„Mühldorf, beweg‘ deinen Arsch!“ wünscht sich Pam Pam Ida

Charismatisch, sympathisch, einfach gut:Andreas Eckert lässt im diffusen Kellerlampenlicht irgendwann sogar die Hüllen fallen. In Unterhemd und mit Schnurrbart sieht eigentlich nur Freddy Mercury besser aus. Enzinger

Im Saal ging es ebenso dicht gedrängt zu wie auf der Bühne. Hier ein Sammelsurium an Instrumenten neben Werkstattlampen, dort ein feierfreudiges Publikum, das den ersten Auftritt im Haberkasten der angesagten bayerischen Popband „Pam Pam Ida“ erleben wollte.

Mühldorf – Der Sound der Band rauscht immer gekonnt am 80er-Jahre Pop vorbei, überrascht und verbindet, was eigentlich nicht zusammenpasst. Sie schaffen spielend den Spagat vom Rehragout zum extravaganten Popsound. Das Ergebnis ist alles andere als beliebig und am Ende eben weit mehr als 80er-Retro.

Viele Musikstile als Einfluss

Bombastischer Synthesizer-Sound mischen sich mit dröhnenden Bässen und hip- hop-ähnlichen Beats, dazwischen ein schmeichelndes Saxofon. Harte Gitarrenklänge treffen mit unschuldigen Blockflötenspiel zusammen. Auch Bläser sind von der Partie: Euphonium, Posaune, Trompete. Und obendrein klassische Klavierakkorde.

Oberbayerischer Freddie Mercury

Der Reiz des Auftrittes liegt aber ganz klar in der Person von Andreas Eckert – ein begnadeter Unterhalter, Mittelpunkt der Show. Und das liegt nicht allein an seiner ausgereiften Popstimme, die vom Falsett bis runter zum Bass sicher mit den Höhen spielt. Seine Performance zieht einen in den Bann. Ein Typ, bei dem man einfach hinschauen muss. Er posiert wie ein Star, singt wie ein Star, sein Auftritt schreit geradezu nach großer Bühne. Der Nebel, in dem der Haberkasten versank, war einfach nur stimmig. Und als hätten Lichtdesigner vor lauter Digitalisierung und Videoinstallationen das Einfachste schlicht vergessen, leuchten bei Pam Pam Ida Werkstattlampen und Glühbirnen. Das Ergebnis ist witzig und verblüffend aufsehenerregend.+++

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Zwischen all den Aufbauten bleib gerade noch ein bisschen Platz für den tanzfreudigen Andreas Eckert, der zudem Klavier, Horn, Flöte und Gitarre beherrscht. Und zwischen den Instrumenten lässt Eckert seinem Spieltrieb freien Lauf, macht den Gockl, mit dessen gleichnamigen Video der steile Aufstieg der Band begann. Ob er die Hüften schwingt oder „Mühldorf, bewegt deinen Arsch“ schreit, immer ist es so sehenswert, dass Besucher ihre Handys zücken, um den vor Energie brodelnden und charismatischen Eckert zu filmen.

Geschichten voller Humor

Und dann ist da noch der ganz eigene Humor der Band: Etwa die Geschichte über den Instrumentenbauer, der nach Vollendung des Horns stirbt. Über den Kater Tom, der vom Rasenmäher der Nachbarin geköpft wird, oder die Prediger-Parodie über den Konsumrausch „Kaff den Scheiß“. Das Gebet endet statt „Amen“ mit „Amazon“.

Geschichten von der Familie

Dass Eckert bayerisch singt, ist fast nebensächlich. So redet man nun einmal in Sandersdorf, einem 700 Seelen-Dorf im Landkreis Eichstätt, aus dem die Band stammt. Den Charme der Heimat versprüht er, wenn er über seine Eltern erzählt, die wieder bei ihm eingezogen sind oder von seinem Opa, der ihm die Winterreifen wechselt. Ein Entertainer durch und durch, der treffsicher weiß, wie man eine gute Geschichte aufzieht, ob als Lied oder Anekdote.

Neben Schlagzeuger und Animateur Julian Menz standen auf der Bühne Daniel Randlkofer an der Gitarre, Thomas Thumann an diversen Schlaginstrumenten und Christian Winkler am Keyboard und Horn.

Bassist Jürgen Neumeier fiel krankheitsbedingt leider aus, konnte aber kurzfristig von Stefan Pfeiffer gebührend ersetzt werden.

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