Kurz vor seinem 90. Geburtstag starb der Maler Walter L. Brendel in Übersee

Auf der Suche nach einer beglückenden Welt

Walter Brendel mit dem für ihn so typischen Strohhut auf einem Foto aus dem Jahr 1996. Repro Giesen
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Walter Brendel mit dem für ihn so typischen Strohhut auf einem Foto aus dem Jahr 1996. Repro Giesen

"Würde ich auf Papier oder Leinwand das bringen, was das Leben beinhaltet und aussagt - es wäre schrecklich - darum suche ich lieber eine Welt, die befreit und beglückt", schrieb Walter L. Brendel 1951 in einem Brief an seine Frau Clara nach den Erlebnissen des Krieges. Jetzt starb der Maler Ludwig L. Brendel am 14. Januar kurz vor seinem 90. Geburtstag in seinem Haus in Übersee, wo er in den letzten beiden Jahren lebte. Jahrzehntelang war Walter Brendel - im Sommer meist mit Strohhut bedeckt - häufiger und gern gesehener Gast am Chiemsee, besonders im "Chiemgau-Hof", wo er es liebte, im Kreis von Künstlerfreunden und -freundinnen die Abendsonne zu beobachten und das Leben zu genießen.

Noch bis zwei Jahre vor seinem Tod war Walter Brendel voll Vitalität schöpferisch tätig. Lange Zeit hatte er zwei Wohnsitze, so dass er einerseits die ländliche Idylle des Chiemgaus genießen konnte, aber auch das reiche Kunstleben in der Stadt Salzburg: Er pendelte beinahe 40 Jahre lang zwischen seiner Wohnung in Übersee am Chiemsee und seiner Atelierwohnung im Salzburger Künstlerhaus hin und her, die ein idealer Platz zum Arbeiten für ihn war. Jahrzehntelang war der Name Walter Brendel ein Begriff in der internationalen Kunstszene, besonders in Deutschland und Österreich.

Walter Brendel wurde 1923 in Ludwigshafen am Rhein geboren und lernte zunächst den Beruf des Malers im Malereibetrieb seiner Familie. Schon bald aber begann sich seine künstlerische Veranlagung zu regen: Ab 1940 besuchte er aus eige-nem Antrieb zahlreiche Akt- und Porträtkurse, bis er 1941 zum Militärdienst eingezogen wurde. Wegen einer schweren Kopfverletzung an der Kriegsfront in Russland wurde Brendel ein fünfmonatiger Erholungsurlaub genehmigt, den er nun erstmals am Chiemsee verbrachte und zum Malen nutzte. 1943 sah er die Ausstellung "Entartete Kunst" in München, bei der ihn unter anderem die Werke Emil Noldes und Ernst Ludwig Kirchners stark beeindruckten und Einfluss auf seine spätere künstlerische Arbeit nahmen.

Nach der Entlassung aus der Wehrmacht im Jahr 1944 übersiedelte Brendel nach Übersee am Chiemsee und studierte in den Jahren zwischen 1946 und 1948 bei Professor Karl Casper an der Münchner Akademie der Künste.

1948 heiratete Walter Brendel die Keramikerin Clara Oberhauser, mit der er zwei Kinder bekam. 1950 wurde Sohn Peter geboren, acht Jahre später Tochter Michaela, die ihn mit ihrem Mann in Übersee bis zuletzt liebevoll betreute.

Bis in seine späten Jahre entwickelte Walter Brendel seinen Malstil fort, experimentierte und blieb aber niemals über einen längeren Zeitraum einzig einem einmal für gut befundenen Malstil treu. Ab 1948 war sein Werk von der Abstraktion bestimmt, und im Rahmen des europäischen Informel begann er seine eigene unverwechselbare Bildsprache zu entwickeln. 1960 hielt er sich zu Studienzwecken mehrere Monate in Paris auf, wo die Begegnung mit dem großen Kunstsammler Wilhelm Hack von großer Bedeutung für ihn war. Einen harten persönlichen Schlag bedeutete der plötzliche Tod seiner Frau Clara 1974.

Brendel war Mitglied der Salzburger Künstlergruppe "Gruppe 73", die bis Ende der 1970er-Jahre auch international ausstellte. Viele große Einzelausstellungen des Künstlers gab es unter anderem in München, Köln, Paderborn, Kopenhagen oder Reims, auch in der Galerie im alten Rathaus in Prien, wo er auch in vielen Jahresausstellungen vertreten war. Die Galerie der Stadt Salzburg zeigte viel beachtete Einzelausstellungen seiner Werke, so 1988 und zwanzig Jahre später 2008/2009. Im Jahr 2003 erhielt Walter Brendel das goldene Verdienstzeichen des Landes Salzburg. 2010 verlieh ihm das Land Rheinland-Pfalz die Slevogt-Medaille für seine großen Verdienste als Künstler und Kunstvermittler.

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