OVB-Konzert-Kritik

Mühldorf: Roland Hefter rockt den Spirkl-Saal

Leger mit Gitarre, in blauem T-Shirt sowie in Jeans erfreute Roland Hefter beim Konzert in Mößling sein Publikum. Rath
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Leger mit Gitarre, in blauem T-Shirt sowie in Jeans erfreute Roland Hefter beim Konzert in Mößling sein Publikum. Rath

Roland Hefter war zurück. Drei Jahre nach seinem umjubelten Auftritt im Spirkl-Saal stand er in Mößling wieder auf der Bühne, begleitet vom „besten Saxofonisten der Welt“, Stephan Reiser. „So lang’s no geht“ heißt Hefters neues Programm, das während der Corona-Zeit entstanden ist. Es beinhaltet Lieder und ergänzende Geschichten, voller Lebensweisheiten. Dieses Programm wurde mit Liedern aus der 2018 erschienenen CD „Des werd schon no“ ergänzt.

Mühldorf –

Trotz der Corona-Maßnahmen war es immerhin knapp 100 Gästen möglich, wieder einmal einen unbeschwerten Abend zu erleben, sich mit Freunden zu treffen, zu essen und zu trinken. Für Hefter war es nach eigener Aussage während dieser Zeit schwierig, eine Halbe Bier zu genießen: Er vergaß anfangs, die Maske abzunehmen.

Als Sozialdemokrat in der Minderheit

„München, unser Stadt“ bildete den Auftakt, ein Lied, das viele Münchner nicht verstehen, da, so Hefter, „von 1,6 Millionen nur 15 Prozent Bairisch verstehen“. Auch im Münchner Stadtrat, der 80 Mitglieder zählt, sitzt Hefter jetzt für die SPD. Dort sprechen nur drei Menschen so wie er.

Hefter ist bekennender Fan des TSV 1860 München — „Einmal Löwe, immer Löwe“. Er hat aber auch auf der Geburtstagsfeier von Thomas Müller – „Ein Supertyp“ – gespielt. Jetzt könne er sich gar nicht mehr freuen, wenn der FC Bayern verliert, was ja sowieso eher selten der Fall ist.

Der Titelsong der CD und des Programms „So lang’s no geht“ beschäftigt sich mit den Tücken des Lebens, während Hefter in einer Geschichte zu „Man muss ned alles wissen“ verrät, wie lange glückliche Jahre mit seinem Partner oder seiner Partnerin verlebt werden können. Diese Antwort gab ihm eine Frau, auf deren Feier zum 60. Hochzeitstag er gespielt hatte. Je mehr man wisse, so Hefter, desto mehr Probleme habe man.

„Des werd schon no“ eröffnete den zweiten Teil des Abends. Man könne diese CD auch kaufen, doch leider habe er sie vergessen, das Alter halt.

Apropos Alter – sein 88-jähriger Vater habe sich ein neues Auto gekauft, eines mit Automatik. Auf die Frage, wie es ihm damit ergehe, antwortete der alte Herr: „Super, die nächsten Autos werden nur mit Automatik sein.“ Roland Hefter selbst weiß jetzt auch, dass „Prostagutt forte“ nichts mit Musik zu tun hat und „Granufink“ kein Vogel ist.

„Des bist in deiner Welt“ erzählt von Menschen, die in ihrer eigenen Welt leben, in der kein Platz für andere, schwächere Mitmenschen ist. Der Privatpatient in der Notaufnahme ist solch ein Exemplar, der glaubt, nur weil er reicher ist, müsse sein Wehwehchen einem wirklichen Notfall vorgezogen werden. „Schlimmer geht’s immer“ müsse jeder zur Maxime seines Lebens machen, wenn man im Stau steht, im Urlaub schlechtes Wetter hat oder man pleite ist – es kann immer noch etwas Schlimmeres daher.

Gute-Nacht-Lied im Sinatra-Stil

„Die Zeiten san vorbei“ blickt zurück in die Jugend des Musikers, wo er eine Lehre als Grafiker absolvierte und im Monat 320 Mark verdiente. Der kaputte Anlasser seines Autos hätte 60 Mark gekostet, die er nicht hatte, sodass Hefter ein halbes Jahr seinen Wagen anschieben und dann hineinspringen musste.

Viel zu schnell näherte sich der Abend seinem Ende, die erste Zugabe „I tats macha“ fordert auf, sich seine Träume zu erfüllen, sonst würde man das später bereuen: Sei es der Fallschirmsprung oder der Tauchkurs in der Karibik. Oder man wollte immer schon einmal mit einer Harley Davidson auf dem Highway Number One cruisen.

Mit einem von Frank Sinatra entliehenen Gute-Nacht-Lied – „I did it my way“ – endete ein beschwingter Abend, an dem man sich in die Zeiten vor Corona zurückerinnert fühlte. hra

Stephan Reiser begleitete Roland Hefter auf dem Saxofon.

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