PORTRÄT DER WOCHE

Der Spätstarter

„Um ehrlich zu sein: An Jobs zu kommen, habe ich mir einfacher vorgestellt“, sagt Daniel Pfaffinger. Lichtbühne
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„Um ehrlich zu sein: An Jobs zu kommen, habe ich mir einfacher vorgestellt“, sagt Daniel Pfaffinger. Lichtbühne

Vier Tage noch, dann hebt sich für Daniel Pfaffinger zum ersten Mal der Vorhang.

Dann ist in der Pasinger Fabrik Premiere des Stücks „Drei Monate und ein Tag“, in dem er die Hauptrolle spielt. Dann macht der junge Mann aus Schwindegg einen großen Schritt auf dem Weg zu seinem Traumberuf als Schauspieler.

Dabei hat es lange nach einer anderen Karriere ausgesehen. „Im Grunde ist alles ein großer Zufall. Und ein großes Glück“, sagt der 22-Jährige. Vielleicht das Glück, dass er nie als Schüler auf einer Bühne stand. Vielleicht das Glück, dass ihm das Studium im ersten Semester so gar keine Freude bereitet hat. Ganz sicher das Glück, dass er endlich gefunden hat, was ihm wirklich Spaß macht.

Zum ersten Mal mit dem Thema Schauspielerei in Berührung kam der Schwind egger erst vor vier Jahren als Fußballer des TSV Buchbach. „Für einen Werbespot suchte der Verein damals ein paar Freiwillige. 20-mal haben wir am nächsten Tag für den Sponsor die gleiche Szene gedreht. Und es hat mich kein Stück genervt. Im Gegenteil.“ Daniel hatte Blut geleckt – und gleichzeitig keine Lust mehr aufs Studium der Kunststofftechnik. Was die Sorgenfalten in den Gesichtern seiner Eltern eher größer werden ließ. „Meine Mutter hat sich inzwischen mit der Schauspielerei angefreundet. Mein Vater hätte sich sicher gewünscht, dass ich nach dem abgeschlossenen Studium in den heimischen Betrieb einsteige.“ Doch die Vorstellung täglich acht und mehr Stunden auf einem Bürostuhl verbringen zu müssen, trieb Daniel weg von der Kunststofftechnik. „Das wäre einfach nichts für mich.“

Kurzfristig bekam er im August 2013 einen Platz an der internationalen Schule für Schauspiel und Acting (ISSA) in München. Nach dreijähriger Ausbildung und dem Abschluss heißt es nun: Klinken putzen, Termine vereinbaren, Vorsprechen – und Absagen kassieren. „Um ehrlich zu sein: An Jobs zu kommen, habe ich mir einfacher vorgestellt.“ Auch weil ihm vieles im Leben bisher einfach in den Schoß gefallen ist. „Wenn dir dann bei den Castings knallhart die Meinung gesagt wird, dann muss man das erst einmal verdauen lernen.“

Die Konkurrenz ist groß: Im deutschsprachigen Raum gibt es etwa 20 staatliche Schauspielschulen, dazu kommen noch viele private Institute wie die ISSA, an denen viele junge Frauen und Männer ihr Glück suchen. Kein Wunder, dass sich Daniel Pfaffinger manchmal nur noch wundert: „Wenn ich zum Vorsprechen für eine Rolle gehe, dann warten dort 25 Jungs, die genauso aussehen wie ich.“ Sportlich, 190 Zentimeter groß, blond.

Dazu trägt Daniel jede Menge Tattoos, die die Jobsuche aber eher schwieriger als leichter machen. „Für Mittelalterfilme scheide ich mit den Tattoos natürlich aus. Aber manchmal habe ich auch das Gefühl, dass es ganz gut ist, sich von den anderen irgendwie abzuheben.“

Folglich fand er sich in seinen bisherigen Gastspielen bei TV-Produktionen fast immer in der Rolle des Bösewichts wieder. „Ich habe damit eigentlich kein Problem. Nur meine Freunde fragen immer wieder, ob das denn so sein muss.“

Seine Zukunft sieht Daniel Pfaffinger im Fernsehen, auch wenn jetzt erst einmal Theater angesagt ist. „Drei Monate und ein Tag“ ist eine Adaption des Romans „Suicide“ von Stefan Lange. In einer tagebuchartigen Rückblende erzählt der Autor die Geschichte einer leidenschaftlichen, zum Scheitern verurteilten Liebe. Es ist zugleich die Geschichte eines Mannes zwischen Manie und Depression in Sevilla in den 1990er-Jahren.

„Keine ganz leichte Kost, vor allem wenn man stundenlang immer wieder die gleichen depressiven Szenen probt“, sagt Daniel. Und dennoch: „Gefühle zu spielen, auch mal auszuflippen auf der Bühne, das habe ich mir schwieriger vorgestellt.“ Live zu erleben in vier Tagen, wenn „Drei Monate und ein Tag“ Premiere feiert. Mit Daniel Pfaffinger in der Hauptrolle.

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