Mühldorf: Am Dienstag wäre der Künstler Hans Prähofer 100 Jahre alt geworden

Das große Glasfenster der Aussegnungshalle auf dem Mühldorfer Nordfriedhof. Wie viele Bilder Prähofers ist es ein lebendiges Zeichen gegen den Tod.
+
Das große Glasfenster der Aussegnungshalle auf dem Mühldorfer Nordfriedhof. Wie viele Bilder Prähofers ist es ein lebendiges Zeichen gegen den Tod.

Seine Bilder hängen in vielen Häusern Mühldorfs, sind im öffentlichen Raum präsent, seine Bücher aus der Kriegs- und Nachkriegszeit haben die Sicht vieler auf diese Jahre mitgeprägt.

Mühldorf – Es scheint wie ein Widerspruch, dass der beliebteste Heimatmaler ein moderner Künstler ist. Noch dazu einer, der seiner Heimat früh den Rücken kehrte – aus künstlerischen Gründen: „Weil ich in Mühldorf nicht überleben konnte“, hat er im Porträt zu seinem 80. Geburtstag im Mühldorfer Anzeiger gesagt. Doch mit jedem Jahr fern von Mühldorf wurde er mehr und mehr zum Künstler der Mühldorfer.

Gerade Linien und leuchtende Farben

Dabei schenkte er ihnen einen anderen Landkreis, als sie ihn kannten und in dem sie doch ihre Heimat wiederfanden: einen Landkreis der geraden Linien, der leuchtenden Farben, der Dörfer und Landschaften, der Menschen, die oft nur skizziert den Häusern und Kirchen und Hügeln Leben einhauchen. Die Bilder zwischen Impressionismus und Expressionismus sind dem bodenständig Konkreten verhaftet und suchen doch immer die Nähe zur Abstraktion.

Der Heimatmaler Prähofer malt keine pastellene, sentimental gefärbte Erinnerung oder verklärende Perspektive. Seine Bilder sind nah an der Realität, plakativ und lassen doch eine neue Wirklichkeit durchscheinen. Prähofer schafft keine Postkartenidylle, sondern erzählt Geschichten. Dabei machen vor allem seine zahlreichen Totenschädel oder Skelettbilder machen vor allem anderen deutlich, was in Prähofer-bildern verborgen ist, was seine künstlerische Leistung ausmacht.

Da ist das absurde Hinterglasbild „Die fröhliche Ruhpoldingerin“ (1991), auf deren grinsendem Totenschädel ein blumenverzierter Hut thront; da ist „Susanna im Bade“ (1995), hinter der im hohen Schilf des Sees der Tod wartet, die Sanduhr in der Hand. Da ist der „Tod und die Sonne“ (1995), ein Skelett, das statt der Sanduhr einen Stab trägt, den eine Sonne krönt. Das sind Bilder, als reflektiere Prähofer in ihnen vor allem eine Erfahrung: Mitten im Leben ist der Tod so nah, das Leiden, die Metzgerlehre des jungen Künstlers, das Verschüttet werden am Josefitag, dem 19. März des Jahres 1945, der Unfalltod des Sohnes Bernhard. Prähofer kennt die Abgründe des Lebens. Er weiß, dass neben dem Leben der Tod lauert.

Doch im Angesichts des Todes wachsen aus Totenschädeln Blumen, geht sie auf, Prähofers hellstrahlende Sonne, dieses unverwüstliche Symbol des Lebens. Diese Botschaft hat Prähofer hinterlassen: Die Kraft des Lebens ist größer als die Macht des Todes. An wenigen Orten wird das deutlicher als in der Kapelle auf Mühldorfs Nordfriedhof, deren mehrere Meter hohes Glasfenster sich über dem Aufgebahrten erhebt und die Wirklichkeit des Gestorbenen mit der Hoffnung, mit der Gewissheit des Lebens kontrastiert.

Es gibt viele weiter Zeugnisse seiner Arbeit mit öffentlichen Raum. Er gestaltet mit Keramikarbeiten das Treppenhaus im Landratsamt, ein Glasfenster in der Bücherei des Ruperti-Gymnasiums und großflächige Wandmalereien in den Treppenhäusern der beiden Berufsschulen.

Mündung in der Sonne

Nicht zu vergessen der 1995 gemalte Lebensbaum im Treppenhaus des Krankenhauses. Auf vier Stockwerke hoch rankt sich das 17 Meter hohe Wandbild in Acryl-Spachteltechnik. Darin finden sich verschiedene Tiermotive wie Vögel, eine Eule, ein Huhn oder eine Mühldorfer Stadtansicht. Das Bild mündet in einem Sonnenplafond, in einer hellstrahlenden Sonne, der Prähofer Sonne.

Oder eben die beeindruckteste Arbeit Prähofers im öffentlichen Raum das 102 Quadratmeter große Glasfenster in der Aussegnungshalle am Friedhof in Mühldorf Nord. 1480 mundgeblasene farbige Gläsern, die in Bleiruten gefasst sind, zeigen den Auferstandenen.

Wenn das einfallende Licht die Farben explosionsartig zum Leuchten bringt und der Raum von wohltuenden Wärme erfasst wird, wird die christliche Botschaft „Gott hat den Tod besiegt, er hat keine Macht mehr über den Menschen. Der Auferweckte lässt die irdische Welt hinter sich“ deutlich erfahrbar. Hier wird ein Ort der Trauer, ein Ort des Trostes.

Hans Prähofer starb am 6. November 2005 im Alter von 85 Jahren in München. Heute wäre er 100 Jahre alt geworden.

Kommentare