"Banken sind gefährlicher als stehende Armeen": Das Metropoltheater München brillierte bei den Wasserburger Theatertagen

Sicher sind nur die Bankgebühren

Die Banker Paul Kaiser (links) und Marc-Philipp Koschendörfer (Dritter von links) und der Anleger Philipp Moschitz (rechts) umgarnen den armen Sparer (Butz Buse, Zweiter von links). Foto flamm
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Die Banker Paul Kaiser (links) und Marc-Philipp Koschendörfer (Dritter von links) und der Anleger Philipp Moschitz (rechts) umgarnen den armen Sparer (Butz Buse, Zweiter von links). Foto flamm

Wenn man das Metropoltheater München einlädt, ist das immer eine sichere Bank - womit wir schon beim Thema wären: die Banken und die Finanzwelt. Darüber spielte dieses Theater bei den Wasserburger Theatertagen ein Theaterstück.

Und wenn eins sicher ist, dann das: Sicher sind bei den Banken nur die Gebühren - und die Tatsache, dass immer die Bank gewinnt. Samt den Boni der Banker.

In immer schneller werdendem Tempo und immer dichterer Intensität erzählten fünf Schauspieler (Butz Buse, Paul Kaiser, Marc-Philipp Koschendörfer, Philipp Moschitz und Hubert Schedlbauer) die Geschichte von der Schuld und den Schulden ("Im Anfang war die Schuld"), vom Wettbewerb und dem Interbankenhandel, den Unternehmensbeteiligungen ("Warum die Welt erobern - wenn man sie auch kaufen kann!"), der Erfindung der Aktien ("Banken handeln mit Unsicherheit!"), der Geldflut nach Erfindung der Gehaltskonten und den Ratenzahlungen ("Du musst raten, wieviel du am Ende zahlst..."), der Erfindung des Buchgeldes nach der Abkoppelung des Geldwertes vom Gold und bis zu den irrsinnigsten Finanz-Fantasieprodukten (Wetten auf den Tod von Menschen!).

Geschrieben hat das Geld-Stück namens "Schuld und Schein" Ulf Schmidt. In der Inszenierung durch Jochen Schölch gewinnt dieses Stück die satirische Schärfe und Bösheit der "heute- show" im ZDF samt einer brüllenden Hasstirade im Stil von Gernot Hassknecht, die kurz danach lief: die Heute-Show vor der "heute-show".

Konnte man noch Angst vor theatralischer Langeweile haben, als man zu Beginn die leere Bühne mit nur fünf Stühlen sah, verlor sich diese Angst bald, als man den hervorragenden Schauspielern zusah: Der immer wieder für dumm verkaufte Sparer (Butz Buse, der so treuherzig dreinschaute wie der Kabarettist Olaf Schubert) blieb bis zum Schluss das arme Würstchen, dem Banken und Staat das Geld aus der Tasche ziehen. Die Banker (Marc-Philipp Koschendörfer und vor allem Paul Kaiser mit fast angst-beeindruckender Präsenz) erfinden immer neue Möglichkeiten dazu, umgarnen den armen Sparer mit der Vorspiegelung von Vertrauen und Gewinnen und verdienen doch immer - an den Gebühren.

Hubert Schedlbauer als "Herr Kaiser" war der Staat im Gehrock, wechselweise als Kaiser mit Papierkrone oder Napoleonshut, später mit Hitler-Schnurrbart und am Ende mit Perücke und Merkel-Raute, der seinerseits am Finanzwesen verdient, und zwar durch die Erfindung der Inflation, die er als "Naturgesetz" verkündet.

Schauspielerisch am intensivsten war als Anleger, der die Banken für sich arbeiten lässt, Philipp Moschitz, der auch am besten sang und tanzte (ein Anwärter für den Schauspieler-Preis!). Denn natürlich garnierten die fünf ihre immer kurzen, aber didaktisch äußerst anschaulichen Szenen mit choreografisch ausgefeilten Money-Songs von ABBA, Pink Floyd, Cro, den Prinzen und natürlich aus dem Musical "Cabaret": "Money makes the world go round!" - Geld regiert die Welt. So sehr, dass sogar die Menschenrechte als Ergebnis der Banken dargestellt wurden, die die Allmacht des Monarchen brechen, damit sie weiter ungehindert mit den Finanzen tricksen können und noch reicher werden.

Natürlich wusste man das schon immer, aber was Ulf Schmidt hier in 14 Szenen konzentriert, amüsierte höchst - müsste aber eigentlich eine Revolution hervorrufen. "Banken sind gefährlicher als stehende Armeen", wurde der amerikanische Präsident Thomas Jefferson zitiert, genauso wie Henry Ford, der meinte, eigentlich sei es gut, dass die Menschen unser Bankensystem nicht verstünden, sonst "hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh."

Wir haben nun das Bankensystem verstanden - aber als Revolution brach nur ein Beifallstrampelsturm im ausverkauften Theater aus.

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