Ein Spitzenabend - Aufführung des Balletts „Romeo und Julia“ im Waldkraiburger Haus der Kultur

Fast das Ende eine beeindruckenden Theaterabends: Romeo trauert um die vermeintlich tote Julia.

Ballettaufführungen werden genau wie Opern vom Publikum im Haus der Kultur in Waldkraiburg besonders gut angenommen. So war der große Saal auch beim Gastspiel des Moldawischen Staatsballetts gut gefüllt. „Romeo und Julia“ stand auf dem Spielplan, das ewige Spiel um die verzweifelte Liebe zweier junger Menschen, die aus verfeindeten Familien stammen und sich deshalb nicht lieben dürfen.

Waldkraiburg – Das Schauspiel stammt aus der Feder von William Shakespeare (1564 – 1616), dem größten englischen Dichter. Es wurde 1592 uraufgeführt. Der Russe Serge Prokofjew(1891 – 1953) hat daraus ein Ballett in drei Akten geschaffen.

Nun trat das Moldawische Staatsballett im Waldkraiburger Haus der Kultur mit diesem Stück auf. Das 1957 gegründete Ensemble ist eng mit der weltberühmten russischen Balletttradition verbunden, wie sie im Moskauer Bolschoi-Theater gepflegt wird.

Das klassische Liebesdrama

Das Ballett „Romeo und Julia“ wurde am 30 .Dezember 1938 in Brünn in der damaligen Tschechoslowakei uraufgeführt, zwei Jahre später hatte es russische Premiere im Kirow-Theater in Leningrad.

Die Handlung des Balletts ist schnell erzählt: Romeo und Julia, zwei junge Menschen, die sich leidenschaftlich ineinander verlieben, leben um 1590 in Verona und entstammen Familien, die bis aufs Blut miteinander verfeindet sind. Julia, das Mädchen aus dem Hause Capulet, ist bereits dem Grafen Paris versprochen. Romeo, Sohn der Montague und unsterblich in Julia verliebt, will sie nicht aufgeben.

Pater Lorenzo traut die beiden heimlich. Als Romeo an einem Mitglied der Familie Capulet Rache für seinen ermordeten Freund übt, erreicht die alte Fehde der Familien Capulet und Montague einen neuen Höhepunkt.

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Romeo wird nach Mantua verbannt. Julia entzieht sich der bevorstehenden Hochzeit mit dem Grafen Paris durch eine List, sie bekommt von ihrem Beichtvater Pater Lorenzo ein Mittel, das sie zwei Tage für scheintot erscheinen lässt. Dieses Vorhaben misslingt jedoch und endet in einem katastrophalen Irrtum:

Romeo hört von der toten Julia und eilt nach Verona zurück. In der Gruft sieht er die vermeintlich tote Geliebte und vergiftet sich. Da erwacht Julia, sieht den toten Romeo und ersticht sich mit dessen Dolch.

Angesichts der beiden toten jungen Menschen versöhnen sich die ehemals verfeindeten Familien.

Ein besonderer Genuss ist es, Mariana Anghilinici in der Rolle der Julia zuzusehen, sie tanzt Ballett auf höchstem Niveau, ihr Spitzentanz ist sehenswert. Vlad Marculescu als Romeo steht ihr kaum nach, ihm glaubt man die Rolle des unsterblich Verliebten und am Ende unendlich verzweifelten Liebhabers.

Musik leider nur vom Band

Die weiteren Rollen wie die Eltern des Liebespaares, der Freunde, des für Julia vorgesehenen Ehemannes Prinz Paris, der Amme und des Beichtvaters Pater Lorenzo passen gut in die insgesamt sehr gelungene Aufführung. Das Ensemble verkörpert Veroneser Bürger, Diener, Pagen, Narren und Wachen, es fallen die schönen, immer zur Szene passenden Kostüme auf.

Nach dem mutmaßlichen Tod Julias tragen die Bürger zu ihren bunten Kleidern plötzlich schwarze Schleier. Das Bühnenbild reißt die Zuschauer jetzt nicht vom Hocker, ist aber für eine Wandertruppe in Ordnung.

Gegen Ende des Stücks spielen sich einige wichtige Szenen in der Gruft ab, in der Julia aufgebahrt wird. Diese ist für die Zuschauer nur schwer einsehbar. Die Musik wird vom Band eingespielt, ist aber gut ausgesteuert und überall gut hörbar. Dies beeinflusst den Kunstgenuss nicht weiter – außer, wenn das Publikum noch klatscht und die Musik sich fortsetzt.

Das Ende der Aufführung stimmt nicht mehr mit der Vorlage von Shakespeare und Prokofjew überein, Julia sinkt tot zu Boden, der Suizid mit dem Dolch wird nur angedeutet, die Versöhnung der beiden verfeindeten Familien entfällt, dennoch endet die Vorstellung mit einem gewaltigen Applaus.

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