und die Stadt Mühldorf dabei. Das gilt allerdings für 90 Gebiete in Deutschland, die 50 Prozent der Fläche umfassen. Heimische Politiker haben diese Bedenken.

Mühldorf –  Von Überraschung bis Unverständnis reichen die Reaktionen auf die gestern veröffentlichte Karte für die Suche nach Atomendlagern. Nach dieser Karte gehen weite Teile des Landkreises in die nächste Phase der Untersuchung. Grund ist seine Beschaffenheit als Gebiet aus tertiärem Tongestein.

+++ Hier geht es zur offiziellen Karte der Untersuchungebiete. +++

Landrat Max Heimerl: „Ich bin sehr überrascht über das Ergebnis des heute veröffentlichten Zwischenberichts über mögliche Standorte für ein atomares Endlager. Dass auch unsere Region geeignet sein soll, ist ein völliger neuer Aspekt in der Diskussion. Bislang hat es immer geheißen, dass der Untergrund bei uns dafür nicht geeignet sei. Und davon gehe ich auch weiter aus.“

Bislang galt die Region als ungeeignet

Dass Teile seines Gemeindegebietes – nördlich bis über die Landkreisgrenze hinaus und nordöstlich bis nach Massing – von der Bundesgesellschaft für Endlagerung in den weiteren Studien nicht ausgeschlossen werden, ist für Neumarkt-St. Veits Bürgermeister Erwin Baumgartner neu. „Das war bisher nie Thema. Ich bin deswegen nicht gerade glücklich über diese Nachricht.“

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Mit der jetzt veröffentlichten Karte ist noch keine Festlegung verbunden. Insgesamt wird mehr als die Hälfte des deutschen Gebiets als mehr oder weniger günstig eingestuft, 90 Gebiete sind es insgesamt. Sieben davon liegen in Bayern, die 76 Landkreise und eine Fläche von fast 42 000 Quadratkilometern umfassen.

Insbesondere für das Wirtsgestein Granit werden weite Teile des Landes als potenziell geeignet ausgewiesen, ein kleiner Abschnitt mit Salz, aber auch Regionen mit Tonvorkommen. Zu Letzteren gehören Gebiete in der Region.

Deshalb rechnen viele damit, dass der Landkreis bei weiteren Untersuchungen raus fällt. Landtagsabgeordneter Dr. Marcel Huber verweist darauf, dass etwa die Hälfte Deutschlands erfasst sei. „Bisher ist man davon ausgegangen, dass es massive Ton- und Granitblöcke für dieses Lager benötigt.“ Es seien Milliarden in die Untersuchung von Salzstöcken geflossen. Warum diese nicht mehr berücksichtigt würden, erschließe sich ihm nicht. „Ich gehe davon aus, dass bei genauerer Untersuchung andere Vorstellungen zum Tragen kommen.“

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„Es gibt viele Ausschlusskriterien“

Das denkt auch Aschaus Bürgermeister Christian Weyrich. „Es gibt viele Ausschlusskriterien, die bislang nicht bewertet sind. Viele Charakteristika sind noch gar nicht erfasst, da das erst im nächsten Schritt passiert“, sagt er. Die infrage kommenden Gebiete im Landkreis seien ziemlich zerklüftet, weshalb für Weyrich alles gegen den Landkreis spreche. Mühldorfs Bürgermeister Michael Hetzl weist auf einen anderen Gesichtspunkt hin: „Unsere Region ist viel zu dicht besiedelt“, betont Hetzl, auch die geologischen Voraussetzungen stimmten nicht. „Wir haben kein Bergwerk oder Ähnliches, in dem der Müll gelagert werden könnte.“

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Schönbergs Bürgermeister Alfred Lantenhammer sagt, dass der Landkreis im nächsten Schritt nicht mehr dabei sein werde und beruft sich dabei auf die gestern veröffentlichten Unterlagen. Im BGE seien sogenannte tektonischen Störungszonen aufgezeichnet, die aufgrund möglicher Erdbrüche ein Ausschlusskriterium seien.

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Außerdem sei das Gebiet südlich der Donau ein „europäisches Trinkwasserreservoir“, sagt Lantenhammer. „In Zeiten, in denen die Sommer trockener werden, kann ich mir nicht vorstellen, dass man ein solches Gebiet zugunsten eines atomaren Endlagers aufs Spiel setzen würde!“ Waldkraiburgs Bürgermeister Robert Poetzsch wollte sich nicht äußern weil die Stadt noch keine detaillierten Informationen dazu habe.

Nur der erste Schritt

Der Zwischenbericht „Teilgebiete ist nach Angaben der Verfasserin, der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), der erste Schritt auf dem Weg zu einem Endlager für hoch radioaktive Abfälle. Die Basis bilden Daten über den geologischen Untergrund.

Dieser Bericht stellt laut BGE einen Zwischenstand der Arbeiten dar und dient als Grundlage für die Öffentlichkeitsbeteiligung, bevor Fakten geschaffen werden. „Dies wird erstmals mit Ende des nächsten Schrittes der Fall sein, wenn wir Vorschläge über zu erkundende Standortregionen macht, über die der Bundesgesetzgeber eine Entscheidung trifft“, heißt es bei der BGE.

Innenstaatssekretär Mayer kritisiert das ganze Verfahren

Innenstaatssekretär Stephan Mayer kritisiert das gesamte Verfahren und spricht sich gegen ein „langes wissenschaftliches Herumstochern“ aus. „Mich interessiert hier nicht, dass hierfür Böden mit Tonvorkommen in Frage kommen könnten und es diese auch in den Landkreisen Mühldorf und Altötting gibt. In den dicht besiedelten Gebieten unserer Region wird es niemals ein atomares Endlager geben. Das wird auch wissenschaftlich fest stehen.“

Es gehe nicht an, dass die Bevölkerung in weiten Flächen unnötig verunsichert wird. Er schränkt sogar die Bedeutung der jetzt veröffentlichten Daten ein: „Diese ersten Erhebungen wurden von der BGE noch ohne Beteiligung der Politik gemacht.

Widerstand schon vor zwei Jahren

Die Angst vor einem Endlager in unmittelbarer Nähe war bereits vor knapp zwei Jahren Thema im nördlichen Landkreis. Der inzwischen verstorbene Neumarkter Armin Groß hatte im Dezember 2018 schon Befürchtungen geäußert, dass in Niederaichbach, Landkreis Landshut, wo bis 2047 Atommüll eingelagert werden soll, ein Endlager entstehen könnte.

Dort wird seit 2007 Atommüll eingelagert. „Wenn es nun um ein De-facto-Endlager im benachbarten Niederaichbach geht, dann will ich mich einmischen.“ Groß warb im Dezember 2018 für die Unterzeichnung der Petition, um zumindest Castor-Behälter aus der Region zu verbannen

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