Letzte Lacher vor dem Virus

Die Schweizerin Lisa Catena klärte auf: „Der 30-jährige Krieg ist nicht das Fest nach der Silberhochzeit.“

Mühldorf. – Die Stadt hat alle Kulturveranstaltungen bis 19.

April abgesagt. Wer Glück und Karten hatte, durfte im ausverkauften Haberkasten bei Altingers Brettlboden noch mal kräftig lachen, bevor das Virus die Herrschaft über den Witz übernahm.

Natürlich frotzelte auch Gastgeber Altinger über das Virus und eröffnete, dass er gerade auf Tour in China und der Lombardei gewesen sei und falls jemand noch Klopapier bräuchte, hätte er den ganzen Keller voll und würde das auch günstig abgeben. Schön, dass Lachen noch ansteckender sein kann als das Virus.

Mit Blick auf seine Gäste war es ein grenzüberschreitender Abend: Den Auftakt machte der türkische Kabarettist Serhat Dogan. Ganz im Gegenteil zum quirligen Moderator Altinger stand Dogan einfach so da und schaute ins Publikum: „Enttäuscht?“. Trocken, ohne jede Hektik und einem Gespür für Pausen las er aus seinem Tagebuch vor, in dem er seine ersten Eindrücke von Deutschland aufgeschrieben hatte. Verpackt in kurzen, abgehackten Sätzen, schafft er aus völlig trivialen Anmerkungen eine ganz eigene Komik, bei der die Pointe erst im Nachgang im Kopf des Zuhörers entsteht. „Der Himmel ist grau“ war einer der häufigsten Sätze, die immer wieder fielen. Im Hofbräuhaus bestellt er Bier, bekommt aber ein „Aquarium“.

Besuch endet in Ausnüchterungszelle

Sein Besuch in München endete in einer Ausnüchterungszelle: Wenn du in der Türkei besoffen bist, wirft man dich ins Meer. Hier bekommst du ein Hotelzimmer gratis“, kommentiert er. Überhaupt griff er gerne auf Vergleiche zurück: „In der Türkei geht man raus, wenn man in die Sonne will, in Deutschland geht man rein – ins Sonnenstudio.“

Auch das deutsche Liedgut war für ihn willkommenes Futter: „Du, du hast, du hast mich, du hast mich gefragt – und ich hab nichts gesagt.“ Mit Rammstein entdecken wohl nur wenige Türken den deutschen Satzbau. Die meisten Lacher bekam der Kabarettist für seine Darstellung eines typischen, türkischen Diskobesuchers.

Kontrastreicher hätte der zweite Gast gar nicht sein können: Lisa Catena aus der Schweiz. Frauenthemen? Fehlanzeige. Sie stellte Auszüge aus ihrem aktuellen Programm „Der Panda Code“ vor. Der Name bezieht sich auf ein Foto in einer italienischen Zeitung: In Ermangelung von Pandabären haben Reporter Hunde verkleidet und als Panda ausgegeben.

So wetterte sie über den Niedergang des Qualitätsjournalismus, überhaupt über jeglichen Missbrauch von Fakten. „Wie kann es zum Beispiel sein, dass es mehr Eltern von hochbegabten Kindern gibt als hochbegabte Kinder?“

Mit ihren zum Teil schwarzhumorigen und bitterbösen Ausführungen über das pragmatische Verhältnis der Schweizer zum Tod will sie nicht unbedingt lustig sein. Kostprobe? Die Sterbehilfe ist ein wichtiger wirtschaftlicher Tourismuszweig, frei nach dem Motto „Asche zu Asche“.

Top-Schlager auf Kreuzfahrtschiffen

Ganz anders wirkte der dritte Gast des Abends mit seinen Auszügen aus seinem Programm „Der Gitarrenflüsterer“. Helmut Sanftenschneider aus dem Ruhrgebiet präsentierte die sechs Top-Schlager auf Kreuzfahrtschiffen. Dabei covert er Gassenhauer, unterlegt sie mit klamaukigen Texten, die etwa die Treffsicherheit der Kreuzfahrttouristen bei Spucktüten ausschmückte. Comedy für Schunkelfreudige. Altmeister Michael Altinger lief zur Hochform auf, etwa bei seinen Überlegungen, was wohl passieren würde, wenn Putzen so trendig werden würde wie das Kochen. So endete ein kontrastreicher, grenzüberschreitender Brettlboden.

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