Kundgebung auf der Couch

  • Raphaela Lohmann
    vonRaphaela Lohmann
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Zum Ende des kalten Aprils geht es noch mal heiß her.

Nicht im meteorologischen Sinn, sondern im politischen. Denn schon vor der DGB-Kundgebung am 1. Mai gibt es Knatsch. Ausgerechnet zwischen zweien, die sich beide in der Tradition der Arbeiterbewegung sehen: Linken-Kreisrat Dennis Uzon und SPD-Kreisrat Richard Fischer.

Opportunismus wirft Uzon dem DGB-Vorsitzenden vor. Denn Fischer hat im Kreistag gegen dessen Antrag gestimmt, demzufolge das Landratsamt auf alle befristeten Arbeitsverhältnisse verzichten hätte sollen. Dass ausgerechnet ein erfahrener Gewerkschafter darin nichts Verwerfliches sieht, sorgt für Ärger.

Berechtigt? Arbeitgeber nutzen die Möglichkeit befristeter Verträge oft aus, Arbeitnehmer sind frustriert und ihnen fehlt die Planungssicherheit. Doch man muss auch unterscheiden.

Bei zeitlich befristeten Projekten oder einem begrenzten personellen Mehraufwand, wie es auch beim Landratsamt der Fall ist, ist es aus unternehmerischer Sicht logisch, Personal zeitlich an sich zu binden. So sollten es auch Behörden tun, die noch dazu mit Steuergeldern wirtschaften.

Uzon ist aber auch enttäuscht über die Redner zur Mai-Kundgebung. Der Landrat und Waldkraiburgs Bürgermeister stehen auf der Rednerliste, nicht aber Betriebsräte oder soziale Bewegungen wie „Fridays for Future“. Ausgerechnet „Fridays for Future“, die zuletzt mit linken Parolen aufgefallen sind.

Aber so oder so gehen die Linken und die Gewerkschafter am 1. Mai nicht gemeinsam auf die Straße. Wegen Corona bleiben alle daheim, die Kundgebung gibt’s im Livestream auf der Couch. Im Anschluss soll es dann eine eigene Veranstaltung der sozialistischen Gruppen geben.

Auch andernorts bleibt es ruhig: Der 1. Mai ist in Bayern ja bekanntermaßen ein Tag der Tradition. Madln und Burschen machen sich in Dirndl und Lederhosen auf den Weg dorthin, wo es Bier und Blasmusik unterm Maibaum gibt. Doch wo Corona ist, gibt es keine Musik, kein Bier und schon gar keinen Maibaum.

Mit den vielen Impfungen sind wir auf einem guten Weg, Corona in den Griff zu bekommen. Dennoch bleibt die Zahl der Infektionen auf einem hohen Niveau. Wegen der zuletzt in Waldkraiburg explodierenden Zahlen hat Landrat Max Heimerl eine Testoffensive ausgerufen. Welchen Erfolg sie haben wird, wird sich zeigen. Zumindest eine erste Entspannung zeichnet sich ab: Die Zahlen im Landkreis sinken.

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