„Tod auf dem Nil“ in Waldkraiburg: Tanzen, streiten, morden

Ob wenige Darsteller oder die volle Besetzung – das Bühnenbild ließ beides zu. Humorvoll und spannend haben die zwölf Schauspieler den Krimi von Agatha Christie auf die Bühne gebracht. von Ahn

Gut gefüllt war der große Saal in Waldkraiburgs Haus der Kultur vergangenen Sonntag Nachmittag. Zwölf Schauspieler des Theater Herwegh und Carpe Artem tanzten, stritten und mordeten innerhalb von zweieinhalb Stunden in „Tod auf dem Nil“ von Agatha Christi.

Waldkraiburg – Der Großteil der Handlung spielt im Salon eines Schiffes. Auf einem Podest steht das gleich bleibende Bühnenbild und sorgt so für besseren Blick der Zuschauer. An beiden Bühnenrändern spielen kleine Szenen zu Beginn des Stücks, um die zahlreichen Charaktere vorzustellen: der Schönling Simon tanzt mit seinen beiden Verlobten, die reiche Miss Ffpliot-faulkes drängt sich stets in den Mittelpunkt. Mit der Aufklärung eines Mordes nach der Pause, wird es wieder eine Szene in einer der Ecken geben.

Hercules Poirot im Hintergrund

In der Geschichte um Hercules Poirot tritt dieser jedoch in den Hintergrund. Sei Name wird nie genannt. Er ist erkältet und heiser. Er beobachtet, hört zu und kommuniziert mit dem Pfarrer über Zettel. Die Befragungen übernimmt das Kirchenoberhaupt. Diese humorvolle Herangehensweise stößt auf Zustimmung des Publikums. Es lacht, als „Monsieur“, wie er stets genannt wird, unter einem riesigen Tuch sitzend inhaliert. Mit den Armen fuchtelt er, um den Pfarrer zum Weiterfragen zu bewegen. Sichtlich angewidert nimmt der Pfarrer die Anweisungen des verschnupften Detektivs entgegen.

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Stets begleiten Grillenzirpen oder entfernte Partyklänge das Schauspiel. Das Stück ist nicht nur Theater sondern auch Hörspiel: Erzählende Dialoge und Geräuschkulisse lassen die ägyptische Umgebung erahnen, die auf der Bühne nicht gezeigt werden kann.

Erpressung, Habgier und Eifersucht

Es dauert, bis jeder der neun möglichen Täter sein Mordmotiv erläutert hat: Erpressung, Habgier und Eifersucht. Die Schauspieler passen wie maßgeschneidert auf ihre Rollen. Manches ist jedoch redundant. Niesen von „Monsieur“ und das umständliche Schleppen des Gepäcks der Reisegäste lockern die Dialoge ein wenig auf. Die Streitigkeiten der Reisegäste auf dem Nil-Raddampfer eskalieren schließlich – bis der erste Schuss fällt. Mit ihm fällt der Vorhang zur Pause.

Mehr Spannung nach der Pause

Spannender und mitreißend geht das Drama in der zweiten Hälfte weiter: In einer Rückblende erzählt das Stück den Tathergang. Der Schuss trifft den schönen Simon, gespielt von Gil Ofarim. Jeder erzählt seine eigene Geschichte. Simons Ehefrau wird schließlich ermordet – es wird lediglich davon berichtet – und liegt erschossen in ihrer Kabine. Leidend harrt Simon mit angeschossenem Bein im Salon aus.

Trotz einiger Längen sehr gelungen

Er schreit und stöhnt vor Schmerzen, will den Mörder seiner Frau finden. Er liegt dabei in den Armen seiner Ex-Verlobten Jacky. Schließlich stellt sich heraus, dass Simon nicht ganz unschuldig an dem Schuss ins Bein und zwei Morden ist. Denn auch das Dienstmädchen Louise überlebt die Reise über den Nil nicht. Die Theateradaption des gleichnamigen Buches und Films ist trotz einiger Längen zu Beginn gelungen.

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