Landrat Heimerl im Interview

„Kurz vor dem Kontrollverlust“ – Im Landkreis Mühldorf steigt der Corona-Wert erstmals über 200

Soldaten zur Kontaktverfolgung: Der Kommandeur des Bataillon 231 aus Bad Reichenhall, Dennsi Jahn, im Gespräch mit Landrat Maximilian Heimerl (links) und Klaus Braun vom Katastrophenschutz im Landkreis. Derzeit helfen 16 Gebirgsjäger bei der Ermittlung von Corona-Kontakt-Personen.
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Soldaten zur Kontaktverfolgung: Der Kommandeur des Bataillon 231 aus Bad Reichenhall, Dennsi Jahn, im Gespräch mit Landrat Maximilian Heimerl (links) und Klaus Braun vom Katastrophenschutz im Landkreis. Derzeit helfen 16 Gebirgsjäger bei der Ermittlung von Corona-Kontakt-Personen.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Eine große, silberne 50 schwebt über dem Schreibtisch von Landrat Maximilian Heimerl. So groß der Luftballon, so klein war die Feier des runden Geburtstags in dieser Woche. Denn Heimerl ist überzeugt, nur mit Selbstdisziplin und Selbstbeschränkung kommt der Landkreis Mühldorf durch die zweite Corona-Welle.

Am Donnerstag lag der Inzidenzwert im Landkreis erstmals über 200. Wie ernst sie die Situation?

Maximilian Heimerl: Sehr ernst, das zeigen auch andere Zahlen. Obwohl noch viele Junge betroffen sind, steigen das Durchschnittsalter und die Gefährdung damit stetig. Im Krankenhaus werden schon wieder 36 Covid-Kranke behandelt, 13 davon stammen aus dem Landkreis. Und es ist nicht so, dass das es nur Altere sind. Jeder Vierte ist unter 60, fünf sind jünger als 50 und zwei unter 40.

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Die Todeszahlen stehen aber noch bei Null.

Heimerl: Nur, wenn man die aus dem Landkreis Mühldorf allein betrachtet. Im Krankenhaus sind in den letzten Wochen zwei Menschen aus anderen Landkreisen mit einer Corona-Erkrankung gestorben.

Hilfe durch Polizei und Bundeswehr

Das sind deutlich weniger als im Frühjahr. Sind die Beschränkungen damit nicht unverhältnismäßig?

Heimerl: Wir sind kurz davor, die Kontrolle zu verlieren. Das Gesundheitsamt ist trotz Unterstützung durch Polizei und Bundeswehr bei der Kontaktnachverfolgung an der Belastungsgrenze. Wir können das Virus aktuell nur durch das Einschränken von Kontakten zurückdrängen. Alle müssen sich umstellen, wir können nur auf die uneingeschränkte Disziplin aller bis März setzen.

Es ist völlig offen, was in vier Wochen sein wird

Enden die Einschränkungen nach vier Wochen?

Heimerl: Ich hoffe sehr, dass wir sie wieder zurückfahren können. Wir brauchen für die kommenden Monate eine neue Normalität. Wir müssen zurückhaltender sein, als wir es in den Sommermonaten waren. Wir müssen unseren Alltag umstellen und zu jeder Zeit vorsichtig und solidarisch sein. Wir brauchen Regelungen, die die Infektionszahlen niedrig halten und die wir noch mehrere Monate durchhalten können. Denn es gehört auch zur Wahrheit, dass die Ansteckungsgefahr an Weihnachten nicht vorbei sein wird.

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Haben Sie den Eindruck, dass die Menschen das genauso sehen?

Heimerl: Bei den meisten kommt es an, aber nicht bei allen. Diskussionen über den richtigen Weg sind richtig und wichtig. Wissenschaft und Politik lernen dazu und justieren ihre Entscheidungen nach – orientiert an Fakten und Erkenntnissen. Was wir brauchen, ist Geduld, und dass wir an die Gesundheit der Kranken und Schwachen denken. Wir werden die Pandemie meistern, wenn wir uns nicht spalten lassen, sondern aufeinander Acht geben und zusammen halten.

Der erste starke Anstieg der Zahlen hing mit dem Putenschlachthof in Ampfing zusammen. Welche Rolle spielt er heute?

Heimerl: Derzeit gibt es nur noch vier Neuinfizierte innerhalb der letzten 7 Tage. Wir haben das Infektionsgeschehen dort im Griff. Der Schlachthof spielt bei unseren Gesamtzahlen keine Sonderrolle mehr.

Putenschlachthof durfte weiter machen

Hätten Sie beim Ausbruch dort nicht härter durchgreifen und den ganzen Betrieb schließen müssen?

Heimerl: Wir haben zeitweise die Schlachtung eingestellt. Die Zahlen heute zeigen aber, dass wir angemessen gehandelt haben. Der Schlachthof war für eine gewisse Zeit der Treiber, das ist er jetzt nicht mehr.

Keine weitergehenden Einschränkungen geplant

Gibt es mehr Einschränkungen, wenn der Inzidenzwert über 200 bleibt?

Heimerl: Es bleibt vorerst bei den geltenden Regeln.

Gilt das auch für Schulen?

Heimerl: Da wir den Schulbetrieb und den der Kitas möglichst unangetastet halten wollen, müssen wir die Kontakte anderswo reduzieren. Es bleibt nur der Freizeitbereich, das Leben außer Haus. Das ist sehr hart, aber leider nötig.

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Was planen Sie für Weihnachten?

Heimerl: Ich plane für diese Zeit noch gar nichts, hoffe aber sehr, dass ich ein paar ruhige Tage erleben darf.

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