Besonders mit der Sinfonie "The Lord Of The Rings" beweist der Musiker-Nachwuchs sein großes Können

Magische Momente

Sebastian Kölbl als Solist in "Concerto Tricolore".
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Sebastian Kölbl als Solist in "Concerto Tricolore".

Es ist unglaublich, wie es dem ausgewählten Musikernachwuchs der Region und seiner routinierten Leiterin, Bezirksdirigentin Regina Gaigl, gelingt, sich immer wieder aufs Neue zu übertreffen. In nur wenigen Probentagen erarbeitete das Bezirksjugendblasorchester Inn-Salzach (BJBO) ein Programm mit hohem Schwierigkeitsgrad und schenkte damit bereits zum fünften Mal seinem begeisterten Publikum ein einmaliges Klangerlebnis sinfonischer Blasmusik, welches zugleich dem Dachverband, dem Musikbund von Ober- und Niederbayern (MON), der heuer sein 60-jähriges Bestehen feiert, zur besonderen Ehre gereichte.

Nicht nur das Doppeljubiläum und die ausverkaufte Einfachturnhalle in Ampfing, sondern vor allem auch die monumentale Konzertliteratur sowie die hohe musikalische Präsenz des Orchesters und der Solisten ließen das Neujahrskonzert zu einem einzigartigen Zeugnis musikalischer Höchstleistungen werden.

Im Zentrum stand Johan de Meij's Sinfonie Nr. 1 "The Lord Of The Rings" - eine große Herausforderung für jedes sinfonische Blasorchester, die von den 60 jungen Musikern des BJBO mit bravourösem Einsatz und orchestraler Transparenz bewältigt wurde.

Der Niederländer Johan de Meij, selbst hervorragender Posaunist, schrieb seine große Sinfonie bereits in den 1980er-Jahren. Nicht zu verwechseln mit der erst später entstandenen Filmmusik, basiert das 40-minütige Werk auf der gleichnamigen Trilogie von J.R.R. Tolkien und beschreibt in fünf eigenständigen Sätzen wichtige Figuren oder wesentliche Episoden des Romans. Da entstehen wahrhaft magische Momente - zum Beispiel bei der musikalischen Darstellung des erhabenen Gandalf oder der exotischen Vögel im romantischen Elfenwald, herrlich interpretiert von den Holzbläsern, insbesondere von den beiden Soloklarinetten (Josef Zeiler, Bettina Huber) und der Es-Klarinette (Alexander Steinbach).

Zischend und winselnd präsentierte das Sopran-Saxofon (Matthias Gäßl) im dritten Satz den zwiespältigen Gollum. Düster und unheimlich schildert die Musik die Wanderung der Gefährten durch die Dunkelheit der Minen von Moria, um im Schlusssatz schließlich friedvoll und optimistisch, das freundliche Wesen der Hobbits charakterisierend, in eine strahlende Hymne zu münden.

Bilder auf der Leinwand untermalten die Musik visuell, zusätzlich bestärkten die Textbeiträge von Severin Onderka zwischen den Abschnitten die Fantasie der beeindruckten Zuschauer.

Mit "Flashing Winds" ("Strahlende Bläser") von Jan van der Roost startete man effektvoll in den zweiten Teil des Konzerts. Das kurze, zündende Stück zeigte dem Publikum das ganze Klangvolumen des Orchesters und überzeugte mit variantenreichen rhythmischen Elementen und einem lyrischen Mittelteil im 5/4-Takt.

Einen weiteren Höhepunkt setzten die Bläser dann im folgenden dreisätzigen Trompetenkonzert, dem "Concerto Tricolore" des österreichischen Komponisten Thomas Doss. Die unterhaltsame Komposition mit einer Bandbreite vielfältigster Bläser-Klangwelt, von lebhaft und brillant bis wehmütig im Solopart über romantisch bis kraftvoll in den Begleitregistern, verlangte den Interpreten musikalisch wie technisch alles ab.

Mit höchster Virtuosität und einfühlsamem Spiel glänzte dabei der erst 16-jährige Solist Sebastian Kölbl an der Trompete ebenso wie am Flügelhorn und zog mit seinem ganzen Können die Zuhörer souverän in seinen Bann.

Riesenapplaus gab es dafür schon vor dem offiziellen Finale, das mit dem Thema aus "Mission Impossible", arrangiert von Toshio Mashima, die Stimmung noch einmal zu steigern vermochte. Ein Sonderlob für das Saxofonsolo von Matthias Gäßl und das Trompetensolo von Josef Hanslmaier.

Nach gebührendem Applaus und Dankesworten der Vorstandschaft des MON an die Musiker, an die Bezirksdirigentin Regina Gaigl, an die diesjährige Organisatorin des Projekts, Franziska Stimmer, und an die vielen Helfer durfte das Orchester die Bühne natürlich nicht ohne Zugaben verlassen. Kurzerhand verwandelte sich das BJBO unter der Federführung von Franziska Stimmer in einen gemischten Chor und verabschiedete sich zum einen singend mit Billy Joels "The Longest Time" und zum Abschluss ganz bodenständig mit dem "Radetzky-Marsch" von seinem begeisterten Publikum.

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