Wettkampf um Ungewöhnliches

Evelyn Huberist die Frau mit den großen Händen: Es macht Spaß, ihrem schnellen Spiel an der Harfe zuzuhören und mit anzuschauen. Matthias Frey (rechts) und Ramesh Shotham tragen ihren Teil zum gelungenen Konzert im Haberkasten bei. von AHn

Mühldorf. – Rund 200 Gäste ließen sich im Haberkasten auf die Improvisationen von Evelyn Huber an der Harfe ein.

Die vom Quadro Nuevo bekannte Künstlerin brachte Kollegen an Flügel, Cello und Percussion mit. Zwar fand der Abend unter Hubers Namen statt, doch standen alle Instrumente gleichwertig nebeneinander.

Ungewohnte Melodien entströmen an diesem Abend nicht nur der Harfe, die viele Menschen mit kirchlicher, engelsgleicher Musik verbinden. Huber zeigt, dass sie auf dem Saiteninstrument auch Jazz spielen kann. Matthias Frey nutzt seinen Flügel ebenfalls ungewöhnlich: Er zupft die Saiten immer wieder. Doch damit nicht genug: Cellist Christopher Herrmann legt sich kurzerhand sein türkises Instrument quer über die Knie und spielt es wie eine Gitarre. Ramesh Shotham an den Percussion verwendet Trommeln, Schellen, Becken, Nussschalen und einen Tontopf für den Rhythmus. Der Inder stimmt zudem einen Trommelgesang an.

Es ist, als müssten sich Instrumente und Musiker gegenseitig übertreffen. Doch trotz dieses Wettkampfes gelingt es den Künstlern ein ausgewogenes Gleichgewicht herzustellen zwischen den Instrumenten, zwischen rascher und ruhiger, leiser und lauter Musik.

Die Künstler bieten improvisierte Weltmusik, die kurzzeitig an orientalische Melodien und Kletzmer erinnert. Zwar haben die Künstler ihren Stücken Namen vergeben, jedoch sind sie eher inspiriert denn auskomponiert. Und so trägt auch Hubers Programm den Titel „Inspired“, also inspiriert. Die Stücke sind Hubers Sohn gewidmet, tragen den Titel Abendsonne oder erinnern an die Schwalben an Chiles Steilküsten.

Die Lust am Musizieren ist den Künstlern anzumerken. Gleich zu Beginn des Konzerts stellt Huber ihre Kollegen vor und entschuldigt sich, dass die vier stets in Gefahr laufen, dass der Abend den Musikern mehr Spaß mache als den Gästen. Doch Jazzfans kommen hier auf ihre Kosten. Nahezu endlos sind die Stücke und laden zum Abschweifen ein. Rasch ist der Alltag vergessen, das Publikum gefesselt. Es ruft und pfeift in der zweiten Hälfte nach jedem Stück. Nach der Pause haben sich Musiker und Zuhörer noch mehr gefunden als so bereits zuvor.

Die Inbrunst der Harfenistin zeigt sich besonders bei den lebhaften Stücken. Es macht Spaß ihr zuzuschauen, dem Einsatz der Pedale, dem Drehen der Klappen am Instrument. Ein Wechsel zwischen harten und weichen Tönen entsteht. Auch Shothams Spiel auf dem Tontopf ist sehens- und hörenswert: schnell, vielseitig und ausdauernd.

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