„Mixtura Cantorum“ zieht alle Register

Grandioser OrganistTobias Kerscher. fischer
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Grandioser OrganistTobias Kerscher. fischer

Waldkraiburg – Mit einem breit gefächerten Querschnitt durch fünf Jahrhunderte Musikgeschichte begeisterte der Chor „Mixtura Cantorum“ des Fränkischen Sängerbundes das Publikum in Waldkraiburgs Martin- Luther- Kirche.

Die 45 Sängerinnen und Sänger aus verschiedenen Regionen Süddeutschlands, einige auch aus Andreas Miekes „Ensemble Vocabile“, stimmten mit R. Giovanellis „Suavissime Jesu“ auf den Anlass ein: „Gütiger Jesus, du kannst mich in der ewigen Herrlichkeit glücklich machen“ und bewiesen mit J.H. Scheins „Was betrübst du dich, meine Seele“ sensibles Einfühlungsvermögen.

Eine erste Kostprobe seines Könnens zeigte anschließend Tobias Kerscher, promovierter Physiker und seit seiner Kindheit eng mit der Orgel verbunden, mit einem Stück aus den LX Schlagarien von J.V. Rathgeber. Dessen Inhalt „Leben ist eine dankbare Musik, welche Tag und Nacht das Lob des Allerhöchsten singt“ bewies er in überzeugender Manier.

Großartige Achtstimmigkeit und Beweglichkeit ließ der Chor mit F.M. Bartholdys „Was betrübst du dich, meine Seele“ bei interessanten Stimmkombinationen aufklingen, besonders in der Passage „Sende dein Licht“ Mit H. Koesslers „Wanderers Nachtlied“ beantworteten die Sänger im Kanon zwischen Männern und Frauen die Frage nach dem Sinn des Lebens, die im Pianissimo verstummte.

Es folgte der schlichte, sehr harmonische Chorsatz M. Regers „Wir glauben an einen Gott“ und leitete über zu Tobias Kerschers Orgelspiel mit L. Lefebury-Welys „Bolero de Concert“, der unwillkürlich zum Mitwippen einlud. Anschließend mit Bestimmtheit vom Chor vorgetragen A. Beckers Unisono-Aufschrei gegen die Feinde Davids: „Zerstöre sie durch deine Treue, schaffe mir Recht durch deine Gewalt!“

Bewusst gesetzter Kontrapunkt danach das vierstimmige „Schlaf, mein holdestes Herzenskind, ein zartes, inniges Wiegenlied voll Wärme und Sanftheit und E.C. Bairstows „Ich sitze unter dem Schatten, den ich begehre“.

Selbst danach war es für Chorleiter Karl Heinz Malzer, für seine umfassende musikalische Tätigkeit vielfach ausgezeichnet, ein Leichtes, mit Bestimmtheit und großem Einfühlungsvermögen die Sängerinnen und Sänger zu den nächsten Stücken zu führen. Darunter eine Besonderheit mit K. Nystedts Fassung von J.S. Bachs „Komm, süßer Tod“: Tief beeindruckend, wie der Chor, im gesamten Kirchenraum verteilt, die Sehnsucht im Stück übermittelte und allmählich verklingen ließ. Obwohl es zum Standard- Repertoire der Chöre weltweit gehört, vermochte „Mixtura Cantorum“ auch dem „Alleluja“ von R. Manuel, 1995 nach einem Bombenanschlag in Oklahoma mit 168 Opfern entstanden, seine eigene Note zu geben.

Dies gilt ebenso für das achtstimmige „There is no rose“ des 34-jährigen Colin Britt: „Folgen wir des Heilands Stern!“ Nach nicht enden wollendem Applaus die sehr zutreffende Zugabe: „Du lässt den Tag, o Gott, nun enden und breitest Dunkel übers Land.“

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