Vier Kabarettisten sorgten im ausverkauften Mühldorfer Haberkasten für Hochstimmung

Die Leber baumeln lassen

Vier Kabarettisten, ein Abend: "Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie" (oben), Mike Supancic (unten links) und Philipp Weber (rechts). Foto kv
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Vier Kabarettisten, ein Abend: "Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie" (oben), Mike Supancic (unten links) und Philipp Weber (rechts). Foto kv

Volles Haus bei den "radioSpitzen" im Haberkasten, gleich zwei Radiosendungen sollen aus diesem Kabarettabend entstehen. Für die Zuschauer bedeutete das ein dreistündiges, aber dennoch kurzweiliges Programm.

Denn die vier Künstler hätten abwechslungsreicher kaum sein können.

Das Motto der Radiosendung "Spitzen, die sitzen" nahm der unterfränkische Kabarettist Philipp Weber wörtlich. Weber ist ein Wirbelwind, bei dem es Schlag auf Schlag geht, eine Pointe jagt die nächste. Seine Themen findet er im Alltäglichen: Vom Alkoholkonsum bis zum Mineralwasser. Das Innwasser würde er unter der Marke "Mühldorfer natürtrüb" zum Exportschlager machen - am besten auf den Fidschi Inseln. Anders herum funktioniere es schließlich auch. Beim Rundgang durch die Supermärkte in Passau entdeckte er im Regal "lebendiges Mineralwasser" von den Fidschi-Inseln, "nur" 26 Euro die Flasche. Ein gefundenes Fressen für Weber: "Die saufen alle zwei Jahre ab und holen sich dann noch Wasser von den Fidschi Inseln." Abgesehen davon habe sich früher für lebendiges Wasser nur das Gesundheitsamt interessiert.

Webers Humor ist originell, schnell, intelligent. Ihm zuzuschauen hat etwas von einer Sportveranstaltung. Die Bühne betritt er im Sauseschritt, dann wedelt er mit den Händen, als wolle er davonfliegen. Setzt er sich doch mal hin, wippt pausenlos ein Fuß. Im selben Tempo spricht er auch. Über seinen Onkel Rudi, von dem er 200 Flaschen rumänischen Rotwein geerbt hat, im Wert von knapp 13 Euro. Selbst sein rumänischer Nachbar wollte den nicht haben. Ein tatsächlich erschienener Artikel über die schönsten Weingüter am Jakobsweg inspiriert Philipp Weber zu Geschichten über das Heilsaufen, frei nach dem Motto "einfach mal die Leber baumeln lassen".

Ganz anders, aber genauso unterhaltsam, kommen die beiden Künstler "Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie" daher. Hinter dem Titel stecken Wiebke Eymess und Friedolin Müller aus Hannover, die als Paar intelligente, mal freche, mal intime Zwiegespräche führen, oder auf Gitarre, Ukulele und Akkordeon schön bissige Lieder singen.

Nach dem dynamischen Philipp Weber wirken die beiden fast gemächlich, wie sie so dasitzen - als Pärchen, auf den Barhockern und darauf warten, dass der eine dem anderen eine Steilvorlage liefert. Da macht Friedolin etwa den Vorschlag, man könne doch, um dem Sexleben frischen Wind einzuhauchen, es mal mit einer Intimrasur versuchen. Und schon ist der Schlagabtausch eröffnet. Die Frage, warum Männer sich die Scham rasieren, beantwortet er mit einem Werbespruch, den er bei einem Waxingstudio aufgeschnappt hat: "Auf frisch gemähter Wiese ist selbst ein Zwerg ein Riese".

Als vierter im Bund steht der österreichische Musikkabarettist Mike Supancic auf der Bühne. In Bierzeltmanier rockt er alte Schlagerhits mit seiner roten E-Gitarre, verpasst den Liedern zum Teil haarsträubende Texte ("Ich bin Schläfer von Beruf"). Gut kommt vor allem die Imitation von Hans Moser. Der wirft sich bei Mike Supancic in Frauengewänder und ergötzt sich an den Unterhosenmodells im alten Otto-Katalog. Zum Nachhören empfohlen - am 10. und 24. Oktober um 14.05 Uhr auf BR2.

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