Der Energieerzeuger "Verbund" veröffentlicht ein Buch über Architektur und Technik der Innkraftwerke

Wo aus Wasser Strom wird

Architektur in Jettenbach: Wehranlage...
+
Architektur in Jettenbach: Wehranlage...

Auf den ersten Blick: ein Bildband. "Architektur bei Verbund - Die bayerischen Innkraftwerke" lautet der Titel. Die beeindruckende Fotografie auf dem Umschlag vom Kraftwerk in Wasserburg gibt die Richtung vor. Sie schärft den Blick des Lesers für etwas, was nach Meinung des Herausgebers in der öffentlichen Wahrnehmung viel zu kurz kommt: die Architektur der Wasserkraftwerke und Flussbauten.

Diesem Defizit setzt der Verbund nun eine eigene Publikation für die Bauwerke am Inn entgegen - als Ergänzung zum 2008 im Springer Verlag erschienen Werk "Architektur im Verbund". Nachdem der österreichische Energieerzeuger 2009 die Innkraftwerke erworben hat, schließt sich damit für das Unternehmen zugleich eine Lücke der architekturgeschichtlichen Aufarbeitung seiner Kraftwerke.

Vorangegangen war ein mehr als zweijähriges Forschungsprojekt unter Federführung des Architekten Valentin Weber-Wille und des emeritierten Professors der TU Wien, Manfred Wehdorn. Und so liegt der Fokus des knapp 100 Seiten starken Buches eben nicht nur auf den - zum Teil beeindruckenden - Aufnahmen der 13 Innkraftwerke und des Verwaltungsbaus in Töging, sondern auch auf den Informationen zu den Objekten und deren Baugeschichte.

Monatelang hat Valentin Weber-Wille dafür vor Ort recherchiert und jedes Kraftwerk mindestens zweimal besucht. "Vor allem die Gespräche mit den Mitarbeitern vor Ort und die Führungen durch die Anlagen waren sehr aufschlussreich", erzählt der Autor. Man habe auch einen Eindruck davon bekommen, wie hoch die Identifikation der Menschen vor Ort mit den Kraftwerken ist.

Dabei war es dem Auftraggeber Verbund offensichtlich auch wichtig, neben Architektur und Technik noch einen ganz anderen Aspekt zur Sprache zu bringen. Denn nach den üblichen Dank- und Grußworten folgt - noch vor dem geschichtlichen Abriss - ein Aufsatz von Helmut Kroiss. Der ehemalige Professor für Wassergütewirtschaft an der TU Wien geht dabei der Frage nach, inwieweit die Erzeugung von Energie aus Wasserkraft und die Gewässergüte im Widerspruch stehen. Nach der Erläuterung der Bewertungskriterien geht es um die Veränderung der Prozesse im Gewässer durch den Aufstau gegenüber der natürlichen Fließstrecke.

Kroiss bescheinigt der Kraftwerkskette entlang des Inns aufgrund der natürlichen Gegebenheiten und der bereits durchgeführten Maßnahmen zum Schutz der Gewässergüte im gesamten Flusseinzugsgebiet "sehr günstige Voraussetzungen, einen längerfristigen Ausgleich zwischen den Interessen an der Nutzung und dem Schutz natürlicher Ressourcen zu erreichen". Handlungsbedarf sieht er besonders dort, wo es um Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen für Fische geht.

Detailliert geht es im Anschluss um die Geschichte der bayerischen Innkraftwerke - von den ersten Planungen für den Kanalbau 1915 über die "Innwerke im zweiten Weltkrieg" bis hin zum Bau des Pfeilerkraftwerks Perach zwischen 1974 und 1977. Vor allem die historischen Aufnahmen hauchen den Zahlen und Fakten Leben ein.

Die übrigen 60 Seiten gehören dann ganz den Bauwerken selbst. Flussabwärts sortiert vom Kraftwerk Rosenheim bis zum Kraftwerk Stammham wird jedes einzelne detailliert beschrieben. So erfährt der Leser zum Beispiel nicht nur, dass das Kraftwerk Gars mit fünf vertikalachsigen Kaplan-Turbinen ausgestattet ist, sondern auch, dass vier genietete Hakendoppelschütze mit einem Gewicht von jeweils 107 Tonnen die Wehrfelder sperren. Es schlägt die Stunde der Techniker.

So gesehen ist das Buch nach der Inventarisierung der Anlagen und den Recherchen im Töginger Innwerk-Archiv die erste architektonische und technische Bestandsaufnahme der Kraftwerke an Inn und Kanal - und damit ein wichtiger Beitrag zum Thema Industriegeschichte in Bayern. Valentin Weber-Wille wird die Dokumentation im Auftrag des Verbund auch nach dieser Veröffentlichung weiterführen - in Form von jährlichen Aktualisierungen.

Trotz aller technischen Details haben an dem Buch auch Laien ihre Freude - ganz besonders an den Fotografien, die nicht nur die Hülle, sondern auch das Innenleben der Kraftwerke zeigen.

Das Buch "Architektur bei Verbund - Die bayerischen Innkraftwerke" (ISBN-10: 3-9502188-6-6) ist zum Preis von 19,90 Euro nur direkt bei den Verbund Innkraftwerken Töging bei Danja Moser unter der E-Mail-Adresse danja.moser@verbund.com erhältlich.

Kommentare