Der Telefon-Maler: Der Schwindegger Phil Sutherland stellt Bilder vor, die Corona spiegeln

Phil Sutherland verarbeitet Skizzen, die er am Telefon erstellt, um daraus Kunstwerke zu machen. sn

Er zeichnet während langer Telefonate, intuitiv und als Ausdruck dessen, was gerade passiert. In diesen, nebenbei entstehenden Zeichnungen, sind Fantasiegebilde zu finden. Aus ihnen entwickelt Phil Sutherland (62) seine figurativen und abstrakten Bilder.

Schwindegg – Der Künstler zeichnet und malt seit frühester Jugend. In der Schule unterhielt er seine Klassenkameraden mit Karikaturen von ihnen und ihren Lehrern. Sein Interesse für Kunst brachte ihn zum Kunststudium. Nach dem Gymnasium in Deutschland 1976 studierte der gebürtige Amerikaner Kunst am Bethel College in Minnesota, USA. Er belegte Kurse in Zeichnen und Malen, Skulptur und Design und entdeckte dabei seine Leidenschaft für die Malerei.

Im Künstlerviertel in Minnesota

Nach dem Studium zog er in ein Künstlerviertel in Lowertown St. Paul in Minnesota. Ein Viertel, das heute noch Künstlern Loft-Räume bietet. Dort organisierte er Gruppenausstellungen, an denen er auch selbst teilnahm. Um sich finanziell über Wasser zu halten, nahm er verschiedene Jobs an, unter anderem bei einer Bronzegießerei oder in einem Fotogeschäft.

„Goat Version cropped“.

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Doch er blieb der klassische, brotlose Künstler. Eines Tages entdeckte er eine Stellenanzeige, in der technische Übersetzer bei einem großen Konzern in Deutschland gesucht wurden. So kam er 1990 nach München, seit einigen Jahren lebt Sutherland in Schwindegg. „Ein Kulturschock für mich, aber meine Existenzsorgen verschwanden“, sagt er. Seine Karriere bis hin zum Redenschreiber für Vorstände ließ nicht viel Zeit für die Malerei.

Bilder als politische Auseinandersetzung

Trotzdem schaffte er es, eine Solo-Ausstellung mit 24 Werken in Ebersberg im Rathaus zusammenzustellen. Sie trug den Titel „Rot“. Neben leuchtenden Farben und starken Pinselstrichen in seinen Bildern, herrscht die Farbe Rot vor. Inhaltlich sind seine, Acryl auf Leinwand gemalten, Bilder immer auch eine politische oder gesellschaftskritische Auseinandersetzung.

Erst der Stillstand, der mit der Corona-Krise kam, riss ihn aus seinem Arbeitsalltag und so nutzte er die Zeit zum Malen. Das jüngste Werk entstand, Goat (Greatest Of All Times), die Darstellung eines Narzissten. Dafür verwendete er verschiedene Zeichnungen, die beim Telefonieren entstanden waren. Er fotografierte sie ab und übertrug sie auf Leinwand.

Der Blick des Bösen

„In einem bestimmten Winkel sah die erste Version dieser Arbeit aus wie eine Nahaufnahme einer selbstherrlichen, reptilienartigen Figur mit dem Blick des Bösen und einer Ziege an der Stirn“, erzählt Phil Sutherland. Mit Hilfe eines Graphik-Tablets simulierte er verschiedene Verwandlungen der Figur. Ihm fiel auf, dass, es die Malerei manchmal schwer hat, gegen Bilder zu konkurrieren, die mit digitalen Technologien hergestellt sind.

„Goat no frame.“

„Vielleicht wird künstliche Intelligenz bald spektakuläre Bilder hervorbringen. Malerei muss sich also davon differenzieren. Dieser Unterschied ist, meiner Meinung nach, das Physische der Malerei und die Freiheit von den Einschränkungen der Realität“, sagt Sutherland. Mit Goat entstand ein surreales Werk, das mehrere Interpretationen zulässt. Der Maler sieht es in der Tradition des Surrealismus und Dadaismus.

Rot ist die dominante Farbe

Abseits des Plakativen bestimmen Andeutungen, wie die der amerikanischen Flagge das Bild. Die Farbe Rot, die, wie in früheren Werken, auch hier wieder dominant das Bild bestimmt, spielt zum Beispiel im politischen Sinn sowohl in Deutschland, als auch in Amerika eine Rolle.

Von der ersten Zeichnung bis hin zum Bild auf Leinwand hat Phil Sutherland sein Werk weiter verfeinert. „Die Herausforderung ist, zu wissen, wann man aufhören muss. Zu viel Verfeinerung tötet das Bild, zu wenig davon und der Betrachter ist verloren.“

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