"Wir zeigen Profi-Arbeit"

"Wir wollen kein abgehobenes Festival für Kunstfilme sein, sondern ein kurzweiliges und unterhaltsames Spektrum abdecken; was aber nicht heißt, dass es deshalb weniger anspruchsvoll zugeht", sagt Sebastian Harrer. Mit im Festival-Boot sitzt auch Kinobetreiber Thomas Rahnert (im Hintergrund). Foto ha
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"Wir wollen kein abgehobenes Festival für Kunstfilme sein, sondern ein kurzweiliges und unterhaltsames Spektrum abdecken; was aber nicht heißt, dass es deshalb weniger anspruchsvoll zugeht", sagt Sebastian Harrer. Mit im Festival-Boot sitzt auch Kinobetreiber Thomas Rahnert (im Hintergrund). Foto ha

In zwei Wochen beginnt das erste "Kurzfilmfestival an der Innkante" in Waldkraiburg, das künftig jedes Jahr stattfinden soll. Veranstalter ist das Kulturamt Waldkraiburg, die künstlerische Leitung liegt in den Händen von Regisseur Sebastian Harrer. Im Interview spricht der 36-Jährige über die Auswahl der Filme, das Konzept und die Kategorien.

∗ Das Programm steht: Eröffnungsgala, Preisverleihung, dazu knapp 50 Kurzfilme verschiedenster Machart: Wie kam es zum ersten Kurzfilmfestival in Waldkraiburg?

Einzelne Kurzfilmabende gab es hier auch früher schon. Mit positiver Resonanz, das kam beim Publikum immer gut an. Zudem habe ich in den letzten Jahren viele Kurzfilmfestivals als Gast erleben dürfen, das hat meine Begeisterung geweckt und die Idee geboren. Aber eine Idee ist das eine, die Realisierung das andere. Dafür braucht es starke Partner. Und so war in es den vergangenen zwei Jahren die größte Herausforderung, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen und mit ihnen ein Gerüst zu bauen, auf dem die Veranstaltung stehen kann. Das Kulturamt ist Veranstalter, das Stadtmarketing übernimmt unter anderem die Öffentlichkeitsarbeit und das Cinewood die technische Umsetzung sowie den Hauptveranstaltungsort.

∗ Das erste Festival zeigt Kurzfilme, die im Wesentlichen von Ihnen ausgewählt wurden. Wie trifft man in der Fülle an Kurzfilmen eine Auswahl?

Zunächst einmal muss man sich genau überlegen, wie sich das Festival präsentieren soll. Das war uns schnell klar: Wir wollen kein abgehobenes Festival für Kunstfilme sein, sondern ein kurzweiliges und unterhaltsames Spektrum abdecken; was aber nicht heißt, dass es deshalb weniger anspruchsvoll zugeht. Zudem haben wir eine klare zeitliche Grenze gezogen: Kein Film ist länger als 20 Minuten. Was den Vorteil hat: Gefällt jemand ein Film nicht, ist er relativ schnell wieder vorbei. Aber ich bin mir sicher: Das Publikum wird seinen Spaß an der Filmauswahl haben, keine Frage. Bei uns werden sie in einem Block öfter überrascht als in drei Jahren Tatort.

∗ Wie finden sich die Besucher in dem Angebot inhaltlich zurecht?

Zur Orientierung haben wir sechs verschiedene Themenblöcke gebildet: Zum Genre "Thriller" muss man nicht viel sagen; der Bereich "Alt und Jung" ist kein Block für Rentner und Kinder, sondern beschäftigt sich mit diesen Personengruppen, die vom Alter her nicht den gängigen Protagonisten entsprechen. Entweder geht es in den Filmen um junge oder um alte Menschen oder sie treffen in der Handlung aufeinander.

∗ Was darf man sich denn unter "Mikrokosmen" vorstellen?

Diesen Filmen ist gemein, dass sie alle in eigenen, nicht selten fiktiven Welten mit eigenen Regeln spielen und einen Hang zum Fantastischen haben. Einige dieser Filme kommen mit sehr wenigen Worten aus. Also die seit jeher reinste Kunst des Filmemachens, Erzählen in und mit Bildern.

∗ "Ink & Blood" klingt wenig gemütlich.

Das sind Animations- und Splatter-Filme, in denen es zum Teil schon etwas deftiger und härter zugeht. Nicht umsonst haben wir das Festival - mit Ausnahme des Kinderblocks - erst ab einem Alter von 18 Jahren freigegeben.

∗ Bleiben die letzten beiden Kategorien.

"Fun & Anarchy" geht in die Richtung Komödie und Satire. Im Wesentlichen stellen diese Filme mehr oder minder alltägliche Ausgangssituationen aus weniger alltäglichen, teils absurden Blickwinkeln dar. Und mit dem Block "Kinderteller" möchten wir eben auch junges Publikum ab sechs Jahren ins Boot holen. Dabei sprechen wir mit den Kindern und Jugendlichen über die Filme, um das Erlebnis Kino auch ein wenig pädagogisch zu begleiten. Überhaupt ist es Usus bei Filmfestivals, dass die Vorführungen moderiert werden. Dazu sind im Anschluss auch Gespräche mit den anwesenden Regisseuren und Schauspielern möglich.

∗ Wie viele werden denn kommen?

Die Rückmeldungen laufen gerade ein. Wir sind außerdem gerade dabei, für die Gäste ein kleines Programm vor Ort zusammenzustellen, unsere Gegend ist ja reich an unverbrauchten Drehorten. Sicher ist, dass auch einige Filmemacher aus dem Ausland dabei sein werden. Neben deutschen Kurzfilmen zeigen wir Produktionen aus Österreich, Frankreich, der Schweiz, Spanien, England, Südafrika, Polen und Tschechien.

∗ Kein Film aus Amerika?

Leider nein. In den Vereinigten Staaten herrscht eine andere Kurzfilmkultur als bei uns. US-Filmemacher legen ihren Fokus vor allem auf den heimischen Markt, bei uns kommen einfach sehr wenige US-Filme an. Das zu ändern, ist mit Sicherheit ein Ziel für die Zukunft, US-Kurzfilme nach Waldkraiburg zu bekommen. Außerdem haben wir vor, im nächsten Jahr den Modus ändern und uns vom Einladungsfestival zum Einreichungsfestival zu entwickeln.

∗ Sie gehen also fest davon aus, dass das Kurzfilmfestival keine Eintagsfliege wird?

Das hoffe ich. Unser Ziel ist es, das Festival als tragfähige Kulturveranstaltung dauerhaft zu etablieren. Die Zeichen dafür stehen gut, wir sind schon im ersten Jahr sehr gut aufgestellt. Aber es ist klar, dass so eine Veranstaltung Zeit braucht. Und vor allem viele, viele begeisterte Besucher, um zu einem Erfolg zu werden.

∗ Sind Kurzfilme nicht zu sehr ein Nischenprodukt, um die breite Kinomasse anzusprechen?

Nein, ganz sicher nicht. Früher war es im Kino ja üblich, einen Kurzfilm vor dem Hauptfilm zu zeigen. Schade, dass es das heut nicht mehr gibt. Das Kurzfilmfestival in Landshut ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch die Besucherzahlen und der Unterhaltungswert stimmen können. Und wie gesagt: Wir wollen ein publikumsnahes Festival sein. Man muss kein Kenner oder Cineast sein, um sich hier wohlzufühlen. Außerdem sind in den Filmen viele bekannte Gesichter zu sehen: Götz Otto zum Beispiel oder Ken Duken, Simon Schwarz, John Hurt. Und natürlich Jopi Heesters in seiner letzten Rolle als Petrus. Viele unserer Beiträge haben international Preise gewonnen, bis hin zum Kurzfilmoscar. Wir zeigen also hier Profi-Arbeit, keine Homevideos. ha

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