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Klassikjazz oder doch Jazzklassik?

„Quartetto Tramonto“ spielt musikalische Grenzgänge im Zangberger Ahnensaal

Das Quartetto Tramonto besteht aus Klavierspieler Thomas Hartmann, Johanna Hartmann mit der Flöte, Michele Torresetti an Violine, Claus A. Freudenstein am Kontrabass.
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Das Quartetto Tramonto besteht aus Klavierspieler Thomas Hartmann, Johanna Hartmann mit der Flöte, Michele Torresetti an Violine, Claus A. Freudenstein am Kontrabass.

Die „Quartetto Tramoto“ traten im Ahnensaal des Klosters Zangberg auf. Sie unterhielten dabei das Publikum mit volksmusikalisch-klassichen Stücken, bei denen nicht ausfindig zu machen schien, welches Genres gerade an der Reihe ist.

Zangberg – Den Bogen vergessen? Kontrabassist Claus A. Freudenstein holt ihn und kehrt auf das nicht vorhandene Podium im Ahnensaal des Klosters Zangberg zurück zum Rest des gastierenden „Quartetto Tramonto“ mit Michele Torresetti an der Violine, Johanna Hartmann an der Flöte und ihrem Gatten Thomas Hartmann am Flügel.

Richtung Ungarn und Rumänien

George Bizets „l`Arlesienne-Suite“ schmeichelt sich mit echt französisch zarten Melos ein. Die Querflöte ist dabei laut und deutlich tonangebend. Schon wird Tempo aufgenommen, Richtung Ungarn und Rumänien. Es würde volksliedhaft, warnt Hartmann.

Bei „Béla Bartók“ hüpft die Flöte, und der italienische Geiger, Erster Violinist des Bayerischen Staatsorchesters, gibt schon jetzt einen Vorgeschmack auf das „Zigeunerische“, das musikalisch ja noch so genannt werden darf. Dieses „Musiksommer“-Gastspiel verströmt Nonchalance, lässt alle Steifheit sausen, macht auf freudig. Die Frage, wo bei den gebotenen Arrangements das Volksmusikalische aufhört und das Klassische beginnt, bleibt bis zum Ende. Antonin Dvorák wird als beredtes Beispiel angeführt. Auf das Feuer Bartóks folgt einer seiner wehmütigen Slawischen Tänze.

Freudenstein zeigt stolz seinen erfundenen Minibass

Dann schwenkt die „versteckte Kamera“ auf Bassist Freudenstein, der nach Honduras, das „arme Dritte-Welt-Land“, entführt.

Auf das Melodiöse folgen frei-rhythmische Passagen, wobei der Kontrabass mehr gezupft als gestrichen wird. Klavier, Flöte und Geige überlassen ihm nun das Feld. Freudenstein, Gründer des innovativen Quartetts „The Bassmonsters“, zeigt stolz-verhalten seinen erfundenen Minibass, den er wie ein Neugeborenes auf dem Schoß hätschelt. Die Echos wecken Bewunderung. Zangberg liegt jetzt in Honduras. Das kleine Ding gibt gelegentlich Töne von sich wie ein alter Knabe, den der Hafer juckt. Ob er bei Piazzolla aufwacht? Nein, er kriegt erst noch was ab von Leonard Bernsteins „Manga“ aus der „Westside Story“.

Melancholische Geigentöne füllen den Raum

Man darf in der Pause im blühenden Klostergarten lustwandeln, um dem Versuch, zu viert eine ganze Rockband abzubilden, gewachsen zu sein. „Waghalsige Sachen“ werden versprochen. Der Bass hat es dabei eiliger als der Pianist und spielt ganz vorne am Steg. Die chromatischen Läufe werden vom hell-lustigen Klavier im Zaum gehalten. Freudensteins „Arie“ spricht auch ohne Text an. Bei den melancholischen Geigentönen blickt man zur Decke hoch, die wegen Renovierung mit einem Netz verhangen ist. Die Geige nützt eine Pause für eine Smartphone-Aufnahme der gefühlt brasilianischen Töne der drei Partner. Weltschmerz, lass nach! Allein die Flöte der herrlich gut gelaunten Johanna Hartmann sticht dann wieder mal der Hafer.

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Den „ultimativen Rausschmeißer“, einen temperamentvollen „Czardas“, egal von wem und von welcher „Grenze“, nimmt das offensichtlich einhellig begeisterte Publikum nur widerwillig hin. Noch nach zwei vollen Stunden war die Lust auf Klassikjazz oder Jazzklassik nicht gestillt. Was können Musiker, die beides beherrschen, sich Besseres wünschen? BS

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