Der Wahl sei Dank

Drei an einem Abend: Wolfgang Krebs alias Horst Seehofer (links), Ecco Meineke (Mitte) und Sebastian Pufpaff (rechts). Fotos vk
+
Drei an einem Abend: Wolfgang Krebs alias Horst Seehofer (links), Ecco Meineke (Mitte) und Sebastian Pufpaff (rechts). Fotos vk

Das Konzept ist bekannt: drei in einem. Drei Künstler aus der Kleinkunstszene spielen Ausschnitte aus ihren aktuellen Programmen, während Michael Altinger auf der Bühne im Haberkasten durch den Abend moderiert. Die Zusammenstellung hätte diesmal extremer nicht sein können. Es gab Nachdenkliches, zuweilen ernstes Kabarett neben feiner Comedy und Politikerparodien.

Den Auftakt machte Ecco Meineke, der Szenen aus seinen Soliprogrammen "Fake" und "Liberté, Égalité, Humba-täterä-tätä!" spielte. Seine Texte sind intelligent, gespickt mit unbequemen Wahrheiten, die Meineke in kleine Theaterszenen verpackt und in denen er zeigen kann, dass er sein schauspielerisches Handwerk beherrscht.

In welche Rolle er auch schlüpft, man nimmt ihm die Figur augenblicklich ab. Etwa die des betagten, grantelnden Ruhrpott-Rentners, der sich irgendwie auf dem Barhocker hält, ständig sein Gebiss zurechtrücken muss und dessen Stimme beim Politisieren stets im Nirgendwo versickert. Überhaupt Stimme: Meineke tourt als Frontmann von Jazz- und Soulbands, was spätestens bei seiner Version der Moritat aus der Dreigroschenoper von Brecht hörbar wird. Hier wird aus Mackie Messer der Manager Harry Hedgefonds, der "macht Wetten, und das Geld steht nur auf Zetteln, doch die sieht man nicht". Dazwischen spöttelt er über Steinbrück, fragt sich, warum der nicht einfach seine Abgeordnetendiäten veröffentlicht, das seien ja schließlich seine Nebeneinkünfte. Keine Gags zum Ablachen, sondern Stoff zum Mitdenken.

Ganz anders Sebastian Pufpaff, der mit Szenen aus seinem Programm "Warum!" beim Publikum Lachsalven auslöste. Kaum steht er in Anzug und mit geschniegelten Haaren auf der Bühne, strickte er ausgiebig Geschichten rund um seinen Nachnamen. Der lautet wirklich Pufpaff. Beispiel Pizzabote. Wenn der die Adresse "Pufpaff" ansteuern soll, wittert er gleich Veralberung und streikt. "Mit dem Nachnamen müssen Sie immer eine Dose Ravioli im Hause haben, sonst geh'n Se hungrig ins Bett." Dann stellte er seine schönen unsinnigen W-Fragen: "Wer hat das Abc sortiert? Zwei Typen bei einer Buchstabensuppe? Wieso steckt in dem Wort ,sterben' gleich das Wort ,erben'? Wofür sind Windräder da? Das sind Ventilatoren, denn wenn die stillstehen, geht kein Wind. Heißt ja auch Lichtschalter und nicht Dunkelschalter."

Zwischendrin schaut er immer wieder auf eine Dame in der ersten Reihe. Die hatte gleich zu Beginn seines Auftritts ihre Nachbarin gefragt "Wer ist denn das?" Ein gefundenes Fressen für den sympathischen Bonner, der mit viel Charme und rheinländischer Fröhlichkeit dem Publikum immer wieder Szenenapplaus entlockte. Im Gegensatz zu anderen Komödianten liefert Sebastian Pufpaff keine geistlose Blödelei, sondern ist einfach nur witzig.

Stimmenimitator und Kabarettist Wolfgang Krebs hatte ein Best-of aus seinem aktuellen Programm "Drei Mann in einem Dings!" dabei. Der politische Kabarettist schlüpfte in seine Paraderolle als Seehofer und begrüßte in Siegespose das Publikum. Wolfgang Krebs, der den "Landesvater" bereits für das Bayerische Fernsehen ("Quer") und für den BR3 parodiert, ließ sich erst einmal über die Wahl aus und spottete über die Plakate der SPD: "Die halten Wort, wir halten dicht." Auch an der Niederlage der FDP kam er nicht vorbei: "Früher lagen die Piraten vor Madagaskar, heute liegen sie vor der FDP." Kam seine Seehofer- Parodie schon gut an, war seine Stoiber-Nummer ein Selbstläufer. Die stets missglückte Ansprache "Liebe Mühlensteiner, äh, Mühlerdingsda im Kornspeicher, äh Gerstenkloster" entwickelte sich zum Running Gag. Ein Versprecher reihte sich an den anderen, aus der "Hypo Alpe Adria" wird die "HyperAlptraumAderlass" und schlussendlich endet alles in der Feststellung: "Natürlich wissen Sie, wovon ich rede, und da haben Sie mir was Entscheidendes voraus."

Kommentare