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Jazz-Schlagzeuger mit Trio

Wolfgang Haffner im Haberkasten: Weltstar mit schlagkräftigen Argumenten

Ein Weltstar, musikalisch grandios und mit Hang zur Improvisation: Nicht nur instrumental, sondern auch bei der Setliste. Wolfgang Haffner begeisterte im Haberkasten mit großem Variantenreichtum.
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Ein Weltstar, musikalisch grandios und mit Hang zur Improvisation: Nicht nur instrumental, sondern auch bei der Setliste. Wolfgang Haffner begeisterte im Haberkasten mit großem Variantenreichtum.

Deutschland-Premiere in Mühdorfs Haberkasten: Wolfgang Haffner ist mit neuem Trio aufgetreten. Der bekannteste deutsche Jazz-Schlagzeuger war beim Mühldorfer Sommerfestival zu Gast.

Mühldorf – „Haffner plays Haffner“ – das hat sich der wohl bekannteste deutsche Jazz-Schlagzeuger vorgenommen, der im Rahmen des Mühldorfer Sommerfestivals nach seinem Auftritt im November 2019 erneut zu Gast auf der Bühne im Haberkasten-Innenhof war. Stoff hat er genug, wenn man alleine auf die 23 Alben blickt, die der sympathische 55-Jährige während seiner fast 40-jährigen Schaffenszeit herausgebracht hat. Und doch ist es eine Premiere, zu der Haffner an jenem Sommertag einlädt. Denn es ist das erste Konzert in Deutschland unter dem Titel „Haffner plays Haffner“, zusammen mit den beiden Ausnahmekünstlern Thomas Stieger und Simon Oslender.

Ein eigener Blues für den Haberkasten

Und das Alleinstellungsmerkmal hat das Konzert in Mühldorfs Kulturtempel nicht nur, weil es die Auftaktveranstaltung seiner Tour auf deutschem Boden ist. Den „Haberkasten-Blues“, den der hervorragend aufgelegte Haffner vor dem jazzkundigen Publikum präsentiert, dürfte eine einmalige Sache gewesen sein. Dabei ist es nicht einmal ein Blues, den der Schlagzeuger mit den beiden farbigen Spielzeughammern, Plastiktrötenschlagstöcke, auf seinen Oberschenkel klopft – aber witzig allemal.

Gerne bei der Jazzwoche, aber auch auf dem Boden geblieben

Und es passt ins Bild eines Weltstars, der schon alles gesehen hat, der schon an der Seite von Bill Evans, Al Jarreau oder Klaus Doldinger musiziert hat und gern gesehener Gast der Burghauser Jazzwoche ist. Der aber stets auf den Boden der Tatsachen geblieben ist, deswegen auch umso authentischer wirkt.

Gelungene Auswahl seiner Kind-of-Trilogie

Das Programm im Haberkasten-Innenhof ist eine gelungene Auslese seiner drei Alben „Kind of Cool“, „Kind of Spain“ und „Kind of Tango“, feiner Jazz, der eine ziemlich große Bandbreite abdeckt. Und dazu hat er Verstärkung ans Land gezogen. Musiker, die sonst ebenso auf Weltbühnen zu Hause sind wie Haffner selbst. Simon Oslender war zuletzt öfter an der Seite des Schlagzeugers aus Wunsiedel, ein hervorragender Pianist, der ein absolut feines Händchen für die Hammond-Orgel besitzt.

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Sensibel, treibend, wuchtig – aber immer wie ein Metronom

Egal, ob Haffner mal einen sensiblen Takt vorgibt, dann wieder treibend oder mitunter auch wuchtig seine Drums klopft. Mit dem Meister an den Trommeln harmoniert Oslender perfekt, der mit ihm 2018 bei der Jazz Baltica aufgetreten ist, seitdem festes Mitglied der Haffner-Band ist und schon vor zwei Jahren zu Gast im Haberkasten war. Sein Debütalbum „About Time“, mit Gaststars wie Randy Brecker und Bill Evans, schaffte es auf Anhieb in die Top 10 der deutschen Jazzcharts.

Lange Finger spielen wie ein Geigenbogen

Mit dem Bassisten Thomas Stieger bereitete Haffner dem Mühldorfer Publikum eine besondere Freude. Nur selten gibt es eine solche Brillanz in Mühldorf zu hören, auch wenn Mühldorf dank des Engagement des Mühldorfers Claus Freudenstein inzwischen in der Bass-Szene einen hervorragenden Namen hat. Feingliedrige lange Finger streichen fast wie ein Geigenbogen über den Bass, mal leise mal laut, aber stets virtuos – Gänsehautgefühl, attestieren ihm selbst erfahrene Bigband-Musiker auf den Zuhörerplätzen im Haberkasten-Innenhof.

Pure Spielfreude – und plötzlich verändert sich die Setlist

Die drei Herren haben mächtig Spaß auf der Bühne. So viel Spaß, dass Haffner irgendwann beginnt zu improvisieren, Programmpunkte aufnimmt, die so eigentlich gar nicht auf der Setliste stehen. „Lullaby for Tom von Simon Oslender“ ist so ein Stück, das er dem Mühldorfer Publikum nicht vorenthalten will. Mittendrin glänzt Thomas Stieger mit einem Basssolo, das so nicht eingeplant war – die Zuhörer danken ihm mit tosendem Applaus, aber stets artig abwartend, bis auch die letzte Schwingung des finalen Tones verklungen ist.

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Viertelstündige Extase zum Ende des Konzertes

Man genießt bis zum Schluss eine herrliche Konzertatmosphäre, die am Ende in einer fast viertelstündige musikalische Extase gipfelt. Leise, laut, behende, dann wieder treibend – die Drei variieren ihr Spiel nach Belieben, rufen bei „The Real Thing“ ihr gesamtes Portfolio ab und sorgen für Begeisterungsstürme.

Premierenvorstellung für Tour durch Österreich, Schweiz, Deutschland und Rumänien

Mit „Silent Way“ holt das unfassbar harmonische Trio die Zuhörer wieder zurück auf den Boden, der Puls senkt sich. Ganz allmählich. Doch die Aufregung bleibt: Den es sind bleibende Eindrücke von einem Weltstar, der keine Allüren zeigt und qualitativ das Sommerfestival nach einem Gig in Ungarn auf den Olymp gehoben hat, bevor es ihn weiter verschlägt zu den nächsten Konzerten – nach Österreich, Deutschland, in die Schweiz und nach Rumänien. Mit im Gepäck: die Plastiktrötenschlagstöcke. Schließlich hat jeder Konzertort ein Recht auf einen eigenen Blues.

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