Die spezielle Wiener Sicht

Austropop zwischen Jazz und Schlager:Norbert Schneider kommt in den Mühldorfer Haberkasten. Stefanos_Notopoulos

Mühldorf. – Eine Scheibe Vollkorntoast, bestrichen mit Marmelade.

Toast oben, Marmelade unten. So sieht das Cover von Norbert Schneiders aktuellem Album „So wie’s is“ aus. Der Austropop-Künstler kommt nicht nur mit Liedern von dieser CD in den Mühldorfer Haberkasten.

Landet das Marmeladenbrot immer auf der süßen Seite – oder ist das nur die spezielle Wiener Sicht auf die Welt?

Vielleicht hat das was mit der Wiener Sicht zu tun. Andererseits hat das den simplen Grund, dass 90 Prozent der Menschen die Marmelade auf die falsche Seite schmieren.

Ohne das zu vertiefen: Wer ist denn nun Norbert Schneider? Ein Austropopper, ein Blueser, ein Musik-Rebell, ein Rockstar, ein Bandleader oder doch einfach nur ein Wahnsinniger an der Gitarre?

Vielleicht trifft das alles auf mich zu. Ich habe vor Jahren aufgehört, mir selbst irgendwelche Etiketten überzustülpen. Aber natürlich bin ich zwischen den Welten: Für die Jazzer und Blueser bin ich ein Popmusiker, für die Popper bin ich ein Jazzer, für manch andere bin ich ein Schlagersänger. Ich kann mit allem gut leben, solange ich das machen darf, was mir Spaß macht.

Braucht der denn einen neuen Anstrich oder sind Sie eher in den Fußstapfen von Georg Danzer und Co. unterwegs?

Naja, meine Eigenheit ist sicher, dass ich ganz tief in die Blues- und Jazzmaterie eingetaucht bin, als Teenager schon. Ich war damals in einer Hausband im ‚Papa`s Tapas‘, einem Wiener Club, und habe dort diese Amerikaner, die nach Österreich gekommen sind, begleiten dürfen. Das hat mich natürlich sehr geprägt. Ich glaube schon, dass ich dadurch einen eigenen Sound in den Austropop hineingebracht habe. Selbst habe ich mich gar nicht so sehr damit beschäftigt.

Wer außer Georg Danzerhat Sie geprägt?

Die Erneuerer des Wienerlieds aus den 60er-Jahren, die haben es mir angetan. Das sind so Leute wie der Karl Hodina, der das ‚Herrgott aus Sta‘ mitgeschrieben und bekannt gemacht hat. Oder Horst Chmela, mit dem ich selbst aufnehmen durfte. Sein Lied ‚Ana hat imma des Bummerl‘ haben wir gemeinsam in seinem Wohnzimmer aufgenommen. Das ist auch auf meiner ersten Wiener Platte drauf. Das waren schon ganz tolle Momente. Die möchte ich nicht missen.

In Ihrem neuen Album „So, wie’s is“ soll der ‚klapfte Rhythmus des Wellengangs beim Donaustrand‘ zu spüren sein. Was heißt das bitte?

Der ganze Rhythmus, aber auch die Sprache. Und das schlägt genau in die Kerbe, von der wir vorher gesprochen haben. Das passt sehr gut zusammen mit meiner musikalischen Auffassung, die eben aus der Blues- und Jazzmusik so gewachsen ist, aus der Swingmusik. Das harmoniert irgendwie sehr gut mit dem Wiener Augenzwinkern, mit dem Wiener Schmäh.

So wie’s is. Hört man da vor allem Geschichten, wie sie Wien schreibt?

Für mich ist das irrsinnig toll. Ich kann aus dem Alltag sehr viel schöpfen, aus den eigenen Unzulänglichkeiten. Das gibt wahnsinnig viel her für Texte. Da muss man gar nicht so sehr in die Ferne schweifen oder ‚groß‘ denken. Man kann in die einfachsten Dinge so viel hinein interpretieren. Das macht gute Texte aus.

Man spürt die Liebe zum Instrument. Deswegen gibt es auch Instrumentalstücke, zum Teil mit außergewöhnlichen Instrumenten.

Genau, auf dem Album ist ein Stück mit einem speziellen brasilianischen Instrument zu hören, das mich jahrelang beschäftigt hat. Das ist eine ganz spezielle Trommel, die man mit einem nassen Fetzen reibt und dementsprechende Geräusche fabriziert.

Dabei kommen Sie, was Musikinstrumente anbelangt, doch eher aus der klassischen Ecke.

Ja. Als Siebenjähriger habe ich mit der Violine begonnen. Das hat mich schon sehr geprägt. Die Gitarre habe ich mir dann autodidaktisch beigebracht. Ich brauchte ein Begleitinstrument für meine Songs. Meine Schwester hat damals Gitarrenunterricht bekommen und die hat mir dann die ersten Griffe gezeigt. So kam das.

Sie haben zum dritten Mal den Amadeus Austrian Award gewonnen. Kann man das noch genießen oder läuft das so nebenbei?

Nein, ich genieß‘ das jedes Mal. Wenn man das Gefühl hat, Gehör zu finden und Leute es goutieren, was man macht, dann freut mich das immer. Man darf Preise in der Kunst halt nicht überbewerten. Das ist immer mit einem Augenzwinkern zu sehen, weil – was soll da schon bewertet werden? Das ist immer eine subjektive Geschichte. Aber ich hole mir jeden Preis gerne ab.

Kommen wir nach Mühldorf. Was dürfen die Besucher erwarten?

Es ist die erste Möglichkeit, das aktuelle Programm in Deutschland zu hören! Ich habe schöne Erinnerungen an mein letztes Konzert in Mühldorf und hoffe, dass es dieses Mal noch voller wird. Ich komme mit meiner vollen Batterie an Band. Mit dabei sind großartige Bläser. Ich habe wirklich einige der besten Musiker um mich geschart. Wir sind aktuell zu acht. Und ich bin stolz darauf, dass ich mit diesen Musikern seit fast drei Jahren durchgängig touren darf. Das ist wirklich wichtig, um einen eigenen Bandsound zu finden. Wenn man das schafft – das gibt es nicht so oft… Das sollte sich wirklich keiner entgehen lassen!

Karten für den Auftritt von Norbert Schneider&Band am Samstag, 16. November, 20 Uhr sind im Kulturbüro Mühldorf unter 08631/612612 und im Internet unter www.haberkasten.de erhältlich.

Interview: Nicole Petzi

Kommentare