Überlistet mit Kerschgeist: „Der Brandner Kaspar“ im Haus der Kultur Waldkraiburg

Himmlische Szene aus „Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben“ mit Erzengel Michael, Henner Quest in der Hauptrolle des Brandner Kaspar, Petrus und Turmair (von links). Rath

Es ist das Paradestück der bayerischen Literatur: „Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben“. Mit Marianne Sägebrecht und Henner Quest in war das bayerische Volksstück von Kurt Wilhelm nach Franz von Kobell im Haus der Kultur in Waldkraiburg zu sehen – und sorgte für ein ausverkauftes Haus und viel Applaus.

Waldkraiburg – Es beginnt furios. Treiber und Jäger stürmen durch den Saal auf die Bühne, auf der Jagd des belgischen Königs. Die Hauptfiguren werden vorgestellt – allen voran Henner Quest als Brandner Kaspar. Dazu kommen seine Enkelin Marei, gespielt von der lebendigen Carmen Haselbeck, die sich als Mann verkleidet hat, um bei der Treibjagd dabei sein zu können. Außerdem treten die beiden Rivalen um die Gunst Mareis auf – Benedikt Frank spielt den Flori, in den Marei verliebt ist. Michael Brunnhuber, der Simmerl, möchte ebenfalls die Gunst Mareis erringen.

Zum ersten Malläutet die Totenglocke

Ein Schuss fällt und zum ersten Mal erklingt die Totenglocke. Kaspar erhält einen Streifschuss und spielt dem Simmerl vor, schwer verletzt zu sein. Er lässt sich von diesem auf dem Rücken davontragen. Kurz darauf wird der Brandner Kaspar in seiner Hütte vom „Boandlkramer“ aufgesucht, der ihn mitnehmen will. Letzterer wird von Stefan Hillebrand brillant dargestellt – in gebückter Haltung springt er herum, seine hohe Stimmlage wirkt unfreiwillig komisch, genauso wie sein Sprachfehler.

Der 72-jährige Kaspar will aber wie seine Vorfahren 90 Jahre alt werden, also noch weitere 18 Jahre leben. Er beginnt, den stets frierenden „Boandlkramer“ mit Kerschgeist abzufüllen. Mit zwölf Stamperl und einem Kartenspiel überlistet er die Allmacht des Todes und bringt damit den göttlichen Ablauf gehörig durcheinander. Einen Lacher gibt es beim Abgang des betrunkenen Gevatter Tod. Auf die Warnung des Kaspar, nicht in den Bach zu fallen, hört man nur ein lautes Platschen.

Die Pausen dauern etwas lang

Die Pausen zwischen den einzelnen Bildern dauern etwas lange, Jagdhornklänge überbrücken die insgesamt vier Unterbrechungen.

Marianne Sägebrecht tritt im dritten Bild, drei Jahre später spielend, als Mareis Tante Theres auf. Sie ist wie viele andere Gäste gekommen, um dem Brandner zu seinem 75. Geburtstag zu gratulieren. Während Bürgermeister Alois Senftl, den Roland Schneider spielt, eher widerwillig eine Lobrede auf den Kaspar hält, sinniert dieser über Leben und Tod: „Ich ausgelatschter Stiefel bin immer noch da.“ Ein Gewitter zieht auf, die Totenglocke erklingt zum zweiten Mal.

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Bei dieser Gelegenheit fallen die schönen, detailgetreuen Kostüme auf: Der Petrus trägt golddurchwirkte Gewänder, die Jäger ein für sie typisches grünes Habit. Der Erzengel Michael ist prächtig gewandet, mit einem manchmal sogar flammenden Schwert.

Es fallen aber auch immer wieder Tonprobleme auf, die Headsets wirken übersteuert, vor allem, wenn die Darsteller lauter sprechen müssen. Nicht immer ist überall alles zu verstehen.

Immer wieder Tonprobleme

Nach der Pause zeigt Bild vier den Himmel, wo Erzengel Michael, Nantwein und Johannes Turmair, beide Beamte der himmlischen Verwaltung, Karten spielen. Das Marei betritt die Bühne, sie ist in eine Schlucht gestürzt und gestorben. 18 Jahre zu früh, wie sich herausstellt, mit 24 anstatt mit 42 Jahren. Ein Zahlendreher in der himmlischen Buchführung?

Am Ende viel Applaus

Nun kommt heraus, dass der Brandner Kaspar im Himmel fehlt, der eigentlich seit drei Jahren hier oben sein sollte. Petrus ist sehr erbost. Der Boandlkramer wird herbeizitiert und beichtet Petrus seine Verfehlungen. Dieser verdonnert ihn dazu, dass er den Brandner nun sofort herbeischaffen müsse. Das Ende ist bekannt. Am Ende zieht der der Brandner ins Paradies, wo er seine Familie wiedersieht und dem Tod ein Angebot macht: „Holst Dir den Kerschgeist aus meiner Hütte“. Darauf antwortet dieser: „Hab ihn schon.“

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