Dem Wesen der Werbung auf der Spur

Philipp Weber informierte über die Bedürfnispyramide nach Maslow, Obsoleszenz und Nervenbahnen im Gehirn. Gespickt mit viel Witz und Theatralik gelang es dem Kabarettisten, diese komplexen Themen zu vermitteln. ahn

Mühldorf. – Nahezu ausverkauft war der Haberkastenbei Philipp Weber.

Den Fokus seines Programms „Weber No. 5“ legte der Kabarettist auf Werbung und Manipulation. Mühldorfs Publikum war begeistert.

Weber nimmt Werbebotschaften auseinander: Er rechnet aus, dass sich bei Parship lediglich wenige Prozent der Mitglieder jährlich verlieben, stimmt deren Werbeversprechen. Slogans von Gillette, Nutella und McDonalds zerrupft er bis zur Lächerlichkeit. „Kein Deo macht Frauen wuschig“, glaubt er. Er habe alle ausprobiert und festgestellt, dass „2in1“ Antitranspiration und Verhütung bedeutet.

Vulgär sind Webers Worte, und doch ist das Programm fordernd. Hohe Konzentration erwartet der Künstler vom Publikum. Manipulation bedeute einen unbewussten psychologischer Zwang. Er fragt immer wieder, ob es ehrliche Werbung geben kann. Der Kabarettist erklärt die Bedürfnispyramide nach Maslow. Angst nimmt Sicherheit und so entsteht Konsum bestimmter Produkte. Er erläutert Funktionen von Groß- und Mittelhirn sowie den Weg, den Emotionen nehmen und in welche Richtung die Nervenbahnen verlaufen. Demnach sei klar, dass in Krisenzeiten, die Menschen vermehrt Produkte aus ihrer Kindheit kaufen würden. Weber fordert daher, Werbung für Kinder unter zwölf Jahren zu verbieten. Und er amüsiert sich über eine Kuh, die für Pudding wirbt.

Ohne das Publikum Luft holen zu lassen, geht es danach um Obsoleszenz: Dem Verschließ – ob gewollt oder ungewollt – von Produkten. Trotz der Fülle an komplexen Informationen, gelingt es Weber, sein Publikum stets bei sich zu behalten. Dies ist dem Wechsel anspruchsvoller Informationen, gespickt mit humorvollen Erläuterungen und direkter Ansprache einzelner Zuschauer zuzuschreiben.

Immer wieder berichtet Weber von den Maßnahmen seiner eigenen Agentur: Im Tutu stieg er auf eine Schaukel. Diese zeiht ein Kran einige Meter in die Höhe. In der Hoffnung, sein Image zu verbessern und gleichzeitig wenig zu manipulieren, wirbt Weber für eine Bio-Fairtrade-Marke mit Haarpflegeprodukten. Doch kurz darauf fällt jedoch auf, dass diese sich als Betäubungsmittel besonders eignen.

Gleich einem Schauspieler mit ADHS gestikuliert der Odenwälder wild auf der Bühne, läuft hin und her, springt. Er äfft das Publikum nach, streckt ihm die Zunge aus. Einen Großteil seines tägliches Fitnessprogramms absolviert der 45-jährige mit Sicherheit auf der Bühne.

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