Love and Peace

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Mühldorf. – Leises Vogelgezwitscher ist zu hören, auf der Bühne stehen ein Eisengerüst und die Instrumente der Band, die Mikrofone sind mit Blumen geschmückt.

Ein leicht süßlicher Geruch wabert durch die Luft und versetzt die Zuschauer 50 Jahre zurück, auf das Woodstock-Festivalgelände, in das Amerika des Jahres 1969. 450 000 Besucher wie damals sind es im Stadtsaal an diesem Abend natürlich nicht, aber der Saal ist nahezu ausverkauft.

Einige der Besucher haben tief in ihre Kleiderkiste gegriffen um sich in die Hippie-Ära, die mit dem legendären Musikfestival ihren Höhepunkt fand, zurückzuversetzen.

„Heute Abend“, verkündet Laurens ten Den, Regisseur des holländischen Musikspektakels, der auf der Bühne sowohl die Rolle des Moderators als auch die des Lichttechnikers verkörpert, „packen wir drei Tage Musikgeschichte in drei Stunden!“ Er verteilt Decken und Regenumhänge, wirft Brötchen ins Publikum, um die Zuschauer in Festival-Laune zu versetzen. Und auch wenn nicht jeder Witz zündet, die Yoga- und Entspannungsübungen, mit denen das Publikum in die gechillte Atmosphäre von Woodstock versetzt werden soll, teils etwas lang ausfallen: Die Musiker rund um den holländischen Sänger Martin van der Starre, der bereits in „Jesus Christ Superstar“ und „We Will Rock You“ auftrat, und die großartige sechsköpfige Live-Band überzeugen zu jedem Moment.

Bereits beim zweiten Song, „Feelin´ Alright“ von Joe Cocker, ist der Funke auf das Publikum übergesprungen, bei den ruhigen Tönen von „Blackbird“ von Crosby, Stills & Nash spürt man förmlich, wie sich die Nacht über das Festivalgelände senkt, und bei Tim Hardins „Simple song of freedom“ singt der ganze Saal mit. Für Gänsehautfeeling sorgt auch Joan Baezs „Shall we over come“, überzeugend vorgetragen von Muriel te Loo, der Janis Joplin der Niederlande. Dass sie diesen Vergleich nicht zu scheuen braucht, bewies sie eindrucksvoll bei dem Song „Piece of My Heart“.

Mit einem Gitarrensolo von Santana, das übergangslos in den Kracher „Put a spell on you“ von Creedance Clearwater Revival mündet und bei dem Vokalist und Gitarrist Thomas Meeuwis seine ganze musikalische Klasse beweist, wird es dann wieder rockig. Auch als Roger Daltrey, Sänger der Rockband The Who, verlangt sich Meeuwis alles ab und wirbelt in weißer Fransenweste über die Bühne.

Dabei ist es der Anspruch der Show, nicht nur die Hits damaliger Rock-Größen wiederzubeleben, sondern auch den zeitgeschichtlichen Kontext des Festivals zu zeigen. Über eine große Leinwand flimmern nicht nur Livebilder der Musikstars und der Festivalbesucher, sondern auch solche aus dem Vietnamkrieg und von Martin Luther King.

Eindringlich bringt Laurens ten Den den Geist von Woodstock auf einen Nenner: Auf 2,4 Quadratkilometer feierte knapp eine halbe Million Menschen trotz widriger Umstände ein großes friedliches Miteinander. Und gemeinsam gefeiert wird auch im Stadtsaal: Zu den Klängen von „Rollin on the River“ von Creedance Clearwater Revival tanzen die Darsteller und die Besucher zusammen auf der Bühne und davor und werden schließlich mit dem Hit von Joe Cocker „With a Little Help from My Friends“, authentisch gesungen von Martin van der Starre, und mit dem Gefühl von Love, Peace and Harmony nach Hause entlassen.

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