Nix über alte Steine

Aufatmen im Mühldorfer Süden. Bei vielen Bewohnern jenseits des Inns grassierte nämlich schon die nackte Angst. Die Angst vor zu viel Ruhe in den Sommermonaten.

Doch weil man in der Stadtverwaltung ein feines Gespür für die Sorgen und Nöte der Bürger hat, sind die Gegenmaßnahmen für 2014 längst ergriffen. Das Volksfest: dauert einen Tag länger. Das Sandbahnrennen: schon gebucht, sogar ein richtig röhrender WM-Lauf. Dazu das Dezibel-Comeback des Jahres: Ein Open-Air-Konzert in der Rennbahn.

Leider dürfen wir an dieser Stelle nicht verraten, wer dort spielen wird. Der Chef hat heute nämlich ausdrücklich verboten, auch nur eine Silbe über alte Steine und den Bürgerentscheid am morgigen Sonntag zu schreiben. Kein Wort also über die Rolling Stones. Auch Joe Cocker müssen wir verschweigen, weil er wie die Stones schon längst unter Denkmalschutz steht. Ärgerlich. "Woodstock-Legende in der Rennbahn" wäre eine wundervolle Wochenend-Schlagzeile gewesen.

Auch die Bundestagswahl ist heute tabu, sagt der Chef. Das wiederum schmeißt nicht nur das Kabarett-Trio "Da Huawa, da Maier und I" aus dem Vorprogramm, sondern, ach ja, gleich noch mal die Rolling Stones von der Titelseite. Schließlich grüßt "Angie" Merkel bis morgen von allen Plakaten.

Dabei wäre näher betrachtet eine Meldung über die Rolling Stones eigentlich der Höhepunkt an politischer Ausgewogenheit. "Sticky Fingers" heißt ihr bekanntestes Album - beste Wahlwerbung für den Peer von der SPD, den mit dem Stinkefinger.

Doch daraus wird nun alles nix. Es bleibt geheim, wer in Mühldorf spielt. Wolfgang Haserer

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