Zweieinhalb Stunden lang hatte "HMBC" die Aschauer Gemeindehalle fest im Griff

Bis die Tuba rotzt

Beste Stimmung: In der Aschauer Gemeindehalle begeisterten die Musiker von "HMBC" das Publikum. Fotos hpf
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Beste Stimmung: In der Aschauer Gemeindehalle begeisterten die Musiker von "HMBC" das Publikum. Fotos hpf

Es gibt typische One-Hit-wonder Bands. Um es vorweg zu nehmen: Die Vorarlberger Band mit unaussprechlichen Namen "Holstuonarmusigbigbandclub", kurz HMBC, gehört nicht dazu. Und das, obwohl viele beim fast ausverkauften Konzert in der Gemeindehalle in Aschau wohl nur ihren Kassenschlager kannten. 2010 lief ihr Hit "Vo Mello bis ge Schoppornou" als Dauerbrenner im Radio.

Wer damals auch nur ansatzweise versuchte, den Ohrwurm mitzusingen, scheitert an der Sprachbarriere: Die fünf Musiker pflegen ihren Heimatdialekt, Gsibergerisch, den sie ungeniert mit deutschen und englischen Versatzstücken mixen. Um die Lautverschiebungen zu entschlüsseln, klickten Millionen neugieriger Hörer das Musikvideo auf Youtube an. Ab da war das Stück ein Selbstläufer.

Die Antwort auf die Frage, wie die fünf Österreicher neben diesem Hit ein zweieinhalb Stunden Konzert bestreiten würden, stellte sich im Gemeindesaal in Aschau aber eben nur den Besuchern, die nur den Dauerbrenner kannten. Im bunt gemischten Publikum gab es hingegen einen textsicheren Fanblock, der zum Teil mit dem Bus angereist kam. Für diese treuen Fans war ein vorsichtiges Reinhören nicht nötig. So tanzten die ersten Reihen bereits beim Intro zu "2001: Odyssee im Weltraum", das in einer funkigen Version von Tom Jones' "Help Yourself" endete. Und der Rest brauchte auch nicht lange, um mitzuwippen. Zum Glück gab es keine festgeschraubte Bestuhlung.

Was gespielt wurde, ist schwer in Worte zu fassen. Typische Schubladen greifen nicht. Bei den fünf Burschen gehen Balkanjazz, Dixiesets, Alpenländisches, Big-Band-Klänge mit Hip-Hop, Funk, Reggae und Solo-Improvisationen spielend zusammen.

Neben skurrilen Eigenkompositionen wie "What happened to the Edelweiß I gave to you last night" oder "Hold me down" brillierte die Band mit eigenwilligen Coverversionen quer Beet. Sie bedienen sich bei James Last, den Zillertaler Schürzenjägern, bei Ben E. King ("Stand by me"), Lionel Richie und Michael Jackson ("We are the world"). Selbst Stefanie Hertels "Über jedes Bacherl geht a Brückerl" muss herhalten. Was rauskommt, sprüht vor Ideenreichtum und hat nur noch vage etwas mit dem Original zu tun.

Auf der Bühne sitzen sie mal auf ihren Stühlen oder Sesseln, um im nächsten Moment teilweise mit vollem Körpereinsatz zu Soli-Exzessen auszuholen. Ihre Experimentierfreude ist das eine, das musikalische Können und ihr Humor das andere. Die Mitzwanziger studieren allesamt Musik, beherrschen neben Trompete, Saxofon, Klarinette, Flügelhorn, Tuba, Posaune, Akkordeon, Gitarre, Blockflöte und Tenorhorn.

Da ist Andreas Broger, der Jazz-Saxofonist, der den Klassiker von James Last mit viel Schmalz und Schmäh auf einer "handelsüblichen" Blockflöte zum Besten gibt. Bartholomäus Natter, der mit mehreren Trompetensoli glänzte, sorgte zudem für schön trockene Anmoderationen.

Und immer wieder Johannes Bär, der recht sportlich zwischen Euphonium, Posaune, Bassflügelhorn, F-Tuba, B-Tuba, Helikon, Didgeridoo und Tamburin wechselte und zwischendrin orchesterreif die Percussion beatboxte. Sein Bruder Stephan Bär traktierte die Tuba, bis sie rotzte.

Sänger Philipp Lingg hingegen gibt den schrägen Kauz und Entertainer, zuckt mal in Tom Waits Manier vor dem Mikrofon, schiebt sich seine Melone ins Gesicht, zerrt an seinen Hosenträgern, während er die Schnulze von "Take that" "Back for good" persifliert, bis am Ende selbst das Mikrofon versagt.

Nach dem offiziellen Ende sangen die Fans erst einfach weiter, bevor die Band als Zugabe dann "endlich" ihren Ohrwurm zum Besten gab.

Mit der Einladung der Band hat der Gastgeber, der Aschauer Musikverein, auf jeden Fall einen Treffer gelandet. Und wer weiß? Vielleicht inspiriert diese neue Volksmusik ja auch die Aschauer Jugend- und Blaskapelle, wenn sie das Programm für ihre künftigen Jahreskonzerte zusammenstellt.

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