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Einmalig schön: Das Neujahrskonzert im Mühldorfer Stadtsaal mit Tibor Jonas und Herbert Hanko

Ein Salonorchester zum Verlieben

Der Chef und sein Orchester: Tibor Jonas (links) begeisterte mit seinem Salonorchester (rechts) die Zuhörer im Stadtsaal. Fotosha
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Der Chef und sein Orchester: Tibor Jonas (links) begeisterte mit seinem Salonorchester (rechts) die Zuhörer im Stadtsaal. Fotosha

Die Melodie war, ist und bleibt die Seele der Musik. Wenn ein Konzertprogramm aus vielen inspirierten Melodien besteht, dann sind Musiker wie Zuhörer gleichermaßen beseelt. So kam auch eine ganz besondere und innige Stimmung auf, als Tibor Jonas mit seinem exzellenten Salonorchester das festliche Neujahrskonzert im Mühldorfer Stadtsaal gestaltete. Mit dem gleichen Programm, mit dem das Ensemble am 1. Januar im Herkulessaal der Münchener Residenz zu Gast war - und stürmisch gefeiert wurde.

Kein langes Zögern, rasant ging es los mit der Polka "Unter Blitz und Donner" von Johann Strauß Sohn. Im Kontrast dazu erklang danach Franz Lehars eleganter Walzer "Gold und Silber", mit subtiler Dynamik ausgebreitet, im Wechsel von Schwung und zartem Pianissimo.

Herbert Hanko, prominenter Moderator des Abends, der zu den Persönlichkeiten zählte, die damals den einmaligen, unverfälschten Charakter von Bayern 4 Klassik prägten, stellte auf seine Art improvisierend einen Bezug zwischen dem Walzertitel und der üppigen, vorwiegend in Gold und Silber gehaltenen Karnevalsdekoration im Stadtsaal her.

Als nach dem berührend ausklingenden "Sterbenden Schwan" von Camille Saint-Saens das Publikum vor dem Applaus im fast andächtigen Schweigen verharrte, zeigte sich Herbert Hanko in seiner ihm eigenen Empfindsamkeit davon sehr beeindruckt und machte den Zuhörern darob ein herzliches Kompliment, so wie übrigens alle seine Kommentare und Ansagen mit Herzblut geschrieben erscheinen, wie auch zur Entstehungsgeschichte des heiteren Stücks "Im Krapfenwaldl" von Johann Strauß, dem feurig vorgetragenen Ungarischen Tanz Nr.1 von Johannes Brahms, der von Josef Vorbuchner gefühlvoll gespielten Violinromanze von Antonin Dvorak und dem derben Chineser-Galopp von Johann Strauß Vater.

Nach der Pause wurde mit aufschlussreichen Erläuterungen Julius Fuciks Florentiner Marsch angesagt, für viele Freunde gehobener Blasmusik ein Juwel dieser Gattung, mit dem schmetternden Trompetensolo zu Beginn, von Ludwig Wilhelm markant geblasen, ebenso wie das Trompetensignal zur Wachablösung aus der Oper "Carmen", als Pausenendzeichen anstatt des heiser gewordenen elektronischen Gongs.

Der im Orchester mitwirkende, exzellente Pianist Giorgio Hillebrand glänzte als Solist im wunderbar gespielten Liebestraum von Franz Liszt. Der Cellist Jakob Janeschitz brachte sein Instrument zum Singen in Dalilas Arie aus "Samson und Dalila" von Camille Saint-Saens.

Herbert Hanko wäre nicht Herbert Hanko, hätte er nicht eine geistreiche Anspielung auf die Bühnendekoration gemacht - einen massiven, zum Teil geschwungenen Balken, auf vier antiken Säulen ruhend. Bekanntlich hat ja der biblische Held Samson durch kraftvolles Auseinanderstemmen der tragenden Säulen den Palast seiner Todfeinde zum Einsturz gebracht.

Alle weiteren Programmpunkte gehörten der Komponistenfamilie Strauß: die Tritsch-Tratsch-Polka, das Charakterstück "Eljen a Magyar" und die Orpheus-Quadrille von Sohn Johann, der sentimentale Walzer "Aus der Ferne" von dessen Bruder Josef, und der abschließende Radetzky-Marsch vom Dynastie-Vater.

Dazu wurde rhythmisch geklatscht, und danach so lange und immer wieder, bis es insgesamt drei großzügige Zugaben gab. Zuerst den an melodiöser Süße kaum zu übertreffenden, zärtlich-kantablen Walzer "Komm mit mir ins Chambre separee" aus Richard Heubergers Operette "Der Opernball", dann Gades berühmten Tango "Jalousie" und schließlich die Fledermaus-Quadrille von Johann Strauß.

Von so vielen herrlichen Melodien berauscht, begaben sich die dankbaren Zuhörer auf den frostigen Heimweg. Wer nicht dabei war, hat wirklich etwas einmalig Schönes versäumt.

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