Unter dem Titel "Schauen - Denken - Irren" zeigt Hans Sagmeister in der Studiogalerie 16 überwiegend neue Arbeiten

Symbole über Symbole

Die Schnecke als Symbol für die Langsamkeit im Gefängnis? "In meinen Bildern darf jeder sehen, was er will", sagt Hans Sagmeister. Foto ha
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Die Schnecke als Symbol für die Langsamkeit im Gefängnis? "In meinen Bildern darf jeder sehen, was er will", sagt Hans Sagmeister. Foto ha

Fast auf den Tag genau zwei Jahre ist es her, dass Hans Sagmeister in der Studiogalerie die Besucher zu seiner "Winterreise" eingeladen hat. Der Künstler hatte die Musik Franz Schuberts und das Gedicht von Wilhelm Müller in 24 Bilder gepackt.

Nun macht Hans Sagmeister also wieder Station im Haus der Kultur in Waldkraiburg - mit 16 überwiegend neuen Arbeiten im Gepäck. Schon der Titel ist eine klare Ansage an die Besucher: "Schauen - Denken - Irren". Oder anders ausgedrückt: Sagmeisters Geheimnisse lassen sich nur schwer entschlüsseln.

Auf den ersten Blick ist er sich treu geblieben, was Format, Stil und Technik betrifft. Mit Öl auf großer Leinwand und ohne Ausnahme. Sagmeister ist Realist, malt gegenständlich und lässt dem Surrealismus trotzdem reichlich Raum. Ein ums andere Mal löst er darüber hinaus - vor allem im Hintergrund seiner Bilder - die Formen auf. So gesehen öffnet sich für den Betrachter hinter dem Motiv der Horizont - denn es gilt weiter zu denken.

"Im Grunde kann jeder in meinen Bildern sehen, was er will", sagt der 66-Jährige. Doch natürlich nimmt Hans Sagmeister den Betrachter an die Hand - mal hintergründig, mal ganz offensiv mit einem Thema, das sich schnell erschließt. Bestes Beispiel: "Matthäus 19/24" zeigt rechts in warmen Farben ein überdimensionales Nadelöhr und ein Kamel, während links der reiche Geschäftsmann mit dem Rolls Royce vergeblich versucht, seine düstere Welt zu verlassen.

Nicht immer tritt die Botschaft so deutlich zu Tage wie in diesem Fall. Doch meistens lassen sich die zahlreichen Symbole mit ein wenig "Schauen" und "Denken" zumindest zuordnen. Da ist die Ameise als fleißiges Arbeitstier, die Amsel als Symbol für Musik und Redekunst, das Schwein, das für die Völlerei steht, und der Mensch(-enaffe), der in seinen Leidenschaften gefangen ist.

Manche Botschaft mag bei den klaren Kontrasten zwischen gut und böse, arm und reich oder früher und heute im ersten Moment etwas zu eindeutig erscheinen. Doch enttarnt ist Sagmeister deshalb noch lange nicht.

Im Gegenteil. Man muss mit dem Künstler schon einen Spaziergang durch die Ausstellung unternehmen, um zu erfahren, wie vielfältig die Gedankenspiele sind, die tatsächlich unter der Oberfläche stecken - vom Ausflug in die griechische Mythologie ("Bär") über ein Gedicht von Konstantin Wecker ("Passieren kann sowas ja nie") bis hin zur Stifter-Erzählung "Brigitta" oder dem Hölderlin-Roman "Hyperion".

Sagmeisters Bilder stimmen nachdenklich, wirklich fröhlich geht es selten zu. "Ich bin kein Pessimist", sagt er. "Aber den Ernst der Lage will ich schon darstellen." Fünf vor zwölf zeigt die Uhr im Motiv "Erleuchtung", ein paar Meter weiter sehnt sich ein Kind nach einer heilen Familienwelt.

Seinen Enkel malt Sagmeister inmitten von Fahrzeugen und Maschinen. Doch ausgerechnet dieses Motiv ist keine Kritik am Status Quo. "Er ist einfach glücklich, wenn er Bulldog fahren darf."

Zum Abschluss greift der Künstler dann in einem Triptychon die Leidenschaft auf, der er selbst seit Jahrzehnten erlegen ist: Fußball. Und wieder regieren die Kontraste: Den friedlichen Fans auf der leuchtend farbigen linken Seite stehen die Krawallmacher auf der düsteren rechten Seite gegenüber. Da braucht es keine Symbole mehr. Und wer in diesem Fall irrt, ist auch klar.

Sehenswert. Auf jeden Fall.

Die Ausstellung "Schauen - Denken - Irren?" von Hans Sagmeister ist noch bis 10. Februar zu folgenden Öffnungszeiten in der Studiogalerie im Haus der Kultur in Waldkraiburg zu sehen: von Montag bis Freitag von 12 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr.

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