Und die singende Gitarre

Stan Webb steht seit über 50 Jahren auf der Bühne. Dass er noch spielen kann wie ein Junger, hat der etablierte Bluesrocker im Haberkasten bewiesen. von Ahn
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Stan Webb steht seit über 50 Jahren auf der Bühne. Dass er noch spielen kann wie ein Junger, hat der etablierte Bluesrocker im Haberkasten bewiesen. von Ahn

Mühldorf. – Stan Webbs Chicken Shack ist im Haberkasten aufgetreten.

Rund 200 Besucher verfolgten den Bluesrock des 75-jährigen Bandleaders. Seinen Chicken Shack, den Hühnerstall, hat Stan Webb bereits 1965 gegründet. Wechselnde Besetzung und einige Pausen später stehen nun drei Gitarristen und ein Schlagzeuger auf der Bühne.

Mit den Worten „I hope, it‘s not to loud for you“ (Ich hoffe es ist nicht zu laut für Euch) begrüßt Webb mit tiefer Stimme sein Publikum. Auch seine Gitarre spielt er zunächst tief. Doch Webb singt hoch, erstaunlich hoch. Es ist eher ein Sprechgesang. Dafür bringt Webb seine Gitarre zum Singen. Mit einem Bottleneck – einem Flaschenhals – an der E-Gitarre entlockt der Musiker seinem Instrument erstaunliche bis zu kreischenden Lauten.

Der Konzertsaal ist teilbestuhlt, Barhocker und -tische sind großzügig verteilt: Webb und die Organisatoren im Haberkasten rechnen damit, dass getanzt wird. Immer wieder fordert Webb sein Publikum zum Tanzen auf. Nur zögernd folgen wenige. Dennoch sind die Zuhörer begeistert. Auf den Barhockern gehen die Zuschauer mit.

Die Musik ist schnell, rockig, der Blues tritt mit jedem Stück mehr in den Hintergrund – zeitloser Rock. Mit Applaus bei den Solo-Einlagen, Pfeifen und Jubel nach den Stücken belohnen die Gäste die englische Musikband. Der Aufforderung zum Klatschen und Mitsingen folgt das Publikum. Webb registriert es freudig, lacht und winkt ihnen zu. Jeder fühlt sich persönlich wahrgenommen.

Aber auch Webb tanzt nicht, wie es sich für einen Star doch so oft gehört. Still steht er meist, konzentriert sich auf seine Gitarre und seine Bandmitglieder.

Vertieft spielt er seine Soli. Und auch die Musik lässt zu, Gedanken einerseits schweifen zu lassen, den Alltag zu vergessen und andererseits ganz bei der Musik zu sein. Es ist interessant, wie sich bei äußerer Gelassenheit eine solch rockig-schnelle Musik spielen lässt. Ja, es war laut, aber niemand hat gesagt, dass das schlimm ist.

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