Theatergruppe Kraiburg: Wie ein Spiegel der Gesellschaft

Aufgebracht sind die elf Geschworenen gegen den einen (Sebastian Ebenbichler), der sie zum Nachdenken zwingt. sutherland

Die Theatergruppe Kraiburg hat mit „Die zwölf Geschworenen“ ein Stück auf die Bühne gebracht, das nichts an politischer Brisanz verloren hat. Eine gelungene Premiere.

Kraiburg – Eine gelungene Premiere hatte das Stück „Die zwölf Geschworenen“ in der Remise unter der Regie von Diana Fürstenberger.

Die Geschichte um den Mord, den ein 19-jähriger Junge begangen haben soll, zog viel Publikum an. Die Todesstrafe droht, denn der Fall scheint eindeutig zu sein. Die Zeugenaussagen belasten ihn schwer. Die zwölf Geschworenen finden sich an einem heißen Tag zusammen, um ein Urteil zu finden. Die meisten von ihnen wollen sich nicht viel Zeit nehmen, um über Leben und Tod zu urteilen. So stimmen sie schnell ab.

Einer aber (Sebastian Ebenbichler), Geschworener 8, stimmt dagegen. Als Folge sieht er sich abfälligen Bemerkungen ausgesetzt. Man versucht, ihm ein schlechtes Gewissen einzureden, der Gruppendruck steigt. Er sucht mit Argumenten zu überzeugen.

Abfällige Bemerkungen

Für das Publikum war es spannend zu sehen, wie die Situation langsam auf ihren Höhepunkt zusteuerte. Ausgesprochen gut hatte Regisseurin Fürstenberger mit ihrem Ensemble an Mimik und Gestik gearbeitet. Authentisch verkörperte Alois Fürstenberger den Geschworenen 4, der erkennen musste, dass er sich selbst widersprach. Glaubwürdig cholerisch ging Geschworener 3 (Heinz Kasulke) in die Luft, weil Geschworener 8 sich nicht umstimmen ließ. Mit triumphierendem Glitzern in den Augen konnte Christa Schinkinger, Geschworene 9, in einem Schlüsselmoment glänzen. Jeder der zwölf Darsteller zeigte große Bühnenpräsenz.

Regisseurin Fürstenberger sorgte dafür, dass die Schauspieler nicht am Beratungstisch sitzen bleiben, sondern aufspringen und sich im Raum bewegen. So entstand eine lebendige, temperamentvolle Inszenierung.

Politische Brisanz, aber mit Humor

Mit Projektionen an die Wand in Form von eingeblendeten Zitaten des Grundgesetzes holte die Regisseurin das Stück, das 1957 mit Henry Fonda verfilmt wurde, in die Gegenwart. Es ist ein hochaktuelles Stück mit politischer Brisanz, aber auch mit Humor. Die Charaktere der zwölf Geschworenen wirkten wie ein Abbild unserer heutigen Gesellschaft. Das Stück stieß eine Wertediskussion an, die das Publikum nachdenklich stimmte und begleitete.

„Die zwölf Geschworenen“ wird in der Remise in Kraiburg noch bis 1. Dezember jeweils Samstag, 20 Uhr, und Sonntag, 19 Uhr, gezeigt.

Karten gibt es telefonisch am Dienstag, Donnerstag und Samstag von 10 bis 11 Uhr unter 01 51/1 69 58 44 oder per Mail kartenvorverkauf@theatergruppe-kraiburg.de

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