Von rockig bis tiefgehend

Séamus ó Flathartasteppt, bis er außer Atem ist, während seine Bandkollegen im Hintergrund miteinander ratschen. von ahn

Waldkraiburg – Wer glaubt, irische Musik sei nur etwas für Meditationskurse oder keltische Kriegsfilme irrt.

Die Gruppe High Time zeigte vor gut besuchtem kleinen Saal im Haus der Kultur in Waldkraiburg, wie vielseitig diese Musik ist. Die drei Männer spielten uralte Lieder sowie selbst Komponiertes. Rockig beginnt die Band, die bereits beim Irish Spring Festival im Frühjahr im Haus auftrat. Sänger und Gitarrist Ciarán Bolger tritt dominant zum Rhythmus auf und nimmt so vielen Stücken die oft übliche Melancholie.

Besonders der 20-jährige Séamus ó Flatharta beeindruckt mit seinen vielfältigen Fähigkeiten an Harfe, Trommel, Flöte und Gesang. Am Ende steppt der Ire bis der Schweiß läuft. Ein Stück für seine kranke Mutter hatte er mit 17 Jahren komponiert und das Publikum nun zu Tränen gerührt. Danach begibt sich der junge Ire in einen Wettstreit mit seinem Kollegen Michael Coult. Die beiden spielen Flöte. Eher improvisiert denn komponiert erinnert die Melodie an Vogelgezwitscher. Immer schneller folgen die Töne aufeinander.

A cappella folgt diesem Spektakel. Einen Sean-nós-Gesang stimmt die Band an: Eine traditionell irische Gesangsart, die in jeder Region Irlands etwas anders gesungen wird. Die Texte der Stücke sind gälisch und englisch.

Stets haben die Lieder eine Geschichte. Sie handeln von schlechten Omen für die Seeleute, Reisen nach Australien, die Sehnsucht nach der Heimat Connemara. Dort sind auch Bolger und ó Flatharta zuhause. Viel Applaus erhält das Lied über einen sterbenden Mann, der zuvor von seiner Frau vergiftet wurde. Scherze machen die Musiker über Coult, der zwar Ire ist, aber aus Manchester stammt – nach Aussagen seiner Kollegen dem östlichsten Teil Irlands.

Das Publikum haben die drei Männer rasch in ihren Bann gezogen. Unaufgefordert klatschen die Zuschauer im Takt. Charmant sind die Brocken deutsch, die die Jungs auf der Bühne und später im Foyer sprechen. Dort stellt sich heraus, dass sie mehr verstehen und sprechen, als sie auf der Bühne vorgeben.

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