Im Mühldorfer Rathaus sind die Pläne für die Gedenkstätte am Bunkergelände zu sehen

Der richtige Ansatz

Am Bunkerbogen ermöglicht ein Steg aus rostendem Stahl den Besuchern einen Überblick über das Ausmaß der Anlage. Auch sonst hält sich der Siegerentwurf des Architekturbüros Latz & Partner wohltuend zurück. Grafik Latz & Partner
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Am Bunkerbogen ermöglicht ein Steg aus rostendem Stahl den Besuchern einen Überblick über das Ausmaß der Anlage. Auch sonst hält sich der Siegerentwurf des Architekturbüros Latz & Partner wohltuend zurück. Grafik Latz & Partner

Ein wenig verloren stehen die Plakatständer im Mühldorfer Rathausfletz, etwas lieblos bestückt mit jeder Menge Pläne. Wer unvorbereitet kommt, zieht unwissend wieder ab. Eine grundlegende Erläuterung fehlt ebenso wie eine korrekte Beschriftung der Pläne. Nichts weist den Betrachter darauf hin, worum es hier geht.

Schade, denn im Grunde geht es um nicht weniger als einen historischen Moment. Endlich liegt ein konkreter Entwurf für die Gedenkstätte am Bunkergelände im Mühldorfer Hart vor; endlich wissen die Verantwortlichen, welche Grundstücke für eine Umsetzung gebraucht werden; endlich bekommt man eine Vorstellung davon, was sich vor Ort mit wie viel Geld umsetzen lässt.

Vorausgegangen war - auch das erfährt der Besucher leider nicht - ein Architektenwettbewerb: durchgeführt vom Bauamt Rosenheim, finanziert von der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten. Einstimmig sei die Entscheidung gefallen, betont Bauamtsleiter Eugen Bauer immer wieder - vor allem, weil der Siegerentwurf des Kranzberger Architekturbüros Latz & Partner am wenigsten stark in die Substanz des Ortes eingreife.

Wer einen Blick auf die Pläne der übrigen Bewerber wirft, kann die Begründung der Jury gut nachvollziehen. Große Würfe werden da teilweise angedacht - mit breiten, asphaltierten Wegen, großzügigen Plattformen oder Stegen, dazu jeder Menge Stahl. Vieles davon ist schon logistisch kaum umsetzbar, von der Finanzierung ganz zu schweigen.

Der Entwurf aus dem Hause Latz wirkt dagegen beruhigend zurückgenommen. Er wahrt die Würde des Ortes, zwingt ihm kein überbordendes Konzept auf, sondern beschränkt sich auf das Wesentliche. Die Wege zwischen den drei Gedenkorten - Waldlager VI, Massengräber und Bunkerbogen - werden mit Erinnerungssteinen vernetzt. An jedem Gedenkort sorgt ein schleusenartiger Informationsraum - bestehend aus zwei U-förmigen Betonscheiben ohne Dach - dafür, dass Besucher vor Ort erfahren, was sie wissen müssen. Er trennt zugleich Information und Gedenken. Die historischen Hintergründe und Details erfahren die Besucher dann - hoffentlich - in einer Dauerausstellung im Mühldorfer Haberkasten.

Den Gedenkorten selbst nähern sich Professor Peter Latz und seine Mitarbeiter auf unterschiedliche Weise. Am Bunkerbogen ermöglicht ein Steg aus rostendem Stahl den Besuchern einen Überblick über das Ausmaß der Anlage. Darüber hinaus ist ein zentraler Versammlungsplatz für rund 70 Personen vorgesehen.

Während hier der Bewuchs nur teilweise entfernt werden soll, wollen Latz & Co. das Waldlager weitgehend von Unkraut befreien, um es in seiner Grundkonstruktion wieder sichtbar zu machen.

Die größte Herausforderung an alle Teilnehmer des Architektenwettbewerbs war mit Sicherheit die Einbeziehung des Massengrabs in ein schlüssiges Konzept, weil es - so formuliert es Peter Latz - der "diffuseste und am schwersten abzugrenzende Ort" ist. Da die Dimension der Ereignisse an dieser Stelle nicht vermittelbar ist, versuchen es Latz & Co. erst gar nicht, sondern wählen einen anderen Weg. Sie planen eine Lichtung aus Baumstämmen, die stellvertretend für die Opfer stehen und in einer Höhe von 1,70 Meter abgeschnitten werden.

So gilt für jeden Gedenkort: Das eigentliche Verstehen erfolgt über die bewusste Wahrnehmung des Gesehenen. Ein guter Ansatz, gerade im Hinblick auf die junge Generation.

Die Pläne aus dem Architektenwettbewerb können noch bis Freitag, 8. Februar, zu den üblichen Öffnungszeiten des Mühldorfer Rathauses im Fletz im ersten Obergeschoss besichtigt werden.

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