Waldkraiburg: Auf Vernissage „genießen, entspannen und sich irritieren lassen“

Künstlerin Undine Goldberg zwischen Kulturreferentin Lydia Partsch (links) und Museumsleiterin Elke Keiper vor einem Tintoretto- Selbstporträt. Fischer
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Künstlerin Undine Goldberg zwischen Kulturreferentin Lydia Partsch (links) und Museumsleiterin Elke Keiper vor einem Tintoretto- Selbstporträt. Fischer

Waldkraiburgs Kulturreferentin Lydia Partsch machte in ihren Begrüßungsworten den Leitspruch des Hauses der Kultur zum Thema: „Ohne Kultur und im Speziellen ohne Kunst fehlte uns was.“ Das hätten die ersten sechs Monate während der Pandemie überdeutlich gezeigt.

Walkraiburg – „Wir sind zwar noch lange nicht in der Normalität angekommen, doch die Eröffnung dieser von März auf September verschobenen Ausstellung lässt uns die Kunst von Undine Goldberg jetzt so richtig hautnah erleben. Genießen Sie, lassen Sie sich irritieren, entspannen Sie sich beim Betrachten von Bildern, die schon in Berlin, Zürich oder Oslo zu sehen waren“, riet Partsch.

Museumsleiterin Elke Keiper freute sich über den regen Zuspruch, den die Vernissage erfahren hatte. Die zwei Gruppen mit je 25 Personen waren rasch ausgebucht, und so durfte sie an diesem Nachmittag Undine Goldberg „trotz Abstandsstarre“ zweimal begrüßen.

Gleich nach dem Studium an der Münchner Kunstakademie hatte die Brannenburgerin Goldberg erste Eindrücke in den Pinakotheken aufgesogen und dabei festgestellt, dass dort zu häufig selbstbewusste Männer mit wenig Kontaktaufnahme zum Betrachter zu sehen waren.

„Ich will mich zu erkennen geben!“, war deswegen ihre Devise. Sie schlüpfte in die Rollen männlicher Protagonisten wie Max Beckmann, Tintoretto oder Edouard Manet. Es entstanden feinsinnige Selbstporträts mit extrem gut gezeichneten Gesichtern in teils eigenwilligen Posen wie beim frontal angelegten Bildnis im Fellanzug. Hierbei kam dem Multitalent Goldberg sicher seine preisgekrönte Video-Erfahrung zugute.

Auch den geschickten Umgang mit Mode und Musik praktizierte sie seit 1995 in der deutschen Hauptstadt, indem sie sich mit Kleidung ausstaffierte wie bei der Dame im Smoking auf dem Ausstellungsflyer. „Den Charme ihrer Bilder macht das Fließende aus“, so Keiper, „es wird alles auf Nass auf die Leinwand gemalt, und es muss rasch gehen!“ Die autonomen Bilder sind nicht zum Aufspannen auf einen Rahmen gedacht: „Die Stoffbewegung gehört dazu!“ Dies wird besonders deutlich bei den Blumenporträts.

Nicht nur die Lust an der Farbe – die den Betrachter sofort in den Bann zieht – sei für die Künstlerin ausschlaggebend gewesen. Formen und Eigenheiten setzte sie zielsicher um, ob beim üppigen Bukett oder beim hingehauchten aquarellartigen kleinen Strauß.

Viele Werke entstanden erst in den vergangenen Monaten und werden in der Ausstellung zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt.

Bis zum 20. Dezember kann man die Bilder in der Städtischen Galerie sehen: mittwochs und donnerstags von 13 bis 16 Uhr, sonntags von 14 bis 17 Uhr. fis

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