Nicht Bregenz, aber achtbares Niveau: „Rigoletto“ im Waldkraiburger Haus der Kultur

Rigoletto (Vladimir Dragos mit Mariana Bulicanu als Gilda) versucht, seine kleine heile Welt zu retten, indem auch er Rache schwört. Fischer

Zwar erwartete die Besucher im Haus der Kultur kein technisch perfektes Spektakel wie in diesem Sommer auf der Bregenzer Seebühne. Doch bot die Moldawische Nationaloper aus Chisinau ein zwar konventionelles, aber lebendiges Musiktheater, in dem den Besuchern ein wahrlich grausames Spiel bevorstand.

Waldkraiburg – Völlig zu Recht gehört diese Verdi-Oper seit über 160 Jahren zum Repertoire vieler Opernhäuser, denn das Werk bietet die Geschichte eines Menschen, der im Dienst der Mächtigen sein Gutmenschentum verleugnet und deshalb im persönlichsten Bereich hart dafür büßen muss.

Titelrolle überzeugend besetzt

Der missgebildete Hofnarr zeigt sich seinem Herrn, dem weibstollen, selbstherrlichen Herzog von Mantua gegenüber, als absolut unterwürfig und kennt nur Spott und Hohn für dessen „Opfer“, zu denen auch die Tochter des Grafen Monterone gehört, was Rigoletto dessen Fluch und eine Intrige der Höflinge einbringt: Sie entführen die Tochter des Narren, die der Herzog für dessen Geliebte hält, an seinen Hof.

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Als Rigoletto erfährt, dass auch seine Gilda des Herzogs Opfer wurde, schleicht sich der Tod zusehends in die Geschichte, denn der Narr findet in Sparafucile einen Profikiller für seinen geplanten Racheakt. Der Fluch Monterones und die Bürde des sich sorgenden Familienvaters lasten zu schwer auf ihm und treiben ihn Schritt für Schritt in Wahnsinn und Verbrechen. Seine Rachegelüste aber scheitern, da der Auftragsmörder die als Mann verkleidete Gilda ersticht, die für ihre Liebe zum Herzog sogar Selbstmord begehen wollte.

Ausbalanciertes Hörerlebnis

Voll in seiner Rolle ging Vladimir Dragos in der Titelpartie auf, der Clown mit der dunklen Kehrseite. Mit seinem Bassbariton verstand er es, die Bandbreite von inniger Tochterliebe zu Hass und Verzweiflung auch schauspielerisch überzeugend darzustellen: „Bella figlia dell`amore“. Ihm stand der selbstherrliche Herzog mit seinem klaren Tenor kaum nach, besonders in seinem zynischen Opern-Hit „La donna e mobile“. Im Kontrast dazu Boris Materinco als hünenhafter Monterone mit seinem machtvollen Bassbariton. Mariana Bulicanu wiederum verstand es als Gilda mit ihrem sicheren Sopran das Publikum zu gewinnen, besonders in der Arie „Gualtier Malde“ (Sein so geliebter Name), im Duett mit Rigoletto mit zunehmend schönen Koloraturen und vor allem im Quartett des dritten Aktes zusammen mit ihrem Vater, dem Herzog und Maddalena, der Schwester des Mörders.

Insgesamt präsentierten sich die Sänger, die darstellerisch wie stimmlich überzeugten, sowie der Chor der Höflinge und Hofdamen auf achtbarem Niveau. Dies lag sicher auch am Dirigenten Dimitru Carciumaru, der seine Musiker stets im Griff hatte. Besonders behutsam behandelte das Orchester die schwermütigen leisen, lyrischen Passagen und bot so ein gut ausbalanciertes Hörerlebnis.

Bedauern, dass es heuer keine Oper mehr im Programm gibt

Lang anhaltender Applaus des Publikums, das sich mehr solche Aufführungen zu wünschen schien, was der abschließende Kommentar einer Besucherin bestätigte: „Schade, dass im diesjährigen Programm keine Oper mehr zu finden ist.“ fis

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